Aufregung ist es nicht, aber eine gewisse Nachdenklichkeit schwingt mit im Gespräch mit Florian David Fitz. Denn manchmal tut man im Leben einfach Dinge und wird sich erst später deren Tragweite bewusst. Florian David Fitz schwamm bisher auf der Erfolgswelle. Vor fünf Jahren ging es ihm wie George Clooney, er übernahm – bei der RTL-Serie „Doctor’s Diary“ – eine Rolle als Arzt und das Lauffeuer brach aus. Mit den beiden „Männerherzen“-Filmen und „vincent will meer“ war es dann endgültig passiert: Florian David Fitz wurde zum Schwarm von zwei, ach, wahrscheinlich drei Generationen Frauen. Nun hat der 38-Jährige zum ersten Mal Regie geführt. Und manche werden ganz genau hinschauen, ob der Schöne was kann. Für „Jesus liebt mich“ (Start: 20.12.) schrieb Fitz das Drehbuch zum Roman von David Safier und spielt vor allem die Hauptrolle. Fitz spielt: Jesus. Langes Haar, sanfter Augenaufschlag. Könnte das ein bisschen dick aufgetragen sein? Florian David Fitz ist bereit, bei einem Glas Tee darüber zu reden, wie es ist, im Fokus zu stehen und vielleicht zum ersten Mal eine Breitseite abzubekommen. Er spricht auch über Pawlowsche Hunde, Angst und Kritiken zum Eingraben.

Florian David Fitz führt Regie bei “Jesus liebt mich” und spielt die Hauptrolle.

 

chilli: Die Haare sind wieder ab. Sind sie sofort nach Drehschluss der Schere zum Opfer gefallen?
Florian David Fitz: Oh ja, ich bin ein halbes Jahr damit herumgelaufen, und es ist eine furchtbare Länge. Während des Drehs wird das entsprechend gestylt, aber kaum bist du zu Hause, hängen dir die Haare ständig ins Gesicht. Ich trug so einen Mini-Zopf auf dem Kopf, Bandanas oder einen Italiener-Haarreif … und sah immer aus, als käme ich vom Surfen.

chilli: Florian David Fitz, Schwarm von drei Generationen Frauen, spielt Jesus. Wenn man das hört, kommt einem schon mal der Gedanke: Geht’s noch?
Fitz: Das geht wahrscheinlich vielen Leuten so. Und: Geht’s noch?

chilli: Es geht gut. Vor allem, weil Sie sich bei Ihrer ersten Regiearbeit viel trauen.
Fitz: „Jesus liebt mich“ von David Safier las sich als Roman tatsächlich leichter, und die Verfilmung war mit etlichen Risiken verbunden: Wie bringst du eine romantische Komödie, das Ende der Welt und Jesus in einem Film zusammen? Das ist eine Herausforderung und dazu wird es unterschiedliche Meinungen geben …

In “vincent will meer” spielte er nicht nur die Titelrolle, sondern lieferte auch das Drehbuch.

 

chilli: Hatten Sie selbst Bedenken, dass Sie den Bogen überspannen, wenn Sie Jesus spielen?
Fitz: Ja, die hatte ich, aber das erwies sich im Rückblick nicht als Problem. Ich fürchtete, dass es schwierig wird, diese Rolle durchzuziehen, wenn ich viele andere Dinge im Kopf habe. Zudem war mir klar, dass die Figur nicht lügt, sie ist sehr pur. Das ist zum Spielen nicht so sexy, denn da fehlt ein Spannungsfeld, der Subtext. Auf der anderen Seite hat der Mann ja einiges erlebt, was wiederum spannend ist, wenn man es ihm ansieht.

chilli: Und wie wechselt man vom Regisseur zu Gottes Sohn?
Fitz: Es war von Vorteil, dass die Rolle des Jesus eine beobachtende ist. Er ist ruhig, einer der viel hinguckt. Das hat mir geholfen. Aber ich habe neulich mit Henry Hübchen, mit dem ich gerade einen weiteren Film gedreht habe, festgestellt, dass wir Schauspieler wie Pawlowsche Hunde sind. Unser Reiz ist die Klappe. Wenn wir die hören, stellt sich eine permanente Konzentration ein, wir sind im Arbeitsmodus und nur noch im Moment.

chilli: Gehen Sie als Regisseur auf die Leute zu und fragen nach deren Meinung oder entscheiden Sie da alleine?
Fitz: Meine Produzentin Steffi Ackermann ist für mich – schon immer – jemand, den ich um Rat frage, wenn sie am Set ist. Aber es waren auch viele andere sehr bei der Sache, die mit draufschauten, beispielsweise hatten wir einen sehr guten Regieassistent. Und ich frage natürlich: „Hat das gepasst?“, habe aber selbst auch ein ziemlich gutes Gefühl dafür, was funktioniert. Das kennt man aus anderen Filmen. Regie zu führen und selbst als Schauspieler dabei zu sein, ist nicht so schwierig. Das trennt sich von alleine durch den Ablauf und das Umschalten ging erstaunlich gut. Das war nicht meine Sorge.

