Badischer Dialekt und schwarzer Humor sind die Hauptzutaten des Kurzfilms „Menschsy“. Damit hat der 25-jährige Nachwuchs-Regisseur Mathieu Conard im April den Zuschauerpreis beim Offenburger „Shorts-Festival“ gewonnen. Inspiriert hat ihn eine Beerdigung im Kreise der Familie. Für den Studenten war der Preis eine Riesenüberraschung – und hatte haarige Konsequenzen.

Mehr als ein Spielzeug: Mit einer Kamera „schrieb“ Mathieu Conard seine Bachelorarbeit. Gedreht wurde auch auf dem Friedhof.

 

Eine Beerdigung ist normalerweise kein lustiges Ereignis. Aber was, wenn die Trauenden im letzten Moment merken, dass der Sarg eines Unbekannten im Familiengrab liegt? Genau das ist Mathieu Conards Familie beim Begräbnis seiner Großtante in Belgien passiert. „Selbst die Mitarbeiter des Friedhofs wussten nicht warum! Ich musste erst mal lachen, weil ich das so absurd fand“, erzählt der Student der Hochschule Offenburg und grinst. So kam ihm die Idee, als Bachelorarbeit einen lustigen Kurzfilm darüber zu machen.

 

Der Halbbelgier Conard ist in Denzlingen aufgewachsen und lebt heute in Offenburg. Finanziell war es praktischer, in Südbaden als in Belgien zu drehen. Der Protagonist, der als einziger Atheist in einer strenggläubigen Gemeinschaft auffällt, versucht, die Beerdigung der Lieblingstante seiner Frau heimlich zu retten, da auch hier ein Unbekannter im Grab liegt. Außer dem Hauptdarsteller sprechen alle im Film Dialekt, was eigentlich nicht geplant war. „Das Drehbuch habe ich ursprünglich komplett in Hochdeutsch geschrieben, aber ich hatte das Gefühl, dass irgendwas fehlt.“ Als Witz hat Conard seiner Dozentin und seinen Freunden gesagt, dass er den Film im badischen Dialekt drehen würde. Alle waren von der Idee begeistert. „Es hat den Film viel persönlicher gemacht. Für viele klingt Dialekt alt und konservativ, aber ich finde Dialekte irgendwie schön, weil sie etwas von deiner Herkunft und deiner Identität erzählen“, sagt Conard.

Mehr als ein Spielzeug: Mit einer Kamera „schrieb“ Mathieu Conard seine Bachelorarbeit. Gedreht wurde auch auf dem Friedhof.

 

Obwohl der Film Conards Abschlussarbeit ist, hat die Uni ihm kaum Vorgaben gemacht. Seine Dozentin fand das Drehbuch so gut, dass er „völlig frei“ drehen konnte. „Das finde ich ziemlich gut an der Hochschule“, sagt er. „Das ganze Projekt ist schnell vorangegangen.“ Mit der Bachelorarbeit hat er im Herbst begonnen, im Frühjahr war er mit dem Schnitt fertig. Den 25-minütigen Film hat er in zehn Tagen in seiner Heimatregion zwischen Denzlingen und Offenburg gedreht.

 

Der junge Regisseur ist von der Zusammenarbeit am Set begeistert: „Ich hatte das beste Team! Ich habe mit vielen Problemen gerechnet und es gab fast keine“, sagt Conard mit funkelnden Augen. Der Dreh wurde von der Hochschule mit 2000 Euro unterstützt. Die Ausrüstung hat ihm die Schule geliehen. Nur eine Drehgenehmigung für den Denzlinger Friedhof bekam er nicht. Also wich er nach Offenburg aus.

Mehr als ein Spielzeug: Mit einer Kamera „schrieb“ Mathieu Conard seine Bachelorarbeit. Gedreht wurde auch auf dem Friedhof.

 

„Menschsy“ ist Conards erster eigener Film. Auch wenn ihm das großen Spaß gemacht hat, bleibt er realistisch. Eine Karriere in der Filmbranche ist ihm zu unsicher. „Wenn ich mit den letzten Prüfungen meines Bachelors fertig bin, möchte ich erst mal ganz normal arbeiten und jeden Monat Geld auf meinem Konto haben“, sagt er mit einem Lächeln. Er findet es super, dass ihm das Studium einen Einblick in alle Bereiche der Filmproduktion ermöglicht hat. So konnte er schon neben der Uni als Grafiker und Cutter jobben. Und kann sich vorstellen, später als Cutter oder in einer Werbeagentur zu arbeiten. Wenn er die Möglichkeit hätte, würde er gerne eine Dokumentation zum Thema Heimat drehen. „Menschsy“ hat ihn näher zu seinen wallonischen Wurzeln gebracht.

 

Jetzt hofft Conard, dass der Film auch auf anderen Festivals gezeigt wird. Mit seinem ersten Kurzfilm einen Preis zu gewinnen, damit hat er im Leben nicht gerechnet. Deshalb hatte er vor dem Festival scherzhaft seinen Freunden gesagt: „Wenn ich etwas gewinne, rasiere ich mir die Haare!“ Lachend hebt er seine Mütze hoch: „Meine Freundin hat fast einen Herzinfarkt bekommen.“ Das war vor fast zwei Monaten. Mittlerweile sind die Haare wieder gewachsen – zumindest ein paar Millimeter.

 

Text: Laure Etienne & Fotos: © Laure Etienne / Privat / YouTube

 

Infos:
medien.gestaltung und produktion (Bachelor of Arts)
an der Hochschule Offenburg
Dauer: 7 Semester (inkl. eines Praktikumssemesters)
Perspektive: Mediengestaltung, Webdesign, Postproduktion,
TV-Design, Planung und Organisation von Medienproduktionen
Im Netz: www.hs-offenburg.de