Die Pioniertat aus der Amtsstube

Es ist, da hat der frühere Freiburger Regierungspräsident und heutige Vorsitzende des Münsterbauvereins Sven von Ungern-Sternberg durchaus Recht, „ein gewichtiges Werk“ – und das in doppelter Hinsicht: Das vom baden-württembergischen Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau jetzt herausgegebene Buch „Naturwerksteine“ umfasst 765 Seiten, 1248 Abbildungen, 45 Tabellen – auf 3,5 Kilo bedrucktem Papier.

Sandstein pur: So dickbankige Exemplare wie im Steinbruch Rockenau gibt es in Freiburg nicht mehr.

 

Ideelles Gewicht hat das Buch, weil es zum ersten Mal in der Geschichte des Landes kaum eine Frage zu Natursteinen mehr offenlässt und sich zudem erstmals auch an eine breitere, interessierte Öffentlichkeit wendet. „Seit Jahren wächst beim Lebensmittelkonsumenten das Bewusstsein für heimische Lebensmittel – warum sollte das nicht auch Maßgabe beim heimischen Naturstein sein“, fragt der Amtsleiter Ralph Watzel.

Die Karte zeigt die Lage der historischen Steinbrüche am Lorettoberg.

 

Nicht nur Insider wissen, dass der Freiburger Buntsandstein, genauer: der Lorettoberger Sandstein, schon längst von vielen Häuslebauern geschätzt, zuweilen regelrecht gejagt wird. So ist „Naturwerksteine“ auch ein Plädoyer für den Rohstoff, den es immer noch reichlich gibt und der längst nicht nur für die Sanierung von Baudenkmalen wie dem Freiburger Münster von sehr großem Wert ist. Den einfachsten Zugang zu einer alten Steinbruchwand auf dem Lorettoberg bietet übrigens das Schlosscafé: Im Keller sind die gelblich gebleichten Sandsteine der an dieser Stelle mit etwa 35 Grad nach Westen fallenden Schichten sichtbar. Ein ganzes Kapitel setzt sich mit dem Loretto- und Schlierberg auseinander. Und dabei wird es durchaus auch mal tiefschürfend: „Das Korngefüge ist homogen bis feinstreifig und undeutlich geschichtet, selten geflammt.“

Eine offene Wand im Süden.

 

Akribisch hat das Autorenteam das ganze Land abgegrast, hat für von der Öffentlichkeit längst vergessene Steinbrüche Platz im Buch freigeschaufelt, hat Vorkommen, Nutzung und Verwendungsmöglichkeiten bemerkenswert detailliert beschrieben. Ein gleichsam aus dem Stein gehauenes Werk vor allem für Steinmetze, Bauhistoriker, Bauherren, Architekten, Kommunen, gestandene oder kommende Wissenschaftler. Aber auch der interessierte Laie kann sich reinbeißen, in die Geschichte der Natursteine, die auch ein Stück Heimatgeschichte sind. Wolfgang Werner, der Leiter des Referats für Landesrohstoffgeologie, legt derweil Wert darauf, dass es nicht darum gehe, „in den nächsten Jahren viele neue Steinbrüche zu eröffnen und dem Steinimport etwa aus Fernost mit gleichen Mengen begegnen zu wollen“. Wenn alles nun auf die heimischen Sandsteine setzen würde, sei das im Gegenteil gar nicht so wünschenswert. Der Mann ist eben ein Rohstoffler.

 

Text: Lars Bargmann / Alle Bilder aus „Naturwerksteine aus Baden-Württemberg“

Naturwerksteine_Cover

 

Wolfgang Werner, Jens Wittenbrink, Helmut Bock & Birgit Kimmig
Naturwerksteine aus Baden-Württemberg
Hardcover,
Fadenbindung
49 Euro