Auf der Suche nach dem Heger‘schen Erfolgsrezept

Die Weinführer des Gault Millau und Eichelmann sind sich einig: Joachim Heger ist Deutscher Winzer des Jahres 2013. Der eine lobt die weißen Burgunderweine, der andere schwärmt von den Rotweinen aus Ihringen und Achkarren. Das Weingut Dr. Heger zählt nicht erst seit gestern zu den Top-Weingütern des Kaiserstuhls, und so erstaunen die Auszeichnungen auch niemanden – bis auf Heger selbst. „Unsere Weine sind sehr trocken und haben bei Verkostungen meist keinen Erfolg“, behauptet der Winzer. „Die genießt man besser bei einem guten Essen.“ Ob mit oder ohne Essen, die Tester waren überzeugt. Doch was ist das Heger‘sche Erfolgsrezept?

Wissenschaft und Aberglaube: Die Reben werden nach Mondphasen geschnitten.

 

Die ersten Zutaten finden sich im Weinberg. Während Heger die verschneiten Wege zum Ihringer Winklerberg hinaufsteuert, zeigt er durchs Schneegestöber auf seine nach Süden abfallenden Rebhänge – eine ideale Lage. Bei den Böden wird es schon komplizierter, denn den perfekten Boden gibt es nicht. Heger schwört auf die Vulkanstein-Löss-Mischung des Kaiserstuhls: „Die Wurzeln müssen sich erst durch den Steinboden arbeiten, werden dadurch dicker und wachsen tief in den Boden, um an die Nährstoffe zu kommen. Und das schmeckt man – Qualität kommt schließlich von quälen“, resümiert der 54-Jährige.

Heger macht Halt bei seinen Muskatellerreben und zeigt auf die dicken, knorrigen Stämme: „Diese Reben sind von 1951 und damit wohl die ältesten Badens.“ Spricht Heger von seinen Rebsorten, geht es um Pfropfreben, Klonreben, Omegaschnitte, Schnitte mit Gegenzunge … Was hängen bleibt: Rebe ist nicht gleich Rebe.

Nach dem Pflanzen hat der Weinstock drei Jahre zum Wachsen, bevor der Weinbau beginnt. Wie bei einem Kind gilt: Sie ohne Erziehung großzuziehen, ist keine gute Idee. Eine liberale Erziehung gibt es bei Heger jedoch nicht, im Weinberg ist Spaliererziehung angesagt. Die Austriebe werden bis auf einen Strang beschnitten, die Blätter rund um die Trauben entfernt – wer Joachim Heger beim Sezieren und Untersuchen der Reben zuschaut, kann erahnen, dass sein ursprünglicher Berufswunsch ein ganz anderer war.

Wie sein Großvater Max Heger, der 1935 das Weingut gegründet hat, wollte auch der junge Joachim Arzt werden. Während er auf einen Studienplatz in Medizin wartete, studierte er Weinbau, was ihm so gut gefiel, dass er dabei blieb. Druck von seinem Vater, das Weingut in dritter Generation zu übernehmen, gab es nicht. Doch mittlerweile ist Heger selbst Vater von zwei Töchtern, 22 und 17, und kann den Wunsch verstehen, den Betrieb weiterzugeben. „Bis jetzt hat noch keine Interesse angemeldet, und falls doch, bin ich sicher der Letzte, der es erfährt“, meint er augenzwinkernd.

Vom Weinberg geht es in den Weinkeller. Bei der Fahrt durch Ihringen winkt Heger stetig nach rechts und links. Er ist im Dorf geboren, das Zimmer, in dem ihn sein Großvater zur Welt holte, ist heute sein Schlafzimmer. Im Weinkeller herrscht bis auf ein paar Gestelle zunächst gähnende Leere – die Barriquefässer wurden vergangene Woche herausgeräumt, da die Decke des Kellers zusammengestürzt war. Doch weiter hinten stehen noch die Stahltanks und Holzfässer: Zumindest die guten Weine haben alle schon ein Holzfass von innen gesehen.


Gärtemperatur, Reifezeit, Hefe, Schwefel – alles Faktoren, die aus einem Wein einen typischen Hegerwein machen. Doch wenn es das eine, bestimmte Qualitätsmerkmal nicht gibt, woran erkennt man dann einen guten Wein – am Preis? „Nein, der spielt keine Rolle“, weiß der Winzer, „Was zählt, ist der Geschmack und den entdeckt man nur beim Probieren.“ Wie schön, dass die Probierstube direkt über dem Keller liegt …


Text & Fotos: Tanja Bruckert