Faktenstark, geschichtenschwach.

„Müll gehört zu den intimsten Dingen überhaupt“, schrieb der Soziologe Baldo Blinkert einst in der Tagespresse. So intim ist das von Dieter Bootz, Roland Hipp und Ute Neuhaus verantwortete Jubiläumswerk der Freiburger Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (ASF) leider nicht geworden.


Es ist darin zu lesen, dass selbst der Heilige Abend 1881 die damals noch privaten Müll-entsorger nicht davon abhielt, beim „verehrlichen Stadtrat“ zu protestieren, weil einer mehr Aufträge als die anderen bekam. Oder dass der verheerende Bombenangriff im November 1944 auch alle 80 Müllwagen – bis auf einen – zerstörte. Oder auch, dass die Stadt Freiburg als eine der ersten in Europa mit der Einführung von 35-Liter-Kunststoffeimern und einer staubfreien Müllabfuhr den Grundstein für eine moderne Abfallwirtschaft gelegt hatte.

Es hätte zur fesselnden Unterhaltung aber sicher beigetragen, wenn in der durchaus ambitionierten Faktensammlung – der Getränkekartonhersteller PKL prozessierte 1993 gegen das Rathaus, weil das öffentlich für Mehrweg warb, Alt-OB Rolf Böhme wurde deswegen in die ZDF-Sendung „Kommt Zeit, kommt Unrat“ eingeladen – auch das ein oder andere Urgestein der Müllwerker zu Wort gekommen wäre. Wenn in die große Geschichte des Mülls ein paar kleine menschliche eingewoben worden wären. Für stadthistorische Dokumentarfreaks aber – auch wegen der alten Bilder – ein Desiderat.

125 Jahre Freiburger Müllabfuhr
von ASF
Verlag: Eigendruck
Seitenzahl: 54, gebunden
Preis: 3 Euro