Lange haben wir nichts mehr gehört von Ursula von der Leyen. Für die unter Ihnen, die wegen des Wahlkampfs politisch auf Durchzug gestellt haben: Ursula von der Leyen ist die Frau, die immer für die Frauenquote ist – nur dann nicht, wenn im Bundestag darüber abgestimmt wird.

Dieser Tage war sie nun wieder zurück: Eine Sprecherin ihres Ministeriums wollte die Twitter-Community mit einem Hashtag versorgen und schleuderte das Wort „Konsumlust“ in die Welt hinaus.
Konsumlust haben also derzeit mehr als 2,6 Millionen Menschen, die einem Zweitjob nachgehen. Raffzähne, die putzen gehen! Ja, die sind so geil aufs Shoppen, dass die Tag und Nacht arbeiten. Die können zwar nicht mehr einkaufen gehen, weil in der Zeit, in der sie frei haben, alle Geschäfte zu sind, aber darum geht es ja auch nicht. Die sollen ja auch eine KonsumLUST haben, von Befriedigung war ja nie die Rede.

Denn wenn diese Konsumlust–Entwickler ihre Lust befriedigen würden, profitiert ja sowieso nur McDonald´s, denn nach einem Mahl dort ist man ja auch nur ein geringfügig Befriedigter.

Wenn Sie, etwa als CDU–Mitglied oder anderweitig Besserverdienender, mal wieder eine Raumstylistin suchen, dann muss das Inserat künftig so lauten: Suche hemmungslos konsumlüsterne Schlampe, um bei mir zu Hause mal wieder feucht durchzuwischen.

chilli-Kolumnist Florian Schroeder
Die ganze Nummer muss man dem Arbeitsministerium aber auch nachsehen: Den Zweitjob nennt man im Bundestag auch Abgeordnetenmandat. Da ist die CDU ganz vorne mit dabei. Frank Steffel zum Beispiel aus Berlin, der geschätzte 220.000 Euro mal eben mitnimmt. Wobei man das in der CDU nicht Konsumlust nennt, sondern Betreuungsgeld.

Das Statistische Bundesamt meldete in diesen Tagen, dass ein Viertel aller Deutschen keinen Urlaub machen kann. Unter Alleinerziehenden soll es fast die Hälfte sein. Warum nur? Wahrscheinlich aus Konsumlust. Eine Woche am Ballermann – da würde man Gucci und Prada doch schon sehr vermissen.

Florian Schroeder, Kabarettist, studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

Foto: privat