Geschichten aus dem Holy Land – Israel für Anfänger

 

Dieses Büchlein hebt sich so wohltuend wie belustigend ab von all der um Korrektheit bemühten oder vorurteilsbelasteten literarischen Berichterstattung aus dem Land, das wie kein zweites überall und womöglich ganz speziell in Deutschland die Massen spaltet. Mit einem nicht unbekümmerten, aber doch ironisch-frechen Blick auf ihr neues Zuhause in Tel Aviv berichtet die Berliner Journalistin Katharina Höftmann aus ihrem israelischen Alltag, aus einem Leben, das so ganz anders ist, als in ihrer bisherigen Heimat. sie wundert sich, wie man plötzlich zur deutschen Fußballexpertin mutiert, warum sie in Israel vermutlich den Kältetod sterben wird und wieso die Israelis immer in Gruppen auftreten. Warum die Einwohner von Tel Aviv so cool sind, die auf die Stadt prasselnden irakischen Scud-Raketen als Feuerwerk zu bestaunen, die Israelis nichts mehr lieben, als Verbote zu missachten und entsprechend gegen Einbahnstraßen fahren, Tätowierungen tragen und genüsslich Schweinefleisch essen, beim Kühlschrankeinkauf mindestens dreißig Familienangehörige ein Mitspracherecht beanspruchen, sie extrem Handy-süchtig sind, nichts lieber tun als essen, essen und nochmals essen und Intimsphäre absolut unbekannt ist. Und natürlich ringt sie immer wieder mit der israelischen Mischpoke ihres ‚wunderbaren Lebensbegleiters’.

 

Katharina Höftmann schafft das Kunststück, in einer Abfolge von zwei bis drei Seiten kurzen Darstellungen von Alltagsbegebenheiten einen amüsanten, dabei aber auch hintergründigen und nicht unkritischen Einblick in das heutige Leben im jüdischen Staat zu geben, bei dem man besser und wohl auch ehrlicher über Israel und seine Bewohner informiert wird, als in jeder politischen Hintergrundreportage.

 

Georg Giesebrecht

 

Katharina Höftmann
Guten Morgen, Tel Aviv!
Geschichten aus dem Holy Land
208 Seiten, Heyne 2011
Preis: 8,99 Euro