Eine Reise in die Wüstenstadt Timbuktu, ein traumatischer Fußmarsch durch Afrika und zwei muskulöse Ringer – die sechs DVD-Tipps der Redaktion entführen in exotische oder verworrene Welten. Die vorgestellten Filme “Im Keller”, “The Good Lie – Der Preis der Freiheit”, “Timbuktu”, “Attention: A Life in Extremes”, “Foxcatcher” und “Die Entdeckung der Unendlichkeit” gibt es jeweils auch zu gewinnen.

 

 

Im Keller

 

DVD: Im Keller

 

 

 

Österreich 2014
Regie: Ulrich Seidl
Dokumentarfilm
Vertrieb: good!movies
Laufzeit: 85 Minuten
Preis: ca. 15 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass im Keller nicht nur Wein und Kartoffeln gelagert oder Modelleisenbahnlandschaften aufgebaut und bespielt werden, wissen wir spätestens seit den Kriminalfällen Reemtsma, Kampusch und Fritzl. Dass dort Angst und unheimliche Geheimnisse lauern können, wissen wir aus der Zeit, da Kinder wegen gelegentlicher Ordnungswidrigkeiten in Keller gesperrt wurden – beunruhigend weit weg von anderen Menschen und ihren Geräuschen.

 

Für seinen jetzt als DVD vorliegenden Film hat sich Ulrich Seidl auf die Suche nach diesen Geheimnissen begeben. Hat es geschafft, mehr als nur einen flüchtigen Blick hinter Türen zu werfen, die normalerweise verschlossen bleiben. Hat Leute dazu gebracht, ihm ihre heimlichste, intimste und allerheiligste Welt zu offenbaren, zu der sonst niemand Zugang hat.

 

Herausgekommen ist ein ziemlich unterirdisches Dokument grenzwertiger persönlicher, politischer oder sexueller Neigungen, das ein wenig an die Absonderlichkeiten-Schau früherer Jahrmärkte erinnert.

 

 

The good Lie –
Der Preis der Freiheit

 

DVD: The good Lie

 

 

 

USA, Kenia 2014
Regie: Philippe Falardeau
Mit: Reese Witherspoon, Ger Duany u.a.
Vertrieb: Constantin/Alcon Entertainment
Laufzeit: 106 Minuten
Preis: ca. 15 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Schade, dass „The Good Lie“ nicht in deutschen Kinos lief. Denn der Film streift einen wenig bekannten Aspekt der weltweiten Fluchtbewegungen: Die meisten Menschen, die vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung in ihrer Heimat fliehen, verbringen Monate und Jahre in Flüchtlingscamps in Nachbarländern. Hier warten sie – oft vergeblich – darauf, als Kontingentsflüchtlinge in ein Zufluchtsland zu gelangen.

 

So geht es auch den vier Geschwistern, die als Kinder dem in dramatischen Bildern dargestellten Bürgerkrieg im Sudan entkommen sind. Nach einem traumatisierenden Fußmarsch kreuz und quer durch Afrika harren sie 13 Jahre lang in einem Lager aus, bevor sie in die USA ausgeflogen werden.

 

Dort kommen sie mit ungewohnten Gewohnheiten in Berührung – und mit einer halbherzigen Jobvermittlerin, die sich dann aber doch für die Gestrandeten engagiert. Sie steht ihnen in den Mühlen der unbegreiflichen Einwanderungsbürokratie bei – fast ohne Hollywood-Pathos. Und ohne Happy-End im üblichen Sinn.

 

 

Timbuktu

 

DVD: Timbuktu

 

 

 

Mauretanien, Frankreich 2014
Regie: Abderrahmane Sissako
Mit: Ibrahim Ahmed, Toulou Kiki u.a.
Vertrieb: good!movies
Laufzeit: 96 Minuten
Preis: ca. 14 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Was geschieht, wenn selbsternannte Gotteskrieger in religiösem Eifer tiefgläubige Menschen mit Gewalt zum Glauben bekehren wollen, können wir derzeit fast täglich in den Nachrichten sehen oder hören. Die Informationen über Terror und Zerstörung sind derart allgegenwärtig, dass man auf einen Spielfilm zu diesem Thema verzichten könnte.

 

Auf diesen aber nicht: Denn in Abderrahmane Sissakos kleinem Meisterwerk geht es nicht darum, den zahlreichen Darstellungen fundamentalistisch motivierter Gewalt eine weitere hinzuzufügen. Es geht vielmehr darum, dem Drama von Terror und Einschüchterung eine andere Welt entgegenzusetzen. Eine Welt, in der die Menschen ihre Würde auch dann nicht verlieren, wenn sie mit dem Tod bedroht werden. Eine Gemeinschaft, in der die Liebe und ein weiser, toleranter Glaube gelebt und in vielfältiger Form verteidigt werden. Eine Welt, in der die Fantasie zur Quelle des Widerstands wird: Kinder spielen das verbotene Fußballspiel einfach ohne Ball weiter.

