Näher, stärker, leichter

Auf der Party funkt es sofort zwischen den beiden – doch welche Wahl haben sie auch, wenn sie doch ausgerechnet Roméo und Juliette heißen? Durchgestylte Bilder zeigen die Freuden des Verliebtseins in ihrer schönsten Form, bis Babygebrüll den schicken Schnelldurchlauf beendet: Der kleine Adam krönt das Glück des quirligen Paares – dann jedoch wird bei dem Winzling ein Hirntumor entdeckt. – „Das Leben gehört uns“ (2011) erzähle nicht ihre Geschichte, beteuert Valérie Donzelli, auch wenn ihr Werk in gewisser Weise autobiografisch sei: Die Regisseurin und ihr damaliger Lebensgefährte Jérémie Elkaim haben vor einigen Jahren Ähnliches erlebt. Als Hauptdarsteller in einem außergewöhnlichen Drama kämpfen sie nun auf DVD ein zweites Mal gegen die Widrigkeiten des Schicksals.

 

Valérie Donzelli ist jedes Stilmittel recht, um einen Eindruck von der Gefühlswelt des Paares zu vermitteln: Manchmal wählt sie dazu schnelle Schnitte, mal laut dröhnende Bässe. An einer Stelle choreografiert sie Bewegungsabläufe ganz offenkundig durch, an anderer tritt sie förmlich die Flucht vor der Kamera an. Donzellis Experimentierfreude zeigt Wirkung: Selten ließ sich Schmerz so nachfühlen wie in den Szenen, in denen die Eltern von der schweren Erkrankung ihres Sohnes erfahren.

Aber das ist es nicht, was „Das Leben gehört uns“ zu einem bemerkenswerten Film macht – zumindest nicht das allein. Es ist die Art, wie das Paar – und damit der Film – mit der dramatischen Situation umgeht. Einerseits natürlich entschlossen und kämpferisch. Andererseits jedoch mit einer Leichtigkeit, die von einem solchen Sujet kaum zu erwarten war.

Darin zeigt sich die persönliche Erfahrung der Ko-Autoren Valérie Donzelli und Jérémie Elkaim wohl am deutlichsten: Sie wissen eben, dass ein Paar mit einem kranken Kind trotz ständiger Sorgen und Entbehrungen auch glückliche Momente genießt. Und es war ihnen wichtig, das zu zeigen: die Art Realität, die auf der Leinwand normalerweise außen vor gelassen wird.

Das Bild der DVD überzeugt mit guten Schärfe- und Kontrastwerten, wirkt mit leichtem Korn authentisch. Der gut abgemischte Sound bedient alle Kanäle: Statt Knalleffekten gibt es eine sorgsam arrangierte Surroundatmosphäre, in die klare Dialoge eingebunden wurden. Ein interessantes Gespräch zwischen Valérie Donzelli und Cédric Klapisch („L’ auberge espagnole“) und zusätzliche Szenen bilden den sehr überschaubaren Bonusteil.

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: Prokino
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: Prokino
Laufzeit: 96 Min.
Im Handel, ca. 15 Euro