So zierlich sie auch sein mag: Zoë Saldaña ist keine Frau, mit der man sich anlegen möchte. Nicht dass irgendein Anlass dazu bestünde, schließlich ist die 34-Jährige beim Interviewtag zu „Star Trek: Into Darkness“ (Start: 9. Mai) im Berliner Adlon eine sehr angenehme, aufgeschlossene Gesprächspartnerin. Doch immerhin spielte sie in Filmen wie „Avatar“, „Colombiana“ oder eben „Star Trek“ so toughe und selbstbewusste Frauen, dass man sich ohne Weiteres vorstellen kann, wie sie unliebsame Fragesteller cool und clever auflaufen lassen könnte. So, wie es eben auch ihre Nyota Uhura auf der Enterprise macht …

Zoë Saldaña
chilli: Als die Serie „Star Trek“ erstmals auf Sendung ging, wurden die Menschen ausgelacht, die an Aliens glaubten …
Zoë Saldaña: Es wäre ziemlich blasiert, zu glauben, dass wir die einzige intelligente Lebensform sind. Im Gegenteil: Ich glaube, wir sind nur eine von unzähligen Spezies, die in dieser unendlichen Weite des Universums parallel existieren. Wir Menschen sind doch nur einer kleiner Fleck im Universum.

chilli: Sie wurden mit starken Frauenrollen in Action- und Science-Fiction-Filmen berühmt: Warum werden Sie immer wieder für solche Rollen verpflichtet?
Saldaña: Natürlich bin ich zuallererst eine Frau, zerbrechlich und durchaus mädchenhaft. Aber Männer von wirklicher Größe können eine Frau als gleichberechtigte Partnerin akzeptieren und ihnen starke Rollen geben. Ich hatte Glück, solchen Filmemachern begegnet zu sein. Frauen sind nicht nur schwach und warten darauf, dass sie von Männern beschützt werden. Wir erledigen unsere Dinge selbst. Dieses Selbstbewusstsein transportiere ich in meinen Rollen und hoffe, damit ein Vorbild für zukünftige Generationen zu sein – egal ob das ein Science-Fiction-Film ist oder ein Biopic über Nina Simone. Wenn ein brillanter Mann wie unser Regisseur J.J. Abrams mit mir drehen will, weil er meine bisherige Arbeit schätzt, fühle ich mich bestätigt.

chilli: Werden Sie im Filmgeschäft gleichberechtigt behandelt?
Saldaña: Nein, nicht immer. Das liegt aber daran, dass das Filmgeschäft ein Männerclub ist: Wenn Männer zusammenhocken, kann sich eine Frau nur schwer Gehör verschaffen. Aber zugegebenermaßen: Andersrum ist es genauso. Stellen Sie sich vor, Sie kommen als Mann in eine Frauenrunde. Raten Sie mal, wie ernst Sie genommen werden? (lacht) Ich sehe das weniger als Krieg der Geschlechter. Es ist vielmehr die natürliche Reaktion einer Mehrheit. Ich habe zwei Schwestern: Wenn wir drei zusammen sind, verdienen unsere Partner fast schon Mitleid.

Zoë Saldaña mit Zachary Quinto und Chris Pine (rechts).
chilli: Wo sind denn die Unterschiede zwischen einer fiktiven Geschichte wie „Star Trek“ oder „Avatar“ und einer Filmbiografie wie „Nina“?
Saldaña: Die Nina-Simone-Rolle brachte eine riesige Verantwortung mit sich, was die Arbeit unglaublich aufreibend und erschöpfend machte. Im Vergleich dazu war „Avatar“ ein Spaziergang. Nina Simone ist eine Frau, eine Künstlerin, deren Geschichte unbedingt erzählt werden muss, weil ihr Leben so unfassbar echt war – mit wenigen Höhen und vielen Tiefen. Ihre Musik ist unsterblich und hat die Welt verändert, während sie selbst eine eher unbekannte Heldin blieb.

chilli: Wie weit ist der Nina-Simone-Film?
Saldaña: Der Film wird gerade geschnitten, und ich war gerade noch einmal im Studio, um die Songs einzusingen.

chilli: Sie singen selbst? Hatten Sie keine Angst vor dieser Herausforderung?
Saldaña: Ich hatte großen Respekt. Ich treffe zwar Töne und habe eine kratzige Stimme, aber bislang sang ich nur unter der Dusche oder beim Karaoke. Jetzt musste ich es professionell machen – und Ninas Stimme ist einzigartig. Für mich kam es darauf an, meinen ganz persönlichen Zugang zu ihrer emotionalen Melodie zu finden. Ganz ehrlich: Das Singen war für mich einfacher, als in ihre Haut zu schlüpfen.

