kleiderkreisel.de – eine Seite für Flohmarktliebhaber und Fashionistas

Passionierte Shopper, die sich an der Wegwerfgesellschaft stören, hatten es bislang schwer. Wohin mit den getragenen Sachen, die noch top in Schuss sind? chilli-Autorin Maxine von Grumbkow hat die Onlinelösung des Problems: der Kleiderkreisel. Die Plattform, die für manche inzwischen zum virtuellen Kleiderschrank geworden ist, ermöglicht den Erwerb, Tausch, Verkauf und sogar das Verschenken gebrauchter Kleidung. Damit ist die Seite auch Teil eines neuen Trends gegen übermäßigen Konsum.

Krach, ächz, rums. Das ist – oder besser – das war mein Kleiderschrank. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Zu viele verborgene Schätze, die ich nicht anziehe, vergesse, da sie ganz unten im Stapel liegen oder nur die fünfte Ausgabe eines schon vorhandenen Lieblingsshirts sind. Für die Altkleidersammlung sind einem viele dieser Dinge zu wertvoll. Doch wohin mit den Kleidern, die ausgemistet werden?

Die Blogs sind voll davon, meine Freundinnen sind längst angemeldet, und sogar im Café höre ich am Nachbartisch angeregte Gespräche über eine neue Internetplattform, die hier Abhilfe schaffen kann. Beinahe genervt von dem Trubel um das Onlineportal besuche die Webseite www.kleiderkreisel.de.

 

Und da sitz‘ ich nun ich armer Tor und bin … entzückt! Die Seite ist wie eBay – nur in klein: privat und gemütlich. Die unpersönliche und automatisierte Kaufabwicklung wird ersetzt durch den stetig individuellen und persönlichen Nachrichtenaustausch mit interessierten Nutzern. Sie stöbern, verhandeln, tadeln und loben. Jeder kann mitmachen und so seiner Kleidung ein zweites Gesicht schenken. Kostenlos angemeldet, ein Benutzerprofil angelegt und los geht’s.

Die Idee einer solchen Kleiderbörse ist nicht neu. Über Couchsurfing in Litauen lernten die zwei Gründerinnen und Schulfreundinnen Sophie Utikal und Susanne Richter vor einiger Zeit Justas Janaus kennen. Er ist der Initiator der litauischen Version der Onlineplattform und Ideengeber für Kleiderkreisel. Die zwei Münchnerinnen waren begeistert von der Idee, fehlte doch ein Gegenstück dazu in Deutschland. Er half ihnen beim Programmieren der Seite und beim Umsetzen der Idee im deutschen Raum. Etwa ein halbes Jahr dauerte das. So richtig ernst nahmen sie das zu Beginn allerdings nicht. Heute verdienen die beiden damit ihr Geld. Was klein startete und zu Beginn wenig profitabel war, entwickelte sich vor allem durch Mundpropaganda und Internetblogs zu einem großen Online-Forum für Vintage-Liebhaber. Denn Werbung machen die zwei kaum.

„Der schnelle Einkauf im Handel wird bei mir immer weniger“, sagt Utikal inzwischen. Zwar gebe es Basics, die sie noch im Geschäft besorgt, ansonsten tauschen die Kollegen des Kreiselteams auch liebend gerne untereinander. Die Auswahl auf der Internetseite ist ohnehin riesig, bei mittlerweile nahezu zwei Millionen Artikeln von etwa 320.000 Mitgliedern. Und täglich kommen Hunderte dazu.

Je länger ich dabei bin, umso deutlicher spüre ich, dass es um mehr geht als das bloße Loswerden alter Kleidung. Der Kleiderkreisel unterstützt einen neuen Trend, der sich ‚collaborative consumption‘ nennt. Dabei geht es nicht nur ums Besitzen von schöner Kleidung, sondern auch um Nachhaltigkeit. Ich brauche mein Kleid nicht mehr, also gebe ich es an jemanden weiter, der Freude daran hat, anstatt es wegzuschmeißen und ein neues zu kaufen. Kleiderkreisel ist eine mögliche Plattform, sich dieser Bewegung anzuschließen und Teil eines modernen Prinzips zu werden, das stilvoll gegen die Verschwendung kämpft.

Text & Foto: Maxine von Grumbkow