Johann Christian Schulz über die Leiden der Freiburger Komponisten

Nun haben auch die Freiburger Komponisten ihre Interessengemeinschaft, die IFK. Die hat Johann Christian Schulz zusammen mit elf Vertretern seines Berufsstandes gegründet. Der 50-Jährige ist einer der wenigen, die vom Komponieren leben können. Im chilli-Interview erklärt er, wie die „Musik-Architekten“ ihr Geld verdienen, was man sich von der IFK erhofft und warum die Popmusik im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist.

chilli: Herr Schulz, wie ist die Auftragslage?
Schulz: Immerhin kann ich als Komponist leben. Das können einige meiner Kollegen leider nicht. Viele arbeiten hauptberuflich als Musiklehrer, Professoren oder Instrumentalisten. Ich selbst habe jahrelang als Tonmeister gearbeitet.

chilli: Warum ist es denn so eine schwierige Branche?
Schulz: Es gibt als Komponist verschiedene Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Man kann einfach Stücke schreiben und hoffen, dass sich irgendjemand dafür interessiert, oder man arbeitet eben für Auftraggeber. Das kann ein Interpret sein, der ein Stück benötigt, also Solisten oder auch ein Ensemble, oder auch eine Institution, wie etwa der Rundfunk oder Opernhäuser. Solche Aufträge bringen zwar Geld, werden aber immer seltener. Wovon wir eigentlich leben, sind die Urheberrechtsgebühren, die fällig werden, wenn Stücke von uns wieder aufgeführt werden. Leider werden viele Stücke heute aber nur noch ein- bis zweimal gespielt und verschwinden dann in der Versenkung.

chilli: … und machen so Platz für neue Stücke?
Schulz: Schön wäre es. Es gibt hier zwar ein reges Musikleben, das stützt sich aber stark auf Ensembles und weniger auf die Komponisten. Die Stadt vergibt zwar Fördergelder für kulturelle Veranstaltungen, die bekommen aber meist die Aufführenden. Dabei ist es dann oft sekundär, was gespielt wird, und so kommt es, dass heimische Komponisten unterrepräsentiert sind. Schlicht, weil niemand auf sie achtet.


chilli: Weswegen es jetzt die Interessengemeinschaft Freiburger Komponisten gibt.
Schulz: Genau. Wir sind eigentlich nichts anderes als eine Lobbyvereinigung, die in Freiburg das Augenmerk darauf lenken will, dass es uns gibt.

chilli: Klingt ein wenig wie eine Selbsthilfegruppe verkannter Genies.
Schulz: Nein, nein. Freiburg hat traditionell eine starke Komponistenriege, denken wir nur mal an Leute wie Wolfgang Fortner oder Klaus Huber. Dass Interesse an unserer Arbeit besteht, hat man ja an unserer Auftaktveranstaltung Mitte März gesehen, als 160 Leute in den Kunstverein gekommen sind und ein sehr positives Feedback gegeben haben. Unsere Gemeinschaft dient einfach dazu, Kräfte zu bündeln, uns gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen.

chilli: Was ist konkret geplant?
Schulz: Wir wollen die Zusammenarbeit mit Vereinen wie Mehrklang und dem Kulturdezernat der Stadt Freiburg oder den Ensembles verstärken. Wenn Konzerte geplant werden, sollen auch hiesige Komponisten Aufführungen bekommen. Außerdem läuft bereits eine Reihe von Künstlerwerkstätten und Studiogesprächen, bei denen wir unsere komplexe Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.

chilli: Liegt es vielleicht auch an der Art der komponierten Musik, dass heimische Komponisten weitestgehend unerhört bleiben?
Schulz: Unsere Arbeit ist eine Kunstform, die meist in einem Bereich stattfindet, der wenig mit dem Unterhaltungssektor zu tun hat. Kunst hört eben da auf, wo Kommerz anfängt. Und für den gemeinen Konsumenten ist die Musikbildung leider irgendwo im 19. Jahrhundert stehen geblieben. Die Offenheit für neue Musik wurde uns wegtrainiert. Das Komponieren von Pop-Musik ist etwa so, wie wenn ein Architekt ein Haus aus Fertigbauteilen entwirft. Und das kann ja nicht das Ziel sein.

Text & Foto: Felix Holm