Sie nennen sich Wearables, Sportarmbänder oder Fitnesstracker und sind von den Handgelenken vieler Fitnessfans nicht mehr wegzudenken. Ob beim Joggen, Einkaufen oder in der Disko – überall blinken und vibrieren die bunten Armbänder um die Wette. Ihr Ziel: Als kleine Überwacher sollen sie zu einem gesünderen Leben animieren, indem sie Bewegung, Kalorienzufuhr oder den Schlaf aufzeichnen. Was diese Tracker wirklich leisten können, haben der Freiburger Triathlet Maurice Clavel und chilli-Redakteurin Tanja Bruckert anhand des Fitbit-Flex-Armbands eine Woche lang getestet.

Freiburger Triathlet Maurice Clavel und chilli-Redakteurin Tanja Bruckert haben das Fitbit-Flex-Armband eine Woche lang getestet.

 

Donnerstag
9.30 Uhr: In der Post sind zwei Fitbit-Armbänder – beide in pink. Clavel nimmt es mit Humor. Die Anmeldung und Synchronisation mit Computer und Handy ist innerhalb von fünf Minuten erledigt. Es kann losgehen.
17.30 Uhr: Feierabend. Nach einem Tag, den ich überwiegend am Schreibtisch verbracht habe, zeigt die App 1.653 Schritte an. Als Ziel sind 10.000 Schritte voreingestellt. Ich bin überzeugt, dass das viel zu hoch gegriffen ist – doch der Blick ins Netz zeigt: Ärzte und Wissenschaftler empfehlen genau diese Schrittzahl, um Krankheiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Altersdiabetes oder Krebs vorzubeugen.
23.30 Uhr: Einkaufen, Fenster putzen, kochen, essen, fernsehen, lesen – für mich ein ganz normaler Abend, nach dem meine App 4.212 Schritte anzeigt. Auch Clavel hat heute einen ruhigen Tag gehabt mit „nur“ zehn Kilometer joggen und einem einstündigen Athletikzirkel in der Halle: 18.495 Schritte.

Freitag
7.15 Uhr: Vor dem Einschlafen habe ich den Tracker durch schnelles Antippen in den Schlafmodus versetzt. Das Ergebnis: Ich habe 7 Stunden und 33 Minuten geschlafen und war dabei einmal wach und fünfmal unruhig. Als Sportler hat man wohl einen erholsameren Schlaf – Clavel war in dieser Nacht kein einziges Mal wach oder unruhig.
9.20 Uhr: Ich beschließe, beim Schreiben mal so richtig in die Tasten zu hauen. Doch der Fitnesstracker erkennt trotzdem, dass ich in der vergangenen Viertelstunde nicht einen einzigen Schritt gemacht habe. Der Hersteller erklärt mir, dass ich das dem 3D-Bewegungssensor zu verdanken habe, der nicht nur meine Armbewegungen misst, sondern auch weiß, ob ich mich dabei von der Stelle bewegt habe.
22.14 Uhr: Mein Armband vibiriert! Fünf Punkte leuchten auf und blinken fröhlich. Ich habe zum ersten Mal die 10.000-Schritt-Grenze geknackt.

Samstag
0.20 Uhr: 90er-Party im Jazzhaus. Ich tanze zu Dr. Alban, Blümchen & Co. was das Zeug hält. Schließlich muss ich meinen Vorsprung ausbauen, solange Clavel noch im Bett liegt.
4.30 Uhr: Ich kann mir die Nachricht nicht verkneifen: „Heute schon 11.021 Schritte gemacht. Und du?“
11.52 Uhr: Das Handy piept, eine Nachricht von Clavel: „ … und ich 15.405 und der Tag ist noch jung …“
17.30 Uhr: Eigentlich würde ich gerne faul auf der Couch liegen bleiben. Doch ganz kampflos will ich mich nicht ergeben und mache einen Spaziergang zum Wasserschlössle: 18.050 Schritte. Ich hätte mich nicht anstrengen brauchen, Clavel ist heute 15 Kilometer durch den Mooswald gejoggt und liegt mit 19.429 Schritten deutlich vorne.

