Zehn Jahre, 106 Ausgaben, mehr als tausend Artikel: chilli-Redakteur, Hobby-Astronaut und Trendchecker Felix Holm schreibt seit der Stunde null fürs chilli. Zunächst während des Studiums, dann als Volontär, später als Redakteur. Doch jetzt zieht es den 33-Jährigen zurück in den Beruf, den er einst studiert hat: Grundschullehrer. Zum Abschied hat er die vergangenen zehn Jahre noch mal Revue passieren lassen.

 

„Von allen Gesprächspartnern am meisten beeindruckt haben mich in all den Jahren viele außergewöhnlichen Menschen, die nicht so sehr im Fokus stehen: Michael Nehls, der das Race Across America gefahren ist, Klaus Keppler, der Piratenschätze im Indischen Ozean hebt oder Thomas Kuban, der Nazi-Doku-Filmer, der undercover unterwegs war und sein Leben riskiert hat, um aufzuklären. Oder auch Emilie Bär, die Bäuerin, die 60 Jahre lang auf dem Münstermarkt gearbeitet hat.

chilli Redakteur Felix Holm hat uns verlassen um in sein alten Beruf zurück zukehren.

 

Durch diese Menschen fängt man an, die Gesellschaft mit anderen Augen zu sehen – etwa, wenn man sich mit Frauen unterhält, die sich um Zwangsprostituierte kümmern. Oder der Mann, der Menschen mit Kinderwunsch seinen Samen im Internet anbietet. Man merkt: Solche Dinge passieren direkt in der Nachbarschaft.

 

Für mich waren das die interessantesten Begegnungen – und nicht die Interviews mit Stars. Ich habe Prominente wie die Ärzte, Silbermond, Nora Tschirner oder alle SC-Trainer der letzten Jahre interviewt. Wenn man bei denen mal an der Fassade kratzt, merkt man, dass sie zuweilen gar nicht so interessant sind. Oder nicht interessant sein dürfen: Viele von ihnen sagen Halbwahrheiten, weil es aus PR-Gründen notwendig ist. Überhaupt die PR: Als ich Klaus Eberhartinger interviewt habe, den Sänger der österreichischen Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“, hat der mir richtig coole, weil witzige und markante Antworten gegeben. Dann habe ich ihn eine Woche später im Radio gehört, wo er dem Journalistenkollegen mit exakt denselben Sätzen geantwortet hat – wohlgemerkt auf andere Fragen. Für einen Journalisten, der nach der Wahrheit sucht und der um Exklusivität bemüht ist, ist so etwas ein Schlag ins Gesicht.

 

Das nährt die kritische Haltung: Man fängt an, nur wenig von dem zu glauben, was einem erzählt wird. Im Internet werden solche Menschen schnell Hater genannt, dabei hat das gar nichts mit Hass zu tun – irgendwann ist man einfach zu viel angelogen worden, als dass man Sachen einfach so abnickt.

 

Am Anfang war ich natürlich noch unerfahrener. Ich erinnere mich, wie ich in Volker Finkes Büro gesessen bin und fast ehrfürchtig seine Antworten protokolliert habe. Außerdem habe ich mich damals schwer getan, mich in die Normen zu fügen. Wenn es Kritik von erfahrenen Redakteuren gab, habe ich mich persönlich angegriffen gefühlt. Heute weiß ich: Journalismus ist mindestens zu 50 Prozent Handwerk – und eben nicht nur Talent. Das macht mir auch Hoffnung für mein weiteres Berufsleben: Man kann selbst komplizierte Dinge erlernen. So sehr ich mich jetzt auf das Referendariat freue, einiges werde ich auch vermissen. Vor allem die Freiheit, mich über alles informieren zu dürfen und die Möglichkeit, hinter Kulissen zu blicken. Und den guten Kaffee auf den Pressekonferenzen.“

 

Text & Foto: Tanja Bruckert