Welch ein Ritt zu dritt!

Die Idee ist brillant und endlich mal wirklich aus dem Leben gegriffen. Produzent Philip Voges war vor fünf Jahren bei einer Familienaufstellung und fand diese Therapieform interessant, wenn auch plakativ. Allerdings bemerkte er, dass man an einem Tag mehr über eine Frau erfahren kann als deren Mann in drei Jahren Ehe. Denn die Menschen erzählen das, was sie sonst für sich behalten – sie machen sich „nackig“. Das ist auch das Stichwort für „Irre sind männlich“, den Film, der auf diesem Erlebnis des Produzenten basiert. Die Hauptrollen spielen Milan Peschel („Schlussmacher“) und Fahri Yardim (bekannt aus dem NDR-„Tatort“ mit Til Schweiger), großartig ergänzt von Marie Bäumer.

Sie sind nicht nur Freunde, sie arbeiten auch zusammen. Daniel (Fahri Yardim) und Thomas (Milan Peschel, rechts) kreieren ein neues Leben für sich.

 

Was ist eine Familienaufstellung? Im Grunde wie Schach mit echten Menschen. Aus der Gruppe der Anwesenden baut sich einer seine Familie im Raum auf. Wenn man wie Produzent Voges gut zwei Meter groß ist, ist man wie geschaffen für die Figur des „Vaters“. Man wird zum zentralen Punkt, gerade bei Frauen. Erlebt man dies mehrmals, entbehrt das vermutlich nicht einer gewissen Komik. Jedenfalls erzählte Voges danach Ilja Haller, ebenfalls Produzent, dass sich, wenn man denn wollte, die Situation brutal ausnutzen ließe. Denn Therapieerfahrungen sind natürlich sehr emotional. Der Faden wurde fortgesponnen, in ein Drehbuch gepackt und erblickt jetzt das Licht der Leinwand.

Daniel (Fahri Yardim) ist ein lieber Kerl, vielleicht zu lieb. Er hat nur Augen für seine Freudin und möchte gerne immer wissen, wo sie warum ist. Er hat oft Sehnsucht, schreibt SMS, ruft an und das nervt Mia (Josefine Preuß, sehr hübsch, aber in einer Nebenrolle). Sie trennt sich. Thomas (Milan Peschel) kann seinen Freund nicht leiden sehen, möchte ihn wieder an die Frau bringen, und kreativ wie er ist als Computerspiel-Designer heckt er den Plan des Produzenten aus. Er schleust sich (aus reiner Sexgier) und seinen Freund (vielleicht nützt es ja was) unter falschem Namen in Familienaufstellungen ein. Ein bisschen gemein ist das schon, aber herrje … wie gut das klappt.

Thomas (Milan Peschel) hat im Gegensatz zu seinem Freund Daniel weniger Hemmungen, die Zuneigung unbekannte Frauen anzunehmen.

 

Eine allerdings kommt auch öfter dorthin. Anwältin Sylvie (Marie Bäumer) nimmt sich Tausendsassa und Betthüpfer Thomas vor, weil er sich davongeschlichen hat aus ihrem Bett, und das übernimmt sie sonst lieber selbst. Bäumer droht, ihn auffliegen zu lassen mit demselben Schwung, wie sie bei der Gymnastik das Bein in schwindelnde Höhen wirft. Man erinnert sich an den „Schuh des Manitu“, wo Marie Bäumer neben Bully Herbig auch äußerst amüsant war. Das packt sie jetzt wieder aus und so wird sie zum Knackpunkt der Komödie.

Denn in dem Moment, wo Regisseure hinüberschwenken von der gut funktionierenden Buddy-Komödie zum Pärchentanz, versanden viele Filme. Geht es um Liebe, wird es dröge und romantisch. Hier nicht. Mit Milan Peschel und Marie Bäumer bleibt es genauso lustig, wie zuvor. Zwischendrin kommt der sensible Daniel zu Wort, der seinen Charakter ernst nimmt und sich in Bernadette (Peri Baumeister) verliebt, die, wie sich bei der Therapie herausstellt, einige Gemeinsamkeiten mit ihm hat.

Geh ruhig näher ran, umarmt euch. Den Anweisungen des Therapeuten (Herbert Knaup) folgend, lernt Daniel (Fahri Yardim) eine verdammt liebenswerte Schauspielerin kennen.

 

Alle erzählten Geschichten sind schlüssig, die Schauspieler funktionieren wunderbar und Peschels Lust an diesem garstigen Kerl ist bemerkenswert. Diese Komödie folgt nicht mal den üblichen Happy-End-Regeln. Nein, sie vermittelt das Gefühl: Egal, was für ein Freak du bist, es gibt jemanden, der zu dir passt. Und das ist ja irgendwie süß.

Mutig setzen die Produzenten auf ein harmonierendes Team statt auf die üblichen Verdächtigen. Und Anno Saul, den man nach seinem furiosen Wurf „Kebab Connection“ (2005) vermisst hat, kann’s noch. Er verarbeitet Voges’ wunderbares Drehbuch, das manchmal herrlich albern, oft dreist und immer lustig ist. Gratulation an das neue Dreigestirn Marie-Fahri-Milan am Komödienhimmel. Möge das Publikum für genügend Mundpropaganda sorgen, um das zu einem irren Erfolg werden zu lassen.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: © Constantin Film Verleih GmbH / Stefan Erhard
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Constantin
Laufzeit: 93 Min.