Aussteller aus 100 Ländern kommen zur Frankfurter Buchmesse, die vom 13. bis 14. Oktober für private Besucher geöffnet ist. Ehrengast in diesem Jahr ist das literarisch eher unbekannte Neuseeland. Passend zur mündlichen Erzähltradition der Ureinwohner soll es nicht nur ums Lesen, sondern auch um Tanz, Musik, Filme und gutes Essen gehen.

Was muss man tun, um von der unglaublichen Veranstaltungsmenge nicht erschlagen zu werden? 7300 Aussteller präsentieren sich – die meisten davon mit eigenen Lesungen und Diskussionsrunden. „Wenn Sie auf der Suche nach bestimmten Autoren sind und wissen wollen, ob sie auf der Messe sein werden, schauen Sie am besten vorher online nach“, rät Messe-Sprecherin Anne Eckert. Unter www.buchmesse.de/veranstaltungskalender ist eine gezielte Suche nach Autoren, Lesungen oder Verlagen möglich. So lassen sich vorher schon einige Anlaufpunkte herausfischen, um nicht allzu verloren durch die 169.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche zu irren.

 

Wie schon in den vergangenen Jahren versucht die Buchmesse den Spagat zwischen klassischer Print-Literatur und elektronischen Angeboten: E-Books, soziale Netzwerke und neue Formen des Selbstverlages spielen wichtige Rollen, gerade im Kinder- und Jugendbereich. Mit welchen Medien es sich in Zukunft am besten lernen lässt, ist eine der Fragen, mit denen sich die Branche beschäftigt. Gut erkennen lässt sich das etwa in Halle 3.0 (K833), in der das Comic-Zentrum aufgebaut ist – der richtige Anlaufpunkt für Familien. Und auch für Erwachsene interessant, denn den gedruckten Bildband von früher gibt es längst auch als „Web-Comic“ oder interaktives Spektakel.

Als Ehrengast kommt diesmal ein Land daher, dessen Ureinwohner ihre Geschichten traditionell nicht schriftlich, sondern mündlich verbreiten: Neuseeland gilt nicht gerade als Literatur-Nation, will aber genau deshalb frischen Wind in die Buchmesse bringen. So werden nicht nur gedruckte Worte im Mittelpunkt stehen, sondern Musik, Tänze, Filme und exotische Speisen. Im 2300 Quadratmeter großen Pavillon (Motto: „Bevor es bei euch hell wird“) erzählen Maori-Einwohner ihre Geschichten, während Chefkoch Al Brown ein Barbecue anbietet. Darüber hinaus gibt’s natürlich auch „richtige“ Bücher zu sehen – etwa die übersetzten Neuerscheinungen von Neil Cross, Beryl Fletcher oder Paul Cleave. Dass diese Namen bisher nur wenigen etwas sagen, ist nicht schlimm. Nach der Buchmesse sieht das sicherlich anders aus.

Text: Steve Przybilla / Foto: Simon Birkenfeld, Manatu Taonga

Info:
Öffnungszeiten: Sa. 13. Oktober, 9 bis 18 Uhr
So. 14. Oktober bis 17.30 Uhr
Eintritt: 16 Ä (Tageskarte), 10 Ä (ermäßigt)
www.buchmesse.de

Literarische Schlaglichter:
Die Fülle der Neuseeland-Erscheinungen ist schwer zu fassen. Das hat chilli-Autorin Erika Weisser auch gar nicht versucht. Sie hat vielmehr nach ganz eigenem Geschmack gestöbert:
Ein anderes Land – Short Stories aus Neuseeland, dtv 2012, 9.90 €:
Gut ausgewählte Leseproben der wichtigsten neuseeländischen Schriftsteller.
Unter dem Tagmond, Keri Hulme, Fischer Verlag, 20. Aufl. 2012, 14.90 €:
Das wohl bekannteste Buch einer Maori-Autorin über die Folgen kultureller Entwurzelung.
Die letzte Prophezeiung, Heretaunga Pat Baker, Mana-Verlag,
2. Aufl. 2012, 19.95 €: Historischer Roman aus der Feder eines Maori über das Leben vor Ankunft der Europäer.
Hier kommt Sherry Cracker, D.J. Connell, Rowohlt Verlag 2012, 14.95 €:
Witziges Buch über eine skurrile Person.