Er ist nicht erst seit den “Männerherzen”-Filmen ein Frauenschwarm.

 

chilli: Sondern?
Fitz: Wie kriege ich diese Geschichte in einen Film, und zwar so, dass sie nicht auseinanderfällt? Der Film ist lustig, aber auch nachdenklich – und bietet eine große Angriffsfläche, denn er macht wilde Dinge: zu einer abgedrehten Story kommen Genrewechsel bis hin zum Fantasy-Showdown ? Ich habe mich so lange damit auseinandergesetzt, dass ich meine Arbeit irgendwann nicht mehr beurteilen konnte. Wenn du das Wort „Tür“ 2.000-mal wiederholst, hast du auch keine Ahnung mehr, was es bedeutet.

chilli: Wie gehen Sie damit um, dass viele jetzt ganz genau hinschauen?
Fitz: Mich so in den Fokus zu stellen, finde ich doof. Aber ist das ein guter Grund, es sein zu lassen? Als Produzent Nico Hofmann mich gefragt hat, habe ich mich daran erinnert, was er jungen Leuten in unserem Geschäft immer rät: Angst hat noch keinen Film gemacht. Ihr dürft vorsichtig sein, aber Angst bringt nichts, zieht euch nur Energie ab. Stell dir keine existenziellen Fragen, sondern stell dir die Frage: Hast du Lust drauf?

chilli: Dennoch schmerzt als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Kritik diesmal natürlich besonders.
Fitz: Darauf muss ich mich jetzt vorbereiten. Ich bin froh, dass die meisten „Jesus liebt mich“ so wahrnehmen, wie ich ihn meine. Aber es wird Menschen geben, die diese Reise nicht mitgehen, das ist ja völlig normal. Ich erinnere mich an manche Kritiken zu ‘vincent will meer’, da hätte man sich eingraben können.

chilli: War es Ihr erklärtes Ziel, sich zum Gesamtpaket zu entwickeln?
Fitz: Nein, ich hätte mit Regie noch gewartet, aber Nico Hofmann hat gefragt und da ist es jetzt passiert. Eigentlich hätte mir das Schreiben, zu dem ich schon eine starke Affinität spüre, gereicht als Herausforderung. Da ich genug andere Sachen auskundschaften möchte, war eine Regiearbeit nicht auf meiner „To do“-Liste. Es war eine schöne Erfahrung, die Arbeit selbst zu Ende zu führen und eine Herausforderung, weil ich einer bin, der schlecht abgeben kann. Aber auch hier musst du lernen, zu vertrauen. Alleine geht’s nicht.

In einigen Kinos ist Florian David Fitz auch noch als Carl Friedrich Gauß in “Die Vermessung der Welt” zu sehen.

 

chilli: Wie haben Sie sich Mut zugesprochen, dass Sie das hinkriegen?
Fitz: Als ich mich dafür entschieden habe, bin ich einfach gesprungen! Die Konsequenz muss ich erst jetzt tragen und werde sehen, ob ich damit klarkomme. Wenn ich hiermit komplett abbrenne, werde ich ein Problem haben – und erst dann wird es um Mut gehen. Dann kommen Steherqualitäten ins Spiel. Bisher habe ich noch keine wirkliche Breitseite abbekommen, fürchte aber gerade, dass es zum Erwachsenenleben an exponierter Stelle dazugehört.

chilli: Was hilft Ihnen beim Selbstschutz?
Fitz: Es hilft, mich nicht drei Monate lang mit der Rekapitulation des Positiven und Negativen von „Jesus liebt mich“ auseinanderzusetzen. Ab Januar konzentriere ich mich auf ein neues Projekt. Für mich ist Sport der beste Weg, mich abzureagieren. Wenn ich nicht zum Sport komme, merke ich, wie sich Aggressionen und Spannungen aufbauen.

Fotos: Warner Bros. Ent. / Warner Home Video / Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst