Mehr als 40 Aufführungsorte – der größte für bis zu 1800 Zuschauer –, 240 Künstler aus 30 Ländern, etwa 1300 Veranstaltungen für Firmenkunden, 5500 Aufführungen der Tagesshows und 70 weitere Events pro Jahr: Wer denkt, um an einen Veranstaltungsort mit solchen Dimensionen zu gelangen, sei zumindest ein Interkontinentalflug nötig, irrt. Der Europa-Park in Rust rühmt sich als Freizeitpark mit den weltweit meisten und qualitativ besten Shows und Events.

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Entertainmentdirektor Ian Jenkins sieht dies in der Leidenschaft der Familie Mack begründet: „Andere Freizeitparks verzichten auf ein gutes Showprogramm, weil sich der finanzielle Rücklauf dieser Investition nicht direkt messen lässt.“ Viele Millionen investiere der Park in die Veranstaltungen, die vielfältiger sind, als es für den Besucher auf den ersten Blick scheint: Neben den täglichen Shows, die hauptsächlich auf zehn Bühnen spielen, gibt es mehrwöchige oder Tagesevents wie die Horror Nights oder die Silvesterparty und die Veranstaltungen des Confertainments. Für die Veranstaltungstechniker machen diese Firmenevents den Hauptteil der Arbeit aus. „Manche Firmen wollen eine große Party mit Band und Showprogramm, für die wir manchmal eine Woche lang mit dem Aufbau beschäftigt sind. Anderen reicht ein Beamer und eine Leinwand“, weiß Veranstaltungstechniker Gerhard Krämer.

Doch wie sind all diese verschiedenen Events unter einen Hut zu bringen? Ein wichtiger Schritt war vor einem Jahr die Bündelung der Abteilungen Show, Event und Veranstaltungstechnik zu einem Entertainmentbereich. Laut Jenkins habe das die Kommunikation entscheidend verbessert.

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Die Vielfalt der Veranstaltungen erfordert zudem eine Vielfalt an Künstlern. Um sie zu finden, reist Jenkins zu Shows und Zirkusfestivals in der ganzen Welt – mal gezielt, weil er Tänzer und Artisten für eine bestimmte Show braucht, mal um neue Talente zu entdecken, auf die er dann eine Veranstaltung zuschneidet.

Kurz vorm Start in die Sommersaison reisen in diesen Tagen die ersten Künstler an. Im Vorfeld hat sich das Entertainment nicht nur um Transport und nötige Visa gekümmert, sondern für rund 80 Prozent der Künstler auch die Unterbringung organisiert. „Für die meisten haben wir eine Wohnung in Rust oder Umgebung – bei 240 Künstlern ist es jedoch nicht leicht, alle unterzubringen“, erzählt Jenkins.

An Auftrittsmöglichkeiten für die Künstler ist Jenkins nicht verlegen: „Wir können alles in eine Bühne verwandeln.“ Neben rund zehn festen Bühnen, darunter die 1800 Zuschauer fassende Arena oder die Eisshow für 1600 Zuschauer, lassen sich auch Flächen wie die Piazza vor dem Hotel Colosseo zur Bühne umgestalten. Momentan steht hier ein Spiegelzelt für die Abendshow „Teatro Colosseo by Leonardo“, in der Hochsaison von Ende Juli bis Mitte September verwandelt sich der Platz dann in eine Freiluftbühne für die Imperioshow. Zusätzlich gibt es noch die Straßenunterhaltung, von brasilianischen Tänzen bis hin zur Abendparade, die überhaupt keine Bühne braucht.

Uli Grawunder, der Leiter der Showabteilung, ist nicht nur für den reibungslosen Ablauf der Shows verantwortlich, sondern entwickelt zwei davon auch selbst. Für ihn ist der Park ein ganz normaler Theaterbetrieb – mit mehr Bühnen und mehr Aufführungen, die aber dafür nur eine halbe Stunde dauern dürfen. „Das macht die Arbeit nicht leichter“, so Grawunder, „im Kindermusical haben wir letztes Jahr den Zauberer von Oz gespielt und mussten die gesamte Geschichte in einer halben Stunde erzählen.“

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Eine weitere Herausforderung seien die vielen Sprachen der Zuschauer und Schauspieler. Da nicht einmal die Hälfte der Parkbesucher aus Deutschland kommt, müssen die Shows entweder ohne Text oder nur mit kurzer, in mehrere Sprachen übersetzter Einleitung verständlich sein. Sondervorstellungen für Franzosen – die 20 Prozent der Besucher ausmachen – seien keine Lösung, weiß Grawunder: „Lassen Sie mal einen Schauspieler in einer anderen Sprache spielen – da stellen sich Ihnen die Fußnägel hoch.“

Sprachbarrieren sind das eine, Altersbarrieren das andere. Jede Show müsse so konzipiert werden, dass sich vom Fünfjährigen bis hin zu dessen Oma alle gut unterhalten fühlen. Diese Einschränkung hat Brigitte Pal, Leiterin der Eventabteilung, nicht: Ihre Veranstaltungen dürfen auch mal für eine spezielle Zielgruppe ausgelegt sein, wie die Party Music@Park für das junge Publikum oder das Schlossfest, das eher die Älteren anspricht. Allerdings müsse auch hier, übers Jahr gesehen, für jeden etwas dabei sein.

Für die Showmacher vom Park liegt in dieser Vielfalt sowohl die Herausforderung als auch der Reiz. „Es gibt weltweit keinen zweiten Arbeitsplatz mit dieser Bandbreite“, sagt Jenkins, „und das macht die Arbeit unheimlich spannend.“

Text: Tanja Bruckert / Fotos: Europa-Park GmbH & Co Mack KG