Eine junge Frau allein auf einer Parkbank mitten in Paris. Es wird dunkel, Straßenlaternen gehen an und Rollläden runter. Zeit, heim zu gehen. Aber wo soll das sein? Name, Adresse, Erinnerungen – alles weg. Was die beiden französischen Comic-Blogger in ihrer grandios gezeichneten Graphic Novel erzählen, ist zwar ein klassischer Plot um einen Gedächtnisverlust, dabei aber ebenso spannend wie philosophisch und vielschichtig.

 

Vor allem strotzt die Geschichte der Buchhändlerin Eloïse vor Tragikomik: Köstlich, wie sie dank einiger Handtaschenutensilien in ihr vermeintliches Zuhause findet, welch wilde und abstruse Fantasien sie sich über ihr Vorleben zusammenspinnt, wie hartnäckig sie ihre Spurensuche betreibt und wie tapfer sie durch einen fremden Alltag stolpert… Zumal sich alle Spuren als Sackgasse erweisen und Eloïse mehr und mehr zu der Einsicht kommt, einfach nur eine langweilige, blöde Kuh gewesen zu sein.

 

Großstadtszenen, schräge Begegnungen, detaillierte Alltagsfragmente, Träume und Fiktionen, all das verquickt sich in vielen knallig eingefärbten Panels mit wenig Text zu einer Story, die einen ungeheuren Sog entwickelt und immer mitten im wirren Kopf ihrer Protagonistin spielt. Totaler Reset – vielleicht ja die Chance auf einen radikalen Neuanfang?

 

Foto: Marion Klötzer

 

Graphic Novel Wie ein leeres Blatt

 

Boulet / Pénélope Bagieu

Wie ein leeres Blatt

Graphic Novel

Carlsen, 2013

208 Seiten, 17,90 Euro

 

 

Gewinnspiel:

Wir verlosen drei Exemplare. Ihr wollt gewinnen? Dann schickt eine E-Mail mit dem Betreff “Wie ein leeres Blatt” an gewinnspiel@chilli-freiburg.de

 

 

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