Öfter mal was Neues, dachte sich Pierce Brosnan (59), als er 2010 beim Teenieabenteuer „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ einen wilden, zotteligen Zentauren spielte – „und außerdem war das endlich mal ein Film, mit dem ich auch bei meinem Jüngsten, Paris, punkten konnte“, lacht der Ire. In Susanne Biers warmherziger Komödie „Love is all you need“ (Start: 22.11.) darf der ehemalige „Bond“-Darsteller jetzt endlich wieder gut aussehen, nett sein – und glücklich werden. Als Obstgroßhändler Philip reist er aus Dänemark zur Hochzeit seines Sohnes nach Italien. Das Familienfest vor südlicher Kulisse gerät etwas aus den Fugen, als der Bräutigam plötzlich an seiner Heiratsfähigkeit zweifelt und sich Philip in die Brautmutter (Trine Dyrholm) verguckt. Im Interview mit Margarete Richter spricht Pierce Brosnan über glatte Fassaden, das Alter und Bandbreiten des Glücks in seinem Leben.


chilli: Sie wirken beinahe mönchisch entspannt in diesem Film.
Pierce Brosnan: Kein Wunder, so lustig und liebevoll wie der Film waren auch die Dreharbeiten. Nach dem Abspann werden die Zuschauer das Kino mit einem wohlig warmen Gefühl im Bauch verlassen, ganz gleich wie kalt es draußen ist. Es ist ein ganz und gar unerschrocken romantischer Film und dabei sehr lustig, obwohl er auch ein Thema wie Krebs behandelt. Es geht um Hoffnung, Glauben und Liebe – Love is all you need!

chilli: Ist das Ihr Lebensmotto?
Brosnan: Ich bin ein glücklicher, sogar ein sehr glücklicher Mensch, der sich geliebt fühlt. Aber ich habe in meinem Leben auch schon am anderen Ende der Glücksskala gestanden. So wie das wohl bei jedem irgendwann mal der Fall ist. Wenn man also glücklich ist, dann sollte man versuchen, das Glück festzuhalten und auch etwas davon abzugeben. Dann kann man es am allerbesten genießen. Ob das mein Motto ist? Vielleicht eher das Ergebnis einiger Jahrzehnte Lebenserfahrung.

chilli: Ihre Filmfigur Philip ist Witwer und verliebt sich in die krebskranke Mutter der Braut. Ihre erste Frau Cassandra Harris starb 1991 an Krebs. Waren die Dreharbeiten für Sie schmerzlich oder hilfreich?
Brosnan: Den Verlust eines geliebten Menschen trägt man für immer in seinem Herzen. Er verblasst nicht. Als Schauspieler ist es mein Beruf, strahlende Helden darzustellen, aber ebenso intime Momente im Leben eines Menschen. Ja, ich konnte auf mein eigenes Leben, meinen eigenen Schmerz zurückgreifen, um die Szene zu spielen, in der Philip vom Verlust seiner Frau erzählt. Das ist ja das große Glück der Kunstform Schauspielerei, dass man sich selbst benutzen kann, um seine Figur Gefühle ausdrücken zu lassen, von denen der Zuschauer dann denkt: So habe ich auch schon empfunden, ich bin also nicht alleine.


chilli: Heilt Zeit die Wunden?
Brosnan: Sie schleift sie ab. Aber die Essenz des Verlusts bleibt, ebenso die Frage: Wie wäre es zu vermeiden gewesen? Und wenn man dann mal wieder dem Glück begegnet: Festhalten und nicht mehr loslassen!

chilli: Fühlen Sie sich mit zunehmendem Alter wohler in den zunehmend älteren Figuren, die Sie spielen?
Brosnan: Man muss sich ja irgendwann mal damit abfinden, dass man älter wird und sich dazu aufraffen, trotzdem mit seinem Leben weiterzumachen anstatt sich zu grämen. Ich gehe stark auf die 60 zu …

chilli: Haben Sie Angst vor dem runden Geburtstag?
Brosnan: Das nicht, aber ich bin mir schon bewusst, dass die Zeit vergeht und sich die Anteile von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in meinem Leben verändern. Ich genieße mein Leben mehr. Ich betrachte meine Familie und bin mir bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, sie zu haben. Ich halte jeden Moment fest und erfreue mich daran.

chilli: Geht die Eitelkeit, wenn das Alter kommt?
Brosnan: Natürlich. Man kommt an einen Punkt, an dem man nur noch man selbst ist und die glatte Fassade endlich fallen lassen kann. All diese Thomas-Crown- und James-Bond-Images ermüden irgendwann. Und auch wenn ich diesen Rollen sehr dankbar bin: Ich habe sie abgehakt.

chilli: Sind Sie heute ein besserer Mensch als vor zehn Jahren?
Brosnan: Ich bin derselbe … mit etwas Bauchansatz – und graueren Haaren.


Fotos: Prokino Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst