Der darf das!

Früher musste ein Filmkommissar einfach rauchen. Undurchdringliche Schwaden dicken, schweren Qualms waberten durch sein Büro, während er nachdenklich an der Zigarette zog und die Lösung des Falls zum Greifen nahe lag. Doch der Glimmstängel in Krimis kam aus der Mode, als sich die Filmemacher auf die Vorbildwirkung ihrer Protagonisten besannen. Darum geht auch 00 Schneider in seinem neuen Abenteuer „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ als militanter Nichtraucher mit gutem Beispiel voran. Zum Ausgleich lässt Regisseur und Hauptdarsteller Helge Schneider sein Ensemble in jeder Szene Kippe um Kippe wegpaffen, erst recht im Polizeirevier. Aber nach Vorbildern sollte man in der Anarcho-Komödie der singenden Herrentorte eh nicht suchen.

Hat wirklich immer, mit der Betonung auf immer, den Durchblick: Kommissar Roy Schneider (Helge Schneider).

 

Roy Schneiders (Helge Schneider) neuester Fall führt ihn in das spanische Viertel seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Moment – ein spanisches Viertel in Mülheim an der Ruhr? Wem das schon zu viel der kreativen Freiheit ist, der kann an dieser Stelle getrost zu lesen aufhören.

Der Intelligenzverbrecher Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni) mit seiner Beute: einem Huhn.

 

Zurück zur „Handlung“: Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni), wegen seiner reptilienhaften Bewegungen auch die „Eidechse“ genannt, entkommt aus dem Gefängnis und stibitzt vom örtlichen Bauernhof ein Huhn. Doch nicht nur der kettenrauchende Intelligenzverbrecher deutsch-türkisch-belgischer Abstammung macht dem Kommissar zu schaffen: Schneider erhält unerwartet Besuch von seiner Tante Tyree (Jazzsaxofonist Tyree Glenn Jr.) aus den USA, von deren Existenz der gewiefte Kriminalbeamte aber noch nie etwas gehört hatte. Wer ist dieser Mann in Frauenkleidern nur, und warum spuckt Pillemann seine Opfer immer mit einer ätzenden Flüssigkeit an? Fragen über Fragen, auf die „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ auch keine Antwort parat hat.

Ein Kampf auf Leber und Brot: Kommissar Schneider (Helge Schneider, links) stellt den gesuchten Verbrecher Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni).

 

In seiner Filmografie ist Helge Schneiders mittlerweile fünfte Regiearbeit zwar mit die zugänglichste, aber von klassischer Dramaturgie noch immer meilenweit entfernt. Charaktere werden ohne Umschweife in die Handlung geworfen und tauchen im weiteren Verlauf nicht mehr auf, Anschlussfehler zum Stilmittel uminterpretiert: Verschiedene Szenen aus dem Ruhrgebiet werden anarchisch und kommentarlos an Momentaufnahmen aus Mallorca geschnitten. Warum ein Zahnarzt während der Behandlung mitten im Behandlungszimmer plötzlich auf Enten schießt? Egal. Der Gorilla, der plötzlich in einem Café den Kopf einer Kundin beherzt in einen Kuchen drückt? Blöde Frage, der muss aus dem Zoo ausgebrochen sein. Und überhaupt, was für ein Café? Das ist Schneider, wie seine Fans ihn haben wollen.

Text: Ben Hiltrop / Fotos: Senator Entertainment AG
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Senator
Laufzeit: 96 Min.