Wir sind die Guten – das war die Message beim Verbandstag baden-württember- gischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (vbw). 280 Vertreter kamen dafür unlängst ins Freiburger Konzerthaus. Hauptthema war die Flüchtlingsunterbringung. Und die »politischen Taliban« bekamen ihr Fett weg. Auch Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag durfte ans Mikro.

Beim Verbandstag der vbw ging es um Flüchtlinge und Bürokratie

 

»Wir bauen Heimat« – das Motto des Verbandstags im Konzerthaus wurde stolz mit Zahlen untermauert: Laut einer Verbandsumfrage stellen mehr als 41 Prozent der rund 300 vbw-Unternehmen Wohnraum für Flüchtlinge bereit. »Wir wollen noch mehr tun«, betonte der Vorsitzende Robert an der Brügge. Das gehe aber nur bei besseren Rahmenbedingungen. Die Politik sei gefragt.

 

Um mehr bauen und sanieren zu können, brauche es Bauland, passendes Baurecht und eine angemessene Förderung. »Sonst wird es nicht funktionieren.« Die Mietpreisbremse, die am 1. Juni in Kraft tritt, missfällt ihm. Zudem brauche es schnellere Genehmigungsverfahren und weniger ökologische Auflagen. Sozialen Wohnraum bereitzustellen sei dem vbw wichtig, betonte an der Brügge: »Wir wollen faire Preise bieten.« Preistreiber seien andere.

Energische Immobilienprofis: Axel Gedaschko schimpft über »politische Taliban« …

 

Heute könne man alles vermieten und verkaufen. Die Leerstandsquote betrage gerade mal 2,2 Prozent. Vor einigen Jahren seien es noch 8 Prozent gewesen. Die vielen Neuankömmlinge führten zu einem unheimlichen Bedarf. »Wir werden gebraucht«, rief er den Verbandsvertretern im Saal zu. Derzeit gebe es jedoch »zu wenige Antworten und Konzepte«. Eine Lösung sei nur Hand in Hand mit der Politik möglich. Der Zustrom aus den Krisenregionen sei zudem »keine Grippewelle, die nur zwei Jahre dauert«.

 

Als Freiburger Redner durfte Baubürgermeister Martin Haag ans Pult. Er berichtete von wachsenden Einwohnerzahlen und dem geplanten neuen Stadtviertel am Dietenbach. »Wir kommen an unsere Grenzen.« Die Stadtentwicklung gleiche der Quadratur des Kreises: sozial aber ökologisch – schnell, aber mit Bürgerbeteiligung – kostengünstig, aber ökonomisch solle sie sein. Auch am Güterbahnhof entstehe Wohnraum. »Wir haben aber nur einen. Wir bräuchten eigentlich vier oder fünf davon.«

… Robert an der Brügge fordert weniger ökologische Auflagen.

 

Dann betrat Axel Gedaschko die Bühne, Chef des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Er betonte, dass innereuropäische Zuwanderer dringend gebraucht würden – und auch Flüchtlinge Chancen böten. Wohnungstechnisch seien die Reserven jedoch verfrühstückt: »Was jetzt kommt, wird spannend.« Das Förderprogramm für Wohnungsbau sei nicht massentauglich. »Politische Taliban wollen eine Verschärfung.« Das sei aber alles Schnurz, wetterte er.

 

Handfester findet er dazu das Ergebnis der Verbandsumfrage: »Warum engagieren Sie sich für Flüchtlinge«, wurden die vbw-Mitglieder da auch gefragt. »Aus sozialer Verantwortung«, antworten 92,5 Prozent. Ergebnisse wie gemacht für einen Verbandstag.

 

Info
Die rund 300 Wohnungs- und Immobilienunternehmen des vbw bewirtschaften 450.000 Wohnungen. Hauptaufgaben sind Bau, Vermietung und Verwaltung von Wohnraum. Die Unternehmen investieren nach eigenen Angaben jährlich 1,1 bis 1,6 Milliarden Euro in Neubau, Modernisierung und Sanierung.

 

Text: Till Neumann / Fotos: VBW