Mit dem Thriller „Verblendung“ etablierte sich Noomi Rapace (32) als Expertin für Figuren, die wie außerhalb der realen Welt wirken. In Ridley Scotts bildgewaltigem Sci-Fi-Epos „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (Start: 9.8.) spielt die Schwedin jetzt die raumfahrende Wissenschaftlerin Dr. Liz Shaw. Liz sucht mit ihrem Lebensgefährtin Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) und der Besatzung des Raumschiffs „Prometheus“, darunter Kapitän Meredith Vickers (Charlize Theron) und Android David (Michael Fassbender), auf einem fernen Planeten die Schöpfer der Menschheit. Aber statt Göttern finden sie dort nur böse Titanen. Kerstin Lindemann hat mit der Schauspielerin gesprochen.


chilli: Wie schon Ripley, die von Ridley Scott in „Alien“ erschaffene Urmutter aller Actionheroinen, treten Sie den Bösen gewaltig in den Allerwertesten …
Noomi Rapace: Als ich mit zwölf oder 13 Jahren „Alien“ zum ersten Mal sah, öffnete sich mit diesem Film die Tür zu einer anderen Realität. So etwas Grandioses hatte ich nie zuvor gesehen, und Liz Shaw lebt quasi im selben Universum wie Ripley.

chilli: Mussten Sie schon beim Casting zum Nahkampf antreten?
Rapace: Es gab gar kein Vorsprechen. Ich war eigentlich wegen eines anderen Filmes bei ihm in Los Angeles, als Ridley Scott „Prometheus“ beiläufig erwähnte. Zwei Monate später bot er mir die Rolle an, allerdings mit dem Hinweis, es handele sich nicht um ein „Alien“-Prequel. Wie auch immer: Die Fans werden sicher die Verbindungen erkennen und Rückschlüsse ziehen können.

chilli: Sie sind berüchtigt für Ihre akribische Vorbereitung. Wie haben Sie denn die Rolle für diesen Film verinnerlicht?
Rapace: Um ehrlich zu sein, hatte ich dafür gar nicht viel Zeit. Zwischen dem Drehschluss von „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ und dem Drehbeginn von „Prometheus – Dunkle Zeichen“ lagen nur sechs Wochen. Ursprünglich wollte ich Menschen befragen, die schon mal im Weltraum waren. Aber dann war die Zeit zu knapp – und vermutlich sähe die Raumfahrt in der Zukunft, in der der Film spielt, ganz anders aus als heute. Also bestand die Vorbereitung aus Gesprächen mit Ridley Scott über meine Filmfigur und Sprachtraining für deren gewünschten britischen Akzent. Krafttraining stand auch noch auf dem Programm!


chilli: Wie harmlos – im Vergleich zu den diversen Piercings, die Sie sich für „Verblendung“ zulegten …
Rapace: Ich tauche für die Dauer eines Filmprojekts in eine andere Welt ein. Damit das gelingt, bin ich auch bereit, meinen Körper zu verändern. Piercings, Gewichtsab- oder zunahme? Kein Problem, denn ich tue das ja nicht aus Eitelkeit, sondern um des Films willen. In Hollywood sehe ich die Gefahr, dass die Leute besessen von Schönheit sind. Dabei ist es unmöglich, wirklich kreativ zu sein, wenn man dabei die ganze Zeit versucht, den Leuten zu gefallen. Ein darstellerisches Gefängnis für einen Schauspieler! Schauspiel sollte aber völlige Freiheit bedeuten, alles muss in einer Rolle möglich sein.

chilli: Sie haben einen neunjährigen Sohn. Wie organisieren Sie Arbeit und Job?
Rapace: Mit Hilfe einer Kinderfrau und indem ich versuche, Filmdrehs um Schulferien und Wochenenden herumzubasteln. Ich liebe meinen Sohn, aber ich liebe eben auch meine Arbeit. Also ringe ich ständig um Kompromisse. Das ist manchmal ganz schön anstrengend!

chilli: Ihr Vater, der Flamencotänzer Rogelio Durán, …
Rapace: … war für mich als Kind ein Mysterium, weil ich ihn nicht kannte. Ich hörte nur Familiengeschichten über diesen Tänzer, der eine Zeitlang mit Zigeunern herumgezogen war. Mit 14 war ich dann selbst in Spanien, noch bevor ich meinen Vater traf. Und ich sah dort fahrendes Volk spielen. Mich hat die Musik fast umgehauen. Ich fühlte mich ihrer Kultur, der Energie und dem Temperament dieser Menschen unglaublich nahe, näher vielleicht als den Schweden.


chilli: Brachte er Ihnen den Flamenco bei?
Rapace: Nein, aber lustigerweise musste ich für „Sherlock Holmes“ traditionelle Zigeunertänze lernen, die dem Flamenco ähnlich sind. Ich kann eigentlich überhaupt nicht gut tanzen, aber die Trainerin wunderte sich, wie leicht es mir fiel. Also vielleicht trage ich doch die Flamenco-Gene in mir.

chilli: Und wann dürfen wir Sie endlich, tanzend oder nicht, in einer rosaroten Hollywoodromanze erleben?
Rapace: Das wird sicher nicht passieren! Liebesschmonzetten sind ganz und gar nichts für mich. Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Das können andere viel besser. Ich würde mich langweilen.

Fotos: 2012 Twentieth Century Fox / 2011 Village Roadshow Films
Quelle: teleschau – der mediendienst