Genial daneben

„Mutti, Mutti, Mutti – bitte, bitte, bitte – schmier mir eine Schnitte – und teil sie in der Mitte!“ Hammer. Was dieser Poet Thomas Tulpe sich (und uns) auf seinem prosaisch und melodiös einwandfreien neuesten Tonträger (ja, der Mann hat tatsächlich schon einmal ein Album herausgebracht und ist trotzdem noch im Geschäft!) zusammenreimt, lässt Goethe, Schiller und Co. vor Neid verstummen.

CD-Cover: Thomas Tulpe

 

Tiefgründige Erkenntnisse wie „Gehste raus, Sonne lacht – setzte Sonnenbrille auf, issat Nacht“ oder „Fett schwimmt oben, ich kann nicht ertrinken – ich seh zu, wie die andern versinken“ werden auf dieser Abhandlung, in der selbstverständlich auch die Themen Alkohol, Sex und Handball nicht zu kurz kommen, bis ins Letzte erörtert. Endlich traut sich mal jemand und schreibt einen Song zum gesellschaftlichen Zentralproblem, welche Eissorten man alle bestellen könnte. Dass er auch ein Händchen für echte Romantik hat, beweist Tulpe schließlich bei „Mädchen ohne BH“. Dadaistischer Kirmestechno mit den geistigen Ergüssen eines pubertierenden Rentners in Reinkultur für die einen, genial daneben für alle anderen. Manche werden’s wohl auch nicht mögen. Tulpe hat es den notorischen Hatern nicht allzu schwer gemacht.

 

Kurzum: Wer noch nie Musik gehört hat, sollte „Wie wär’s mit Senf“ kaufen. Es ist ein Einstiegswerk. Auch in das Paralleluniversum eines Mannes, der nach eigenen Angaben „Knete im Kopf“ hat.

 

Text: Felix Holm

 

Thomas Tulpe
Wie wär’s mit Senf?
Zett-Records, 2014