Nonne wider Willen

Zunächst scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Aber eben nur zunächst und zum Schein: Zwar erlebt Antonia, die Protagonistin des neuen historischen Romans der Freiburger Autorin Astrid Fritz, im Jahr 1520 in einem fiktiven Ort in der Ortenau eine harmonische und unbeschwerte Jugendzeit. Doch bahnt sich die tragische Wende, die ihre wohlbehütete Welt bald aus den Fugen geraten lassen wird, schon auf den ersten Seiten an – wenn auch fast unmerklich.

Zuerst erfährt Antonia über ihren Kindheitsfreund Phillip nämlich eher beiläufig von den Flugschriften Martin Luthers, die auch in Freiburg die Runde machen. Das junge Mädchen ahnt nicht, dass dies der Beginn einer neuen Zeit ist – die für sie erst einmal eine fünfjährige Leidenszeit bedeutet. Gegen ihren Willen wird sie in ein skrupellos geführtes Nonnenkloster im Schwarzwald gesteckt, aus dem sie dann von auch nicht gerade zart besaiteten aufständischen Bauern befreit wird.


Astrid Fritz stellt mit der „Himmelsbraut“ sehr detailreich einen persönlichen Lebensabschnitt in der Zeit der Reformation und der Bauernaufstände dar. Und sie ermöglicht dadurch dem Leser eine einfühlsame Einsichtnahme in diese Zeit. Bei der sehr spannenden Dramaturgie wird gut nachvollziehbar, welch tiefe, nicht nur konfessionelle Gräben das untergehende Mittelalter auch in Freiburg und Südbaden hinterließ.

Text: Erika Weisser

Astrid Fritz – Die Himmelsbraut
480 Seiten
Kindler, 2012
16,95 Euro