Wie der Herbst auf unsere Gesundheit wirkt

Herbstzeit, Erkältungszeit? Von wegen! Christina Koppe, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg, kennt das Bio-Wetter wie ihre Westentasche. Im Interview mit Steve Przybilla erzählt die 39-Jährige, wie man sich trotz kürzerer Tage fit hält – und warum das Wetter in Freiburg nicht immer optimal ist.

chilli: Frau Koppe, wann waren Sie das letzte Mal erkältet?
Christina Koppe (überlegt): Das war … Anfang September.

chilli: Wetterbedingt?
Koppe: Ich glaube eher weniger. Mein Mann hatte sich einen Virus eingefangen, und irgendwann hat es mich dann auch erwischt.

chilli: Aber das Wetter und die Medizin hängen zusammen?
Koppe: Die Medizin nicht unbedingt, aber die Gesundheit. Der Mensch befindet sich nicht in einem Vakuum, sondern ist von der Atmosphäre umgeben – und das Wetter ist nichts anderes als der aktuelle Zustand der Atmosphäre. Da gibt es verschiedene Parameter, Strahlung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, die uns beeinflussen. Wer dafür anfällig ist, kann negative Gesundheitsauswirkungen erleben, aber auch positive.


chilli: Was ist die Aufgabe einer Medizinmeteorologin?
Koppe (lacht): Abgesehen davon, dass ich mit der Presse rede? Wir erstellen zum Beispiel Biowetter- sowie Pollenflug-Vorhersagen und geben Hitze- und UV-Warnungen heraus. Außerdem betreiben wir medizin-meteorologische Forschung, meist zusammen mit anderen Institutionen.

chilli: Woran forschen Sie?
Koppe: Zum Beispiel daran, ob das Wetter einen Einfluss auf die Migräne-Häufigkeit hat. Dazu haben wir zusammen mit der Hochschule Hof Daten aus dem Projekt „Migräne-Radar“ (www.migraene-radar.de) ausgewertet, bei dem Betroffene ihre Migräne online melden. Wir haben festgestellt, dass sowohl ein Temperaturrückgang als auch ein -anstieg um etwa 5 Grad im Vergleich zum Vortag die Meldungen um etwa 20 Prozent erhöht.

chilli: Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer. Schlechte Zeiten für Wetterfühlige?
Koppe: Licht spielt für unser Wohlbefinden eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Es führt dazu, dass in unserem Körper die Produktion des Hormons Serotonin angeregt wird. Das ist ein Stimmungsaufheller. Umgekehrt leiden depressive Menschen oft unter einem zu geringen Serotonin-Spiegel im Gehirn. Und die Erkältungsviren fühlen sich bei nass-kaltem Wetter auch besonders wohl.

chilli:Aber jede Jahreszeit hat auch ihre Vorteile …
Koppe: Stimmt. Im Herbst haben wir relativ häufig stabile Hochdruck-Wetterlagen. Wenn diese dann nicht gerade mit Nebel verbunden sind, herrschen meteorologische Bedingungen, die den menschlichen Organismus anregen. Es gibt weder Kältebelastung noch Wärmestress – und noch relativ viel Licht, wenn man denn auch rausgeht.

chilli: Wie bleibt man auch bei Schmuddelwetter fit?
Koppe: Wichtig ist, bei jeder Wetterlage rauszugehen. Nur so kann sich der Körper daran gewöhnen. Abgesehen davon stärken Bewegung, Wechselduschen und Saunagänge das Immunsystem. Wer besonders wetterfühlig ist, sollte seinen Körper möglichst wenig stressen, sich ausgewogen ernähren und auf regelmäßigen Schlaf achten.

chilli: Welches Wetter ist besonders belastend?
Koppe: Generell sind es Wetterwechsel, die dem Körper zu schaffen machen. Krank macht das Wetter aber nicht! Vor allem Personen, die ohnehin schon gestresst und angeschlagen sind, reagieren auf das Wetter.

chilli: Wo wirkt das Wetter besonders positiv?
Koppe: Bei uns in der Rheinebene ist das Klima nicht ganz optimal, weil wir im Sommer oft schwül-warme Bedingungen haben. Dafür haben wir im Vergleich zum Norden Deutschlands relativ wenig Wind, weshalb es nicht so oft zu Wetterumschwüngen kommt. Im Osten Deutschlands ist die Luft zwar trockener, dafür wird der Winter oft sehr kalt – und das mögen auch nicht alle.

Fotos: Steve Przybilla / pasphotography – Fotolia.com