Flirten auf polnisch

Realisten werden sich zumindest zu Anfang des Buches schwertun: Da will eine Grundschullehrerin, die ihren Schülern eine Spielzeugpistole abgenommen hat, eigentlich nur Geld für ihre Flitterwochen auf der Bank abheben. Vor dem Schalter kramt sie statt ihres klingelnden Handys dann diese Pistole aus der Handtasche, was die 89-jährige Oma Strelow dazu bewegt, sich ihr als Entführungsopfer aufzudrängen. Ihr Plan: Sie zwingt die vermeintliche Bankräuberin Tine dazu, sie nach Polen zu fahren, um die Asche von Opa Heinzi im Meer zu verstreuen. Dass auf der Fahrt plötzlich noch ein junger Mann namens Jan im Auto sitzt, verwundert da auch nicht mehr – schließlich kommt kein Frauenroman ohne Liebesromanze aus.

Wer diese etwas weit hergeholte Anfangsgeschichte akzeptiert, kann auf der weiteren Reise viel Spaß haben. Wie nicht anders zu erwarten, läuft auf derselben nicht alles glatt: Zuerst gibt das Auto den Geist auf, dann verschwindet Oma Strelow, und durch ein Missverständnis zerrt Jans polnische Familie Tine und ihn vor den Traualtar. Es entspinnt sich eine amüsante Geschichte, die ihre schönsten Momente im turbulenten Leben der polnischen Großfamilie entwickelt, in der Glaube und Gastfreundschaft noch großgeschrieben werden.

Buch-Cover "Flitterwochen"
Text: Tanja Bruckert

Anne Hertz
Flitterwochen
320 Seiten
Droemer Knaur, 2013
14,99 Euro