Nicht ohne meinen Daddy

Wenn das so weitergeht, entsteht die ungewöhnlichste und problematischste Vater-Tochter-Filmreihe aller Zeiten. Im ersten Teil, „96 Hours – Taken“, fiel Kim Mills (Maggie Grace) bei einem Paris-Trip brutalen Mädchenhändlern in die Hände. Ihr geradezu obsessiv um sie besorgter Vater Bryan (Liam Neeson), ehemals Geheimdienstmann, nun Personenschützer, setzte sich ins Flugzeug und schoss sich in der alten Welt den Weg zu ihr frei. Die Fortsetzung „96 Hours – Taken 2“ (2012), die nun auf Blu-ray Disc erscheint, will nahtlos an den ersten Film anschließen, kommt aber etwas holpriger daher.

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Murad (Rade Serbedzija) will Vergeltung für seinen Sohn, den Bryan Mills im ersten Teil getötet hat. Er lässt ihn und seine Frau am Bosporus entführen. Wie durch ein Wunder kann Kim seinem Zugriff entschlüpfen. Sie müsste nun eigentlich ihre Eltern befreien, wie ihr Vater sie befreit hatte. Nur ist im Film eine um sich schießende Minderjährige recht heikel. Kim darf deshalb ihrem Vater, der den Häschern entkommen ist, bei der Rettung der Mutter nur assistieren: das Versteck der Gangster aufspüren, Waffen besorgen und Fluchtautos steuern.

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Weniger krachen tut’s deswegen nicht – und das liegt gar nicht so sehr an Regisseur Olivier Megaton als vielmehr am Produzenten und Co-Autoren Luc Besson („Das fünfte Element“, „Leon – Der Profi“). Seine Filmfirma Europa Corp. fabriziert Actionspektakel am Fließband – und in hoher Qualität. Sensationelle Story, gute, im Fall Liam Neeson sogar grandiose Schauspieler in klar konturierten Rollen, viel Bleigewitter, rasantes Katz- und-Maus-Spiel, winzige Injektionen von Humor und kleine, aber höchsteffektive Plot-Wendungen verschmelzen auch im zweiten „Taken“-Teil zu feinstem Genrekino von atemberaubender Spannung.

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Imposante Actionszenen und erbitterte Zweikämpfe hat man zwar schon oft gesehen. Aber durch die Kamera von Romain Lacourbas sieht alles wieder wie neu aus: Er gestaltete ein sehr raues, hartes Bild. Mit gesättigten Farben, aber schwachen Kontrast- und Schwarzwerten baut sich auf Blu-ray Disc eine spannende Optik auf, die durch den rasanten Schnittrhythmus den Adrenalinspiegel ordentlich hochpeitscht. Der wuchtige, sehr dynamische HD-Surroundmix verlangt vom präsenten Bass und den hinteren Boxen vollen Einsatz. Dank der harmonischen Abmischung werden weder Dialoge noch Musik verschluckt. Im soliden Bonusteil gibt es neben einem Making Of, Interviews, alternativen Szenen und Featurettes auch einen Bild-im-Bild-Modus.

Auch auf DVD erhältlich.

Text: Sarah Hastig / Fotos: Universum
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 16
Studio: Universum
Laufzeit: 98 Min.
Ab 15.3. im Handel, ca. 16 Euro