Wer meint, dass das kleine Riegel am Kaiserstuhl und Andy Warhol sicher nie zusammenfinden würden, kennt Jürgen Messmer nicht. Der Inhaber der gleichnamigen Kunsthalle in Riegel überrascht die Region nach Hundertwasser & Ernst Fuchs und Chagall erneut mit einem Kracher: Noch bis zum 13. September zeigt Messmer frühe Zeichnungen und vier Siebdruckserien von Andy Warhol. Versicherungstechnisch die bisher teuerste Ausstellung in 10 Jahren Messmer Foundation.

Marilyn: Die komplette Serie ist in Riegel zu sehen – als Leihgabe des Ulmer Museums.

 

Ein guter Freund in Berlin und eine Reise nach Singapur machten es möglich: Beim Besuch der asiatischen Metropole stand Messmer unvermittelt vor frühen Warhol-Zeichnungen, und beim Galeristen Michael Schultz hingen auch mal zwei Zeichnungen des revolutionären Künstlers. Es reifte die Idee, Warhol in den Breisgau zu holen, Messmer hängte sich ans Telefon, traf sich mit Leihgebern und hatte irgendwann beieinander, was in Riegel eigentlich nicht zusammengehört.

 

„Warhol war in Summe 2014 der meistverkaufte Künstler der Welt, wir freuen uns sehr, dass wir ihn zeigen können“, sagt Messmer, der am ersten Sonntag 600 Besucher begrüßte. Rekord. Zu Chagall kamen gut 41.000, zu Hundertwasser/Fuchs gut 38.000, wird Warhol diese Zahlen knacken? Wohl ja.

 

Warhol, im Armenviertel in Pittsburgh aufgewachsen, revolutionierte die moderne Bildsprache, seine Serien von Stars, Suppendosen, Dollarnoten oder sensationssüchtigen Schlagzeilen wurden zu Ikonen der Kunstgeschichte. Schon als Student untergrub er den Kult um die persönliche Handschrift des Künstlers, kopierte seine Zeichnungen und ließ sie von Freunden kolorieren. Dieses Prinzip zelebrierte er dann in seiner legendären Factory an der 231 East 47th Street, wo sich in den 1960er Jahren die Society, Künstler, Musiker, Schauspieler, und Drogenfreaks trafen – und die Feministin Valerie Solanas 1968 Warhol mit einem Schuss fast ins Jenseits befördert hätte. Ob allein deswegen in den 70ern Menschen, die sich von Warhol porträtieren ließen, schon 25.000 Dollar hinblättern mussten?

Farbflash: Den großen Goethe hat Warhol mit viereinhalb Quadratmetern Acryl auf Leinwand verewigt. Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt.

 

Die Ausstellung zeigt vier berühmte Siebdruck-Serien und die wichtigsten Stationen seines Werdegangs. Sie beginnt in den 50ern (Andrej Warhola arbeitete noch als Werbegrafiker), führt über Spitzenwerke wie das große Por-trät Goethes, die berühmten Serien der Campbell’s Suppendosen, Maos und Flowers und auch die Flash-Serie, mit der Warhol das Kennedy-Attentat dokumentierte. Und sie zeigt auch die komplette Marilyn-Serie des King of Pop Art. Ein Farbflash. Eine kräftig reizsetzende Reise durch Kunst und Kommerz. Eine außergewöhnliche Ausstellung.

 

www.kunsthallemessmer.de

 

Text: bar & Fotos: Armin Buhl, kunsthalle weishaupt