In der Festung

Die Limousine ist gleichzeitig Eric Packers (Robert Pattinson) Thron und Gefängnis. Während er vom Rücksitz aus vor funkelnden Bildschirmen den Finanzmarkt beherrscht, sieht er die Außenwelt, die Passanten, die Demonstranten, Reichtum und Armut schallisoliert vorbeiziehen. – Zum Erscheinungstermin 2003 las sich Don DeLillos Roman „Cosmopolis“ noch wie eine ferne Zukunftsvision. David Cronenbergs gleichnamige Verfilmung (2012) wirkt dagegen wie ein Kommentar zur Gegenwart, für den sich im Kino nur etwa 47.000 Zuschauer interessierten. Nun erscheint der unkonventionelle Thriller auf DVD und Blu-ray Disc.

 

Die Stadt vor der Limousine ist kurz vor dem Kollaps. Straßen sind wegen des Präsidentenbesuchs gesperrt und gewalttätige Globalisierungsgegner unterstreichen ihren Protest mit toten Ratten. Doch Packer wirkt abgeschnitten von dieser Realität und schafft sich seine eigene. Ob schneller Sex, bei dem er passiv bleibt (irritierend: Juliette Binoche als seine ältere Gespielin), Fachsimpelei mit Finanz- und Computernerds oder die philosophische Analyse der gesellschaftlichen Gesamtsituation mit einer intellektuellen Fachfrau (Samantha Morton) – Packer muss nie seine schützende Festung verlassen. Eine klaustrophobische Atmosphäre herrscht in dem Wagen, in den jeden Tag auch ein Arzt steigt, um unter anderem Packers asymmetrische Prostata zu checken. Ein Stück verstörende Körperlichkeit in einer abstrakten Welt.

Die meiste Zeit wird geredet: David Cronenberg begeisterte sich so für die Worte des Autors Don DeLillo, dass er die für ihn perfekten Dialoge fast ohne Änderungen übernahm und das Drehbuch in sechs Tagen schrieb. Die geschliffene Sprache mit ihren komischen, besserwisserischen und philosophischen Sätzen überzeugt tatsächlich.

 

Cronenberg umgeht mit „Cosmopolis“ konventionelle Thrillermuster. Packers moralische wie emotionale Abgründe werden vorgeführt und entladen sich im Aufgeilen an riskanten Termingeschäften, emotionslosem Sex sowie in einer beiläufigen Exekutionsszene. Alles steuert dabei auf den Höhepunkt hin, als Packer beschließt, die Kontrolle aufzugeben, um selbst frei zu sein.

Das klare Bild wirkt auf DVD und Blu-ray Disc kühl und steril. Die gedeckten Farben weisen eine gute Sättigung auf. Steile Kontraste und knackige Schärfe prägen die BD-Optik. Auf DVD wirkt das Bild etwas körnig. Der facettenreiche Sound setzt auf beiden Discs einen satten Bass ein, bedient jedoch vornehmlich die Frontboxen. Dialoge werden stets klar wiedergegeben. Im Bonusteil finden sich vornehmlich Interviews, die allerdings nur mäßig interessant sind.

Text: Vera Seeberg / Fotos: Falcom
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Freigabealter: 12
Studio: Falcom Media
Laufzeit: 104 Min.
Im Handel, ca. 15 Euro