Der alltägliche Wahnsinn

„Ich könnte wahnsinnig werden“, jammert der gestresste Vater. Immer wieder. Denn Sohn Tom ist nur selten seiner Meinung – in allen 30 hinreißend komischen „Geschichten von einem chaotischen Grundschüler und seinem Rabenvater“ im neuen Buch des in Freiburg lebenden Autors Jess Jochimsen.

Der Junge verfügt außerdem über ein ausgeprägtes Talent, den Herrn Papa pausenlos in Verlegenheit und Erklärungsnot zu bringen – und geht am Ende fast immer als Sieger aus den wunderbar wortwitzigen Auseinandersetzungen hervor: Mit größter Selbstverständlichkeit gelingt es ihm, an seiner Sicht der Dinge festzuhalten, während der Vater seine vergeblichen Überzeugungsversuche meistens vorzeitig abbricht – genervt, gelegentlich gar von Selbstzweifeln geplagt.

Wahnsinnig wird er indessen nicht. Vielmehr rettet er sich und sein lädiertes Selbstwertgefühl in satirische Selbstironie. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig: Schließlich ist es bitter, einzugestehen, dass man es nicht schafft, dem Sprössling klarzumachen, dass Papas plötzliche Rückenschmerzen ihren Ursprung nicht im zu häufigen „Ongarnieren“ haben. Dass sie nämlich vom mühsamen Aufbau des gottverdammten neuen Kinderzimmerschranks kommen. Da ist es doch allemal besser, zu überlegen, ob die Gesellschaft für Deutsche Sprache diese Wortschöpfung akzeptieren würde – als Bezeichnung für „die Illusion, hässliche schwedische Möbel eigenhändig montieren zu können“.

Text: ewei

„Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?“
von Jess Jochimsen
Verlag: dtv, 2012
Seitenzahl: 160, Taschenbuch
Preis: 7,90 Euro