Natürlich sind die Babyshambles eine Band, zu fünft gestern Abend. Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, plus ein (Begleit-) Musiker an Keyboard und Posaune.In erster Linie aber sind die Babyshambles Pete Doherty. Der skandalumwitterte, exzentrische Ex-Lover von Kate Moss,  zu frühem Ruhm mit den Libertines gelangt, steht logischerweise auch an diesem Abend  im Zentrum des Publikumsinteresses.

 

Die Band tritt kurz nach Neun auf die etwas überdimensioniert wirkende Bühne auf dem Lörracher Marktplatz. Zuvor hatten die Kapoolas aus dem benachbarten Basel versucht, die überschaubare Menge einzustimmen,  Doherty und seine Jungs machen einen aufgeräumten Eindruck, scheinen bester Dinge und gewillt,  eine anständige Show abzuliefern. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Doherty ist nicht zuletzt auch berühmt und berüchtigt für abgebrochene und kurzfristig abgesagte Konzerte, Drogenexzesse, Gesetzeskonflikte, das volle Programm eben.

 

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Hier und an diesem Abend läuft alles zuerst in geordneten Bahnen. Das Publikum, darunter auch einige textsichere, mit Doherty-Gedächtnis-Hütchen ausstaffierte Fans, beklatscht eifrig die Songs, die allgemeine Stimmung bleibt aber eher verhalten. Die Band spielt sich  engagiert und motiviert durch das Repertoire der drei Alben, lässt eigentlich nichts Relevantes aus.

 

Lässig die ein, zwei TwoTone/Dub-Nummern mit Posaune – ein schöner Kontrapunkt zum ansonsten garagig-schrammligen, an Punk und Sixties geschulten Sound. Doherty gibt derweil den Frontmann. Er parliert launig radebrechend Deutsch („Was ist los, Baden-Baden?“- weiß er wirklich nicht, wo er sich gerade befindet, oder beliebt der Künstler nur zu scherzen?), übt sich in Gitarrenweitwurf,  testet das Mikro auf seine Klopffestigkeit, stolpert, tritt trinkend um sich, aber alles im Rahmen. Das Konzert endet dann standesgemäß.

 

Erst baumelt ein BH am Mikroständer, dann fackelt Doherty auf der Bühne eine Rose ab, bevor es zum Abschluss „Fuck Forever“ gibt, vermutlich der Hit der Babyshambles. Das Publikum kommt nun nochmals richtig aus den Puschen, aber danach ist auch schon Schluss. Die Zugabe gibt’s am Merchandise-Stand. Unvermittelt nämlich taucht dort plötzlich der Meister selbst auf, gibt sich leutselig, trällert ein Liedchen, signiert alles, was ihm hingehalten wird und lässt eine wahre Smartphone-Fotoorgie über sich ergehen. Ein Rockstar, fast zum Anfassen. Bevor er im  Bus verschwindet, geht’s noch rüber zum Wurststand, die Fans im Schlepptau- ein überzeugender Abgang nach einem soliden Auftritt.

 

Fürs chilli in Lörrach: Ralf Welteroth