Die einschlägigen privaten TV-Sender zeigen sie regelmäßig: Dokus über Teenie-Mütter am Rande der Verzweiflung. Gerne wird der Beitrag reißerisch inszeniert, die blutjungen Mütter oft aus bildungsfernen Milieus rekrutiert. Das führt allerdings eher zur Zementierung von Vorurteilen als zu einer sachlichen Darstellung von Lebensrealitäten. Filmemacherin Cornelia Grünberg geht mit ihrer Dokumentation „Vierzehn“ vollkommen anders an das heikle Thema heran: Sie wertet nicht, sie urteilt nicht – sie beobachtet unauffällig und findet dadurch einen echten Zugang zu ihren vier Protagonistinnen, die aus allen sozialen Schichten stammen. Einige kleinere Schwächen muss man Grünbergs gelungenem Film dennoch attestieren.

Lisa ist die wohl naivste im Bunde: Sie ignorierte ihren stetig wachsenden Bauch so lange, bis ihre Mutter nicht mehr an eine bloße Gewichtszunahme glauben wollte. Da war Lisa bereits im vierten Monat.

 

Laura, Lisa, Steffi und Fabienne haben keinerlei persönliche Berührungspunkte. Doch eine bald unübersehbare Tatsache verbindet die Mädchen, die in allen Ecken Deutschlands leben: Die Teenagerinnen wurden im zarten Alter von 14 Jahren von ihren teils deutlich älteren Freunden schwanger. Schuld am ungeplanten Babyglück ist bei allen eine solide Portion Naivität gepaart mit Schlamperei bei der Verhütung. „Bei einem Mal passiert schon nichts!“, das dachte das Quartett und wurde eines Besseren belehrt.

Steffis Freund war mit der Versorgung von Baby Jason bald überfordert. Das Paar trennte sich.

 

Keine Stimme aus dem Off kommentiert diese und ähnliche Aussagen. Das ist gut so, denn auf diese Weise lässt Grünberg dem Publikum Raum für eine eigene Meinung. Sie konzentriert sich ausschließlich auf die Mädchen – manchmal etwas zu intensiv, denn die angehenden Väter werden so gut wie gar nicht in ihre Arbeit eingebunden. Wie sie über die Schwangerschaft denken, wie sie ihre Freundinnen erleben, warum sie nicht auf die Einnahme der Pille danach bestanden haben – all das scheint nicht wichtig. Lediglich der eine oder andere Egotrip der Jungs wird eingeflochten, was manchmal sicherlich ein verzerrtes Bild entstehen lässt.

Fabiennes Sohn kam mit einer offenen Bauchdecke zur Welt und verbrachte den Beginn seines Lebens auf der Intensivstation.

 

Umso klarer zeichnet die Filmemacherin ihre Protagonistinnen: Man beobachtet nicht nur, wie die Bäuche wachsen, sondern auch, wie die Persönlichkeiten reifen. Die Mädchen setzen sich anfangs ernsthaft mit der Möglichkeit der Abtreibung auseinander, prüfen ihr Umfeld auf mögliche Hilfestellung und überlegen, wie das Leben mit Kind und Partner aussehen sollte. Auch der Druck von außen, durch Mitschüler oder anfangs überforderte Eltern, geht nicht spurlos an den werdenden Müttern vorbei.

Laura genießt die Zeit mit Töchterchen Stella-Luna.

 

Zum Soundtrack der österreichischen Rockröhre Saint Lu, deren Songs für jede Situation die passende Stimmung transportieren, gehen Laura, Lisa, Fabienne und Steffi mutig ihren Weg. Der wird auch nach der Geburt, die man bei Laura verstörend nah miterleben darf, nicht immer ohne Stolpersteine verlaufen. Doch diese vier außergewöhnlichen Mädchen haben das Zeug dazu, alle Hürden zu meistern.

Text: Christina Freko / Fotos: Farbfilm / Kinderfilm GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 12
Verleih: Farbfilm
Laufzeit: 95 Min.