Brutal und zärtlich

Nein, die Welt ist für Sybille Berg bekanntlich nicht rosarot. Eher grau und böse. Die wunderbare Misanthropin hat mit „Vielen Dank für das Leben“ nun ihren inzwischen achten Roman vorgelegt. Es gibt einen Helden, es gibt jene Welt, und es gibt inmitten all der Scheiße dennoch Hoffnung und einen Traum.


Toto heißt die Hauptfigur, er ist weder Junge noch Mädchen, als er in den 60er Jahren im trostlosen DDR-Alkoholikermilieu das Licht der Welt erblickt. Er ist tumb, der Hass der anderen perlt an ihm ab. Mehr noch, Toto glaubt fest an das Gute und fragt sich ständig naiv, warum die Menschen sich das Leben selbst kaputtmachen.

Berg, die im Jahre 1962 in Weimar geboren wurde und deren Mutter alkoholkrank war, beschreibt das große, dicke, gütige Kind in einer zärtlich-schrillen Art und Weise. Ihre Analyse des Bösen ist wortgewaltig, messerscharf und abgründig. Toto erfährt auf seinen Stationen im DDR-Waisenheim, als Helfer auf einem Bauernhof, in einer westdeutschen Hippiekommune oder als Sänger in einem Nachtclub ständig nur Ablehnung.

Bergs Roman „Vielen Dank für das Leben“ ist eine Mischung aus Weltekel und romantischer Sehnsucht. Eine Katastrophe jagt die andere und das Schlechte siegt. Der Leser braucht starke Nerven, denn es sind brutale 400 Seiten.

Text: Dominik Bloedner

Vielen Dank für das Leben
von Sybille Berg
Verlag: Hanser, 2012
Seitenzahl: 400, gebunden
Preis: 21,90 Euro