Marcus Markou absolvierte eine Schauspielausbildung an der LAMDA (London Academy of Music and Dramatic Art) und besuchte eine Filmschule. Er ist Autor der Theaterstücke „Age-Sex-Location“ (2004) und „Ordinary Dreams …“ (2009). Der Sunday Telegraph nannte ihn „einen neuen und aufregend guten Bühnenautor“. Doch er blieb nicht in diesem Genre, sondern produzierte 2010 den hochgelobten Kurzfilm „The last temptation of Chris“. Jetzt kommt sein erster abendfüllender Spielfilm Papadopoulos & Söhne in die Kinos.

Drehbuchautor und Regisseur Marcus Markou bei der Arbeit an seinem Spielfilmdebüt.

 

chilli: Herr Markou, wie kamen Sie zum Schreiben?
Markou: Ich liebe Geschichten und ich liebe es, sie zu teilen. Aus diesem Grund habe ich eine Schauspiel-Ausbildung. Und aus diesem Grund habe ich Theaterstücke geschrieben und versucht, Romane zu schreiben.
Wir waren eine der ersten Familien in Birmingham, die 1979 einen Videorekorder bekamen, mit großen, klotzigen Schaltern. Man kann sich nicht vorstellen, wie aufregend es für uns damals war, etwas kostenlos vom Fernsehen aufnehmen und zurückspulen zu können. Glücklicherweise hat meine Mutter einige großartige Filme aufgenommen.

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chilli: War das der Beginn einer Filmkarriere?
Markou: Ich hab mir niemals vorgestellt, dass ich einen Film machen könnte. Ich dachte, Filmemachen wäre zu kompliziert und zu technisch. Aber ich habe herausgefunden, dass Papadopoulos & Söhne zu drehen doch einfacher war, als ich dachte. Aber Filmemachen ist harte Arbeit und man kommt ganz schön ins Schwitzen.

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chilli: Worin liegt für Sie der Unterschied zwischen Stücke schreiben und Regie führen?
Markou: Es war eine Offenbarung, das Filmemachen zu entdecken. Und es ist ein großes Privileg. Ich habe auf meine Theaterstücke zurückgeschaut und entdeckt, dass sie Drehbücher waren. Als Theaterautor hat man keine Kontrolle mehr, sobald man die Arbeit einem Regisseur übergibt. Man hat im Casting nichts zu sagen. Man nimmt an einer Leseprobe teil, vielleicht bei einer weiteren Probe und bei der Generalprobe vor der Premiere. Als Drehbuchautor/Regisseur eines Films hat man die ultimative Kontrolle und die Menschen, die einem helfen, seine Ideen zu realisieren.

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chilli: Und was ist Ihre Geschichte?
Markou: Die Geschichte hinter der Geschichte. Ich bin der Sohn von griechisch-zypriotischen Einwanderern. Ich wuchs in einer eng verwobenen griechischen Gemeinde in Birmingham auf, aber meine Eltern waren liberal und haben ihr Gastland umarmt. So gaben sie zum Beispiel meinen Brüdern und mir die englischen Fassungen unserer Namen (Marcus – statt Markos). Wir wurden privat ausgebildet und haben alles Rüstzeug erhalten, um uns der britischen Gesellschaft anzupassen.
Mein Vater kam aus unvorstellbarer Armut aus einem Dorf im Troodos Gebirge, ohne Strom. Er kam 1962 nach Großbritannien, nur mit dem Wunsch, der Armut zu entkommen. Er baute ein erfolgreiches Leben für sich in Großbritannien und für seine Familie in Zypern auf. Allerdings ging etwas auf dem Weg verloren. Fortschritt hat immer seinen Preis. Und das wollte ich in Papadopoulos & Söhne entdecken. Was verliert man auf seinem Weg?
Angesichts globaler Finanzkrisen, stellt man sich ähnliche Fragen. Was haben wir verloren, als wir diesen Traum verfolgt haben? Als sich nun der Wohlstand der letzten Generation auflöst, beginnen wir neu zu definieren, was Erfolg ist und was wirklich wertvoll in unserem Leben ist.

Text: Michaela Moser / Fotos: Neue Visionen Filmverleih