Als Sänger und Entertainer wird er weltweit verehrt. Er ist im Pop so treffsicher wie in Swing und Jazz, gilt gar als der Frank Sinatra der Gegenwart: Michael Bublé. Der 37-jährige Kanadier veröffentlichte im vergangenen Jahr das Album „Christmas“, das in 14 Ländern auf Platz eins schoss und damit als eines der erfolgreichsten Weihnachtsalben aller Zeiten gelten darf – und nun mit drei Bonus-Titeln neu aufgelegt wird. Ein Gespräch mit Erik Brandt-Höge über glückliche Kindertage, Weihnachtslieder als Seelenmassage und Bublés diesjährige Christmas-Party.


chilli: Was sind Ihre frühesten Erinnerungen an Weihnachten?
Michael Bublé: Ich erinnere mich an dieses tolle Gefühl, das ich schon als Kind hatte. Diese ganz spezielle Stimmung, diese Wärme.

chilli: Was ist mit Geschenken? Dreht sich als Kind nicht alles darum?
Bublé: Nein, nicht bei mir. Ich kann mich auch gar nicht daran erinnern, was ich damals so bekommen habe. Ich erinnere mich nur an eben dieses Gefühl – nennen wir es: Sentimentalität. Schon als Kind war ich an Weihnachten sehr sentimental. Das lag wohl daran, dass alle Menschen plötzlich nett zueinander waren und nur noch Gutes tun wollten.

chilli: Noch irgendwelche Kindheitserinnerungen?
Bublé: Ja, die Weihnachtsmusik, die durch unser Haus strömte: Bing Crosbys „White Christmas“. Seine Songs haben mich generell sehr beeinflusst. Besonders die Geschichten von Familie und Liebe! Und natürlich die wunderschönen Melodien! Die fand ich großartig. Es waren zugleich meine ersten Erfahrungen mit Popmusik.

chilli: Mussten Sie und Ihre Geschwister als Kinder auch Weihnachtslieder vortragen?
Bublé: Nein. Aber ich musste dabei helfen, die Lichterketten draußen an den Bäumen anzubringen. Ich erinnere mich noch genau, wie mein Vater jedes Jahr mit uns in die Garage ging, die Luke zum Dachboden öffnete und die Leiter aufstellte. Als ich noch klein war, half er mir immer hoch, und zusammen brachten wir dann die Schachteln und Kartons mit den Weihnachtssachen nach unten. Ich war immer sehr aufgeregt, wenn es wieder auf den Dachboden ging. Unsere Eltern haben Weihnachten wirklich immer zu etwas Besonderem für uns gemacht. Ich hoffe, ich kann meinen Kindern irgendwann die Liebe zurückgeben, die ich damals bekam.

chilli: Wünschen Sie sich manchmal, eine Zeitreise in diese glücklichen Kindertage unternehmen zu können?
Bublé: Zu gerne! Ich würde sofort zurückreisen und es alles noch mal erleben wollen.

chilli: Würden Sie irgendwas anders machen?
Bublé: Ja, ich würde das alles wahrscheinlich noch mehr genießen und versuchen, mehr davon in Erinnerung zu behalten. Auf eine gewisse Art und Weise kann ich jetzt aber auch wirklich zurückreisen. Ich versuche zumindest, Weihnachten mit den Augen meiner Nichten und Neffen zu sehen. Meine eine Schwester hat einen neunjährigen Jungen und ein sechsjähriges Mädchen, und meine andere Schwester hat eine Tochter, die drei ist, und einen erst sechs Monate alten Sohn. Wir Geschwister haben ein sehr enges Verhältnis.


chilli: Wie werden Sie in diesem Jahr Weihnachten verbringen?
Bublé: Ich werde wieder nach Hause fahren. Dort werden meine Familie und die Familie meiner Frau (das Model Luisana Lopilato, Anm. d. Red.) aus Argentinien sein, die ich komplett einfliegen lasse. Es kommen Menschen aus der ganzen Welt zu uns, und wir feiern Weihnachten alle zusammen. Wir haben einen Klavierspieler, der uns begleitet, wenn wir Weihnachtslieder singen, und unten im Keller haben wir eine kleine Disko aufgebaut, in der meine Schwiegermutter Salsa-Musik auflegt.

chilli: Hören Sie auch noch Bing Crosby?
Bublé: Absolut! Der beschallt unser Haus jedes Jahr, schon ab Ende November.

chilli: Hier beschallt vor allem eine Band jedes Jahr die Häuser: Wham mit „Last Christmas“.
Bublé: Das ist wirklich traurig.

