Das haben die chillisten 2012 gelesen … Teil 2

Der Zwerg reinigt den Kittel
Anita Augustin
Verlag: Ullstein
Seitenzahl: 336, broschiert
Preis: 14,99 Euro



Dass vier Omas im Knast sitzen, ist verrückt. Dass sie wegen schwerer Körperverletzung vielleicht mit Todesfolge sitzen, noch verrückter. Eine der Damen hat Gewaltfantasien, raucht wie ein Schlot und kann seit 40 Jahren nicht mehr schlafen. Und diese Almut erzählt die Geschichte aus der Seniorenresidenz, wo der Alltag häufig der blanke Horror ist. Während sich das Quartett einen Spaß daraus macht, schüchterne Pfleger mit nackter Haut zu belästigen, werden sie vom korrupten Heimleiter nur als Kostenfaktor betrachtet. Für Liebhaber schwarzen Humors.

Text: Karlheinz Binkert

 

 

 

 

Die Waringham-Trilogie
Rebecca Gablé
Verlag: Bastei-Lübbe
Seitenzahl: 3520, broschiert
Preis: 30 Euro



3520 Seiten Rittergeschichten. Es geht um das fiktive Adelsgeschlecht Waringham, das im England des 14. und 15. Jahrhunderts aufseiten des Hauses Lancaster um die Krone kämpft. Ein Amazon-Rezensent hat dieses dreibändige Monster als „Hanni und Nanni im Mittelalter“ abgewatscht. Mir selbst ist es, seit ich das gelesen habe, etwas peinlich, dass ich scheinbar solch triviale Literatur zu mir nehme. Aber die Bücher sind einfach besser als Fernsehen: Aufschlagen und abschalten. Ich steh dazu: Hervorragende Unterhaltung muss nicht immer anspruchsvoll sein.

Text: Felix Holm

 

 

 

 

Stadt der Diebe
David Benioff
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 384, broschiert
Preis: 9,95 Euro



Lew und Kolya, zwei junge Männer in Leningrad im Kriegswinter 1942. Die Nazis stehen vor den Toren von St. Petersburg, das Morden und Überleben ist zum Tagesgeschäft, ein anständiges Essen für die meisten zum Traum geworden. Die Protagonisten lernen sich in einer Todeszelle kennen, doch Benioff lässt den Geheimdienstchef auf die perfide Idee kommen, dass sie weiterleben, wenn sie ihm in sechs Tagen zwölf Eier besorgen. Eine bizarr-brutale Geschichte entspinnt sich, ein Wettrennen gegen die Zeit, Charakterstudie hier, Entwicklungsroman da. Schwer aus der Hand zu legen.

Text: Lars Bargmann