Bei anderen Schriftstellern heißen sie Mittelerde, Narnia oder Scheibenwelt – die Freiburger Fantasyautorin Michaela Hönninger alias Juliane Maibach hat ihre Fantasiewelt Necare getauft. Necare, das ist die Welt, in die die 17-jährige Gabriela vor dem Mobbing der Mitschüler und dem Streit mit dem Vater flüchtet. Doch auch hier ist nicht alles so schön, wie es anfangs scheint, denn böse Dämonen bedrohen die Welt der Hexen.

Fantasy

 

Knapp 3000 Leser haben seit Dezember vergangenen Jahres in „Die Verlockung“ den Kampf gegen die Dämonen mitverfolgt, der zweite Band „Verlangen“ verkaufte sich allein in der ersten Woche Anfang Mai 400 Mal. Was die Leser nicht wissen: Die junge Autorin verarbeitet in den Romanen auch ihren eigenen Kampf: Mobbing in der Schule.

Das Problem kennt nicht nur die Protagonistin Gabriela, sondern auch ihre Schöpferin. Angefangen habe es bereits in der Grundschule, erzählt Hönninger, einmal musste sie deswegen sogar die Schule wechseln, „gebracht hat das allerdings nichts“. Das Mädchen flüchtet immer mehr in ihre Fantasien, die sie, sobald sie schreiben kann, auch zu Papier bringt. Obwohl ihr das Schreiben hilft, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand: Die Ärzte diagnostizieren eine Borderlinestörung, Hönninger rutscht in die Magersucht. Ihr Germanistik-Studium und eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte muss sie wegen der Krankheit abbrechen.

Wenn sie heute davon erzählt, hat sie ein Lächeln im Gesicht – sie hat ihre Krankheit überwunden und kann ihr sogar etwas Positives abgewinnen. „Wenn ich das alles nicht erlebt hätte, wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin“, meint die 29-Jährige, „weil ich versucht habe, vor der Realität zu fliehen, hat sich meine Fantasie wohl so stark entwickelt.“

Mit dem Erfolg ihres Fantasyromans hat Hönninger alias Juliane Maibach nicht gerechnet. Allein gestern habe sie 198 Exemplare des zweiten Bands und knapp 50 des ersten verkauft. Reich ist sie bislang noch nicht geworden. Die verlagsunabhängige Indie-Autorin vertreibt ihre Bücher über Amazon – um Layout, Cover, Vermarktung und Werbung ihrer als E-Book und Taschenbuch erschienenen Romane muss sie sich daher selbst kümmern.

Amazon bietet lediglich die Plattform und kümmert sich um den Druck. Finanziell bleibt für die hauptberufliche Autorin dabei nicht viel hängen: Jedes für 2,99 Euro verkaufte E-Book bringt ihr 1,99 Euro ein, vom 9,90 Euro hohen Verkaufspreis des Taschenbuchs bekommt sie 40 Cent. „Momentan reicht es gerade so zum Leben“, erzählt sie, „und wenn es eng wird, müssen die Ersparnisse dran glauben.“

Trotzdem bliebt das Schreiben ihr Traumberuf: Derzeit arbeitet sie schon am dritten Band der Necare-Reihe, zwei weitere sollen noch folgen. Mehrere Stunden täglich investiert die Freiburgerin in ihre Werke – der Erstling war nach sechs Monaten fertig, der Nachfolger schon nach vier. Schreibblockaden kennt Hönninger nicht: „In meinem Kopf existiert die Geschichte bereits bis zum letzten Band, sie muss nur noch niedergeschrieben werden“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Michaela Hönninger ist längst nicht mehr das schüchterne kleine Mädchen, das sie einmal war. Heute ist sie eine selbstbewusste junge Frau, die gerne ins Kino geht, zeichnet und Zeit mit ihrem Freund, ihren beiden Hunden und ihrer Katze verbringt. An ihrer Fantasiewelt hat sie zum Glück der Leser dennoch festgehalten.

Text & Foto: Tanja Bruckert