 

Ein hoffnungsvolles, schön gefilmtes Plädoyer für Menschlichkeit.

 

 

Attention:
A Life in Extremes

 

DVD: Attention

 

 

 

Österreich 2014
Regie: Sascha Köllnreitner
Dokumentarfilm
Vertrieb: dcm FilmDistribution
Laufzeit: 90 Minuten
Preis: ca. 13 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Schneller, weiter, höher, tiefer. Dieser Urantrieb der Menschheit hat inzwischen Formen angenommen, die lebensgefährlich sein können: Guillaume Néry taucht mit einem Atemzug 7 Minuten lang unter: in 125 Meter Meerestiefe, ohne Hilfsmittel. Halvor Angvik jagt in einem Windsuit mit 250 Stundenkilometern durch enge, zerklüftete Talschluchten. Und Gerhard Gulewicz rast mit dem Rennrad in nicht einmal 9 Tagen fast 5000 Kilometer weit. Über Stock und Stein. Fast ohne Pause.

 

Sascha Köllnreitner geht in seiner bildgewaltig fotografierten Dokumentation nicht nur auf die ganz persönlichen Beweggründe dieser drei modernen Abenteurer für ihre Suche nach immer neuen Herausforderungen und Höchstleistungen ein. Er setzt sich auch mit der Lebenswelt der Extremsportler auseinander, zeichnet die Leidenschaft nach, mit der sie versuchen, die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit immer weiter auszudehnen. Er lässt Bewunderer und Begleiter, aber auch zahlreiche, teilweise recht kritische Experten zu Wort kommen. Faszinierend.

 

 

Foxcatcher

 

DVD: Foxcatcher

 

 

 

USA 2014
Regie: Bennett Miller
Mit: Channing Tatum, Steve Carell u.a.
Vertrieb: Koch Media
Laufzeit: 130 Minuten
Preis: ca. 14 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

In die hiesigen Kinos kam der Film im Februar. Er hielt sich dort nicht sehr lange – wer kennt hierzulande schon noch die Weltklasse-Ringer-Brüder Mark und Dave Schultz. Oder gar die tragische Geschichte ihrer unheilvollen Beziehung mit John DuPont, dem schwerreichen Erben des Chemie-Giganten DuPont.

 

Aus dieser Geschichte hat Bennett Miller keinen Dokumentarfilm gemacht – auch keinen Biopic um ein paar ehrgeizige Ringer, die an den falschen Sponsor geraten. Sondern ein spannungsgeladenes biografisches Drama, das durch die vielschichtige Dynamik zwischen den ungleichen Protagonisten wie Fiktion wirkt: Der hochneurotische Sponsor erkennt die unter Muskelpaketen verborgene Verletzlichkeit des Sportlers und bringt ihn durch manipulative Spielchen in ein Abhängigkeitsverhältnis, das er zur Verwirklichung seiner psychotischen Allmachtfantasien nutzen will, die er mit dem amerikanischen Traum der unbegrenzten Möglichkeiten gleichsetzt.

 

Ein starker, brillant umgesetzter Film, der fünf Oscar-Nominierungen bekam. Doch keinen Gewinn.

 

 

Die Entdeckung der Unendlichkeit

 

DVD: Die Entdeckung der Unendlichkeit

 

 

 

Großbritannien 2014
Regie: James Marsh
Mit: Eddie Redmaine, Felicity Jones u.a
Vertrieb: Universal
Laufzeit: 123 Minuten
Preis: ca. 13 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Physiker Stephen Hawking ist so etwas wie eine Ikone. Mit 20 Jahren wurde bei ihm die schwere Nervenkrankheit ALS diagnostiziert, die in kurzer Zeit zum Tod führt. 50 Jahre später lebt er immer noch – und beschäftigt sich immer noch unermüdlich mit den großen Fragen des Universums. Genauer gesagt: Mit der sogenannten Weltformel, nach der Physiker seit Jahrzehnten suchen und die Aufschluss geben soll über die Entstehung eben dieses Universums und der menschlichen Existenz.

 

Die Faszination, die er auf viele Menschen ausübt, hat sicher mit der ungewöhnlichen Kombination eines Lebens in fast vollständiger Bewegungsunfähigkeit und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Ursprung des sich in ständiger Bewegung und Veränderung befindlichen Lebens zu tun.

 

Marshs Film legt mehr Gewicht auf die persönliche als auf die berufliche Seite dieses schillernden Mannes. Er beleuchtet seine Krisen und die nicht immer leichte Ehe mit seiner langjährigen Frau Jane. Und ist sehenswert und sehr
berührend geraten.

 

Zu den Gewinnspielen geht es hier.

 

Text: Erika Weisser