Erfolgreicher Sonntag: 20.904 Schritte

 

Sonntag
15 Uhr: Traumwetter. Wanderung im Kaiserstuhl. 20.102 Schritte und 14,9 Kilometer. Ich habe Clavel zum ersten Mal überholt und bin stolz wie Lumpi.
15.30 Uhr: Erfahre, dass ich meinen Sieg nur der Tatsache zu verdanken habe, dass bei Clavel heute Radfahren auf dem Programm stand: knapp drei Stunden über den Schönberg. So habe ich zwar mehr Schritte zusammenbekommen, was die aktiven Minuten angeht, liegt er jedoch deutlich vorne.

Montag
19 Uhr: Die App berechnet anhand von Alter, Größe, Gewicht und der täglichen Bewegung auch den Kalorienbedarf. Ich gebe zusätzlich ein, was ich heute gegessen habe. Das Programm weist mit einem bösen roten Balken darauf hin, dass der Nachtisch für heute gestrichen ist.

Dienstag
17 Uhr: Sich mit einem Sportler zu messen, ist deprimierend. Ich suche in der fitbit-Community nach angemessenerer Konkurrenz und trete der Desk-Job-Gruppe bei. Eine Frau namens Cher – keine Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Promi – verbreitet dort motivierende Sprüche wie: „Es gibt kein schlechtes Workout … außer eines, das nicht stattgefunden hat.“
17.05 Uhr: Draußen ist es kalt und trüb. Cher hat es nicht geschafft, mich zu motivieren.
17.10 Uhr: Jodi D. steigert ihre Schrittzahl, indem sie mit ihrer Wäsche vom dritten Stock in die Waschküche im Keller läuft. La Tonya hat heute schon vor Sonnenaufgang Yoga gemacht. Vicki hat das ganze Haus nach dem Gürtel ihres Mannes abgesucht. Ich habe eine Waschmaschine direkt in der Wohnung, Yoga ist mir zu langweilig, und mein Freund soll seine Klamotten gefälligst selbst suchen. Motivationssteigerung: null Prozent.
23 Uhr: Ich beende den Tag mit 2.802 Schritten. Was Clavel heute gemacht hat, will ich gar nicht wissen.
23.05 Uhr: Die Neugier siegt. Clavel war 12 Kilometer joggen, hat Laufübungen gemacht und danach noch zehn 100-Meter-Sprints hingelegt. 18.907 Schritte auf 15,88 Kilometer. Streber.

Unterdurchschnittlich: Laut Fitbit habe ich eine „durch Sitzen geprägte Lebensweise“.

 

Mittwoch
11 Uhr: Letzter Testtag. Ich brauche noch ein Erfolgserlebnis und verlege einen Interviewtermin kurzerhand nach draußen. Bei einem Spaziergang erklärt mir mein Interviewpartner, wie man Alzheimer vermeidet – viel Bewegung gehört passenderweise dazu. Zwei Tage später wird er mir schreiben, dass er sich über das unkonventionelle Interview in Bewegung gefreut hat.
11.45 Uhr: Während ich mich noch über meine 3.300 Schritte freue, hat Clavel sein Morgentraining – 18 Kilometer joggen – beendet. Ich beschließe, dass die Zeit für Fairplay vorbei ist.
13.15 Uhr: Spaziergang in der Mittagspause mit heftig pendelnden Armen. Schritte: 1.556. Verwunderte Blicke: 3.
16.45 Uhr: Auto waschen und polieren. 2.123 Schritte.
18.30 Uhr: Kürbis schälen und in winzige Stücke hacken. 380 Schritte.
20 Uhr: Im Kabarett die Hände wund klatschen. Magere 270 Schritte.
22.30 Uhr: 10.050 Schritte, 8,31 zurückgelegte Kilometer, 27 sehr aktive Minuten. Clavel: 20.738 Schritte, 18,27 Kilometer, 92 sehr aktive Minuten.

Fazit
Für den Profi ist das Fitbit zu einfach gestrickt, da braucht es detaillierte Aussagen über die Trainingserfolge. Dennoch hat Clavel das Training mit Armband Spaß gemacht: „Es hat mich schon angefixt, dass man sofort bildlich sieht, ob man sein Ziel erreicht hat oder nicht.“ Das Band will er auch nach dem Test ab und an tragen: „Bald habe ich Trainingslager, da wird ein neuer Highscore aufgestellt.“
Für den Otto-Normal-Bewegungsfaulen ist das Band ein nettes Gimmick, das dazu motivieren kann, öfters mal den Hintern von der Couch zu bekommen. Ob das sehr vielen 100 Euro (!) wert ist, darf man allerdings bezweifeln.