chilli: Das Nina-Simone-Projekt hatte schon Kontroversen ausgelöst, bevor die Dreharbeiten begannen, unter anderem wegen Ihrer Besetzung: Haben Sie mit dem Widerstand gerechnet?
Saldaña: Wenn das Leben einer Ikone verfilmt wird, sind nie alle glücklich. Ich war also vor dem Aufschrei gewarnt und konnte mich recht schnell auf meine Arbeit konzentrieren. Die Leidenschaft, mit der geschimpft wurde, zeigt doch nur, wie sehr Nina Simone von den Menschen geliebt wird. Das ist eher ein Ansporn für mich. Außerdem gibt es im Filmgeschäft ständig Kontroversen. Nehmen Sie „Star Trek“: Vor dem ersten Film von J.J. Abrams gab es unendlich viele zermürbende Diskussionen. Unter anderem auch über die Beziehung zwischen Spock und Uhura: Aber das ist egal. J.J. verließ sich auf sein Bauchgefühl. Die Love Story der beiden funktioniert wunderbar: Der Film gewinnt dadurch.

chilli: Nina Simone war eine ganz besondere Künstlerin, wie Sie selbst sagen: Gibt es jemanden, der diese Einzigartigkeit heute hat?
Saldaña: (überlegt lange) In einer gewissen Weise: Kanye West. Er ist sehr unverblümt und direkt, was ihn aber auch menschlich angreifbar macht. So wie Nina. Und: Kanye ist äußerst talentiert, hat eine einzigartige Stimme und ist ein moderner Poet. Die Poesie des Rap wird viel zu oft unterschätzt.

Zoë Saldaña
chilli: Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken, welche Höhen und Tiefen gab es?
Saldaña: „Fluch der Karibik“ war ein Tief und zeigte mir, was in Hollywood alles schieflaufen kann. Es gab zu wenig Bescheidenheit in den entscheidenden Positionen. Die Stimmung am Set litt darunter, weil es eine imaginäre Linie zwischen denen „da oben“ und denen „da unten“ gab. Aber danach drehte ich „Terminal“ mit Steven Spielberg, was mir das Vertrauen zurückgab. Und dann kamen James Cameron mit „Avatar“ und J.J. Abrams mit „Star Trek“: Männer, die sehr respektvoll sind und mir „Crash Boom Bang“-Erlebnisse in Hollywood ermöglichten.

chilli: Ist es für Sie beim Drehen dasselbe „Crash Boom Bang“-Erlebnis wie für das Publikum?
Saldaña: (lacht) Wahrscheinlich nicht ganz. Bei uns gibt es einen Greenscreen, Freunde im Alienkostüm, Schminkpausen … Man bekommt natürlich die ganzen technischen Aspekte des Filmemachens mit und kann sich nicht entspannt im Kinosessel überwältigen lassen. Aber Spaß macht’s trotzdem. Und: Ich schaue mir auch meine eigenen Filme im Kino an, weine, lache und esse Popcorn. Ich bin zwar Schauspielerin, aber vor allem Filmfan: Das kleine Mädchen in mir, dass sich in Filme reinsteigert, lasse ich einfach nicht erwachsen werden.

chilli: Mit „Avatar“ sind Sie zum Hollywood-Star geworden: Wie schwer ist es, das Privatleben privat zu halten?
Saldaña: Das gelingt mir immer noch recht gut. Was auch daran liegen mag, dass ich in „Avatar“ blau war. Dafür bin ich recht dankbar, weil mir meine Privatsphäre wichtig ist und ich nach der Arbeit nicht über die Arbeit reden möchte.

chilli: Wann können wir denn mit der „Avatar“-Fortsetzung rechnen?
Saldaña: Das weiß ich nicht. James Cameron hat sich gerade zurückgezogen und schreibt am Drehbuch. Wir tauschen regelmäßig E-Mails aus, und ich weiß, wie viel Mühe er sich mit der Geschichte macht. Ich kann es kaum erwarten, das Drehbuch zu lesen.

Text: Andreas Fischer
Quelle: teleschau – der mediendienst
Fotos: Sean Gallup / Getty Images for Paramount Pictures