chilli: Welcher Weihnachtssong geht Ihnen persönlich auf die Nerven?
Bublé: „Grandma Got Run Over By A Reindeer“. Der nervt mich tatsächlich sehr. Aber Traditionen kann man sich eben nicht aussuchen, auch nicht in der Musik. Wer hätte schon gedacht, dass ein Song von Mariah Carey mal ein traditioneller Weihnachtssong wird? Auch von Bing Crosby und David Bowie hätte man keinen Weihnachtshit erwartet. Aber ihre Songs wurden groß und werden bleiben. Wir werden sie weitergeben, so wie sie an uns weitergegeben wurden. Die traditionellen Weihnachtssongs, die wir kennen, werden auch noch in vielen Jahren gespielt werden. Und die Menschen werden sich weiterhin gut damit fühlen.

chilli: Fühlen Sie sich auch immer gut, wenn Sie selbst Weihnachtssongs singen?
Bublé: Ich liebe das! Ich könnte Songs wie „Jingle Bells“, „White Christmas“ und „I’ll Be Home For Christmas“ das ganze Jahr über singen. Mich würde das nie langweilen.

chilli: Sind Sie wirklich immer in der Stimmung für Weihnachten?
Bublé: Wenn ich ehrlich sein soll: nein. Letztes Jahr zum Beispiel sprach ich so viel über mein Weihnachtsalbum, dass ich für Weihnachtssongs irgendwann nicht mehr in der Stimmung war. Es ging nur noch um Promotion, Promotion und noch mehr Promotion – das alles wurde mir zu kommerziell. Das war nicht, wie ich mir Weihnachten vorstelle. Als ich letztes Jahr nach Hause kam, um mit meiner Familie zu feiern, hatte ich fast schon ein schlechtes Gewissen. Alle waren total in Weihnachtsstimmung, nur ich hatte längst genug von allem rund ums Fest.

chilli: Würden Sie trotzdem noch mal ein Weihnachtsalbum aufnehmen?
Bublé: Niemals! Ich werde keins mehr veröffentlichen.


chilli: Wenn man Sie auf diesem Album ganz friedlich die bekannten Weihnachtslieder singen hört, entsteht der Eindruck, Sie seien ein Engel auf Erden. Dabei sind Sie auf der Bühne alles andere als das. Haben Sie bewusst mit dem Unschulds-Image gespielt?
Bublé: Mein Job ist es nicht, ein bestimmtes Image zu verkaufen. Ich habe ja auch gar kein bestimmtes Image. Nur weil ich Liebeslieder singe, bedeutet das nicht, dass ich der größte Romantiker der Welt bin. Oder anders gesagt: Nur weil ich Ecken und Kanten auf der Bühne zeige, bin ich noch lange kein Arschloch. Ich glaube, der Hauptgrund dafür, weshalb ich irgendwann anfing, Erfolg zu haben, ist weil die Leute anfingen, meine Persönlichkeit zu verstehen. Seitdem werde ich oft in Fernsehshows eingeladen, nicht um zu singen, sondern nur, um auf der Couch zu sitzen.

chilli: Weil die Leute mehr Unterhaltung wollen.
Bublé: Genau darum geht es. Es geht um Humor, Spaß und Partys. Darum geht es aber auch, wenn ich Konzerte gebe. Da kommen dann 15.000 Leute, um mich zu sehen, und die sollen für die Zeit des Konzerts alles vergessen können, was ihnen gerade Sorgen macht. Wenn sie mich dann „Ave Maria“ singen hören und glauben, ich sei ein Engel, muss ich sie allerdings enttäuschen (lacht).

chilli: Man sollte eben nicht alles für bare Münze nehmen …
Bublé: Ja, denn ich bin auch kein Einzelfall: Frank Sinatra sang die tollsten Liebeslieder der Welt, er war so rein, schön und gut – aber er war kein Engel. Mein Freund Robbie Williams ist auch ein gutes Beispiel – und sein größter Hit war auch noch „Angels“. Probleme entstehen erst dann, wenn Künstler anfangen, sich zu verstellen und einem vorgaukeln, sie seien wirklich Engel. Irgendwann finden die Leute nämlich heraus, wer sie wirklich sind.

chilli: Wer sind Sie denn wirklich?
Bublé: Ich bin der Typ von nebenan. Ganz normal und bodenständig. So wie meine Familie.

Fotos: Warner
Quelle: teleschau – der mediendienst