Was tun, wenn ein paar Stunden beim Zwischenstopp totzuschlagen sind? An immer mehr Flughäfen versprechen Kurzzeit-Hotels und Schlafkabinen Passagieren etwas Ruhe inmitten des Getümmels. Doch klappt das auch wirklich?

"Minute Suites" am Flughafen Philadelphia

 

Grelles Licht, laute Durchsagen, wuselnde Menschenmassen: Wie soll man da Ruhe finden? Im Kinofilm „Terminal“ steht der Osteuropäer Viktor (Tom Hanks) vor genau diesem Problem. Er darf den Transitbereich des Flughafens nicht verlassen, hält es vor Müdigkeit aber kaum aus. Notgedrungen verzieht er sich in einen Bereich, der gerade renoviert wird, reißt Sitzbänke auseinander und schiebt sie zum Schlafen neu zusammen. Nicht gerade das Hilton, aber besser als nichts.

Wäre der Film zehn Jahre später erschienen, hätte es Viktor einfacher gehabt. Heute umwerben Kurzzeit-Hotels und Schlaf-Kabinen jene Reisende, die mehrere Stunden im Terminal totschlagen müssen. Den Flughafen verlassen – und in ein reguläres Hotel einchecken – wollen schließlich die wenigsten. Die Lösung: „Minute Suites“, wie es sie zum Beispiel am Flughafen Philadelphia gibt. Das Kurzzeit-Hotel befindet sich dort direkt im Sicherheitsbereich.

„Wie lange soll’s denn sein?“, fragt Brittany May, eine Tourismus-Studentin, die halbtags in der Unterkunft arbeitet. Nach einem Mindestaufenthalt von einer Stunde kann man 15-Minuten-Intervalle hinzubuchen. Die Zimmer befinden sich direkt hinter der Rezeption, verborgen hinter einer dicken Schiebetür mit Sicherheitsschloss. „Ich bringe dann gleich noch die Bezüge“, sagt Brittany und verschwindet wieder.

Die erste Überraschung: Ganz schön eng hier. Die „Suite“ ist nicht breiter als das Ausziehsofa, das zur Standard-Ausstattung gehört. Der 32-Zoll-Fernseher, mit dem man auch ins Internet gehen und Flugzeiten nachschlagen kann, wirkt riesig. Außerdem vorhanden: ein kleiner Tisch, ein Drehstuhl, ein Spiegel, zwei Bügel und ein Radiowecker. Ein Waschbecken sucht man vergeblich. Und die Toilette? Gibt es leider nicht. Wer mal muss, muss die regulären Flughafen-Waschräume nutzen.

Die Zimmer befinden sich direkt hinter der Rezeption, verborgen hinter einer dicken Schiebetür mit Sicherheitsschloss.

 

Ruhe finden – das ist das Kernziel eines Kurzzeit-Hotels. Die Minute Suites werben mit einem „einzigartigen Lärmunterdrückungssystem“, das Hintergrundgeräusche ausblendet – theoretisch jedenfalls. In der Realität versteht man jedes Wort, wenn Brittany an der Rezeption telefoniert. Der Gast im Nebenzimmer spielt Ballerspiele. Außerdem rauscht die Lüftung. Immerhin ist das Sofa bequem, obwohl man auf nacktem Leder schlafen muss. Die Bettwäsche erschöpft sich in einer Wolldecke und Papierüberzügen für die Kopfkissen – ein Gefühl wie beim Arzt.

Und trotzdem: Sobald man den kleinen Raum verlässt, wird der Unterschied deutlich. Das Rattern der Rollkoffer, die lauten Durchsagen, die ununterbrochen dudelnde Flughafenmusik: All das hört man in der Minute Suite tatsächlich nicht. Auch das vermeintliche Rauschen der Lüftung hat einen besonderen Zweck: Bei dem Geräusch handelt es sich nämlich um die besagte Lärmunterdrückung. Per Drehknopf lässt sich wählen, wie laut es rauschen soll.

Auch in Europa gibt es bereits Kurzzeit-Hotels, wenngleich sie immer noch spärlich gesät sind. In Amsterdam sowie an den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick kann man in sogenannten „Yotels“ einchecken. Die Zimmer sind, anders als bei der amerikanischen Konkurrenz, mit Dusche und WC ausgestattet. Am Münchner Flughafen können sich Reisende in Schlafkapseln, genannt „Napcabs“, zurückziehen. Sie sind kleiner als eine Minute Suite, enthalten aber ein Bett und ein Tischchen.

In Frankfurt, Deutschlands größtem Flughafen, sucht man Kurzzeit-Hotels bisher noch vergeblich. Aber nicht mehr lange: Ab nächstem Jahr, verspricht Flughafen-Sprecher Dieter Hulik, wird es auch dort ein Kurzzeit-Hotel geben.

Text & Fotos: Steve Przybilla

 

Minute Suites:
Flughäfen Atlanta, Philadelphia & Dallas-Fort Worth, Preis: 25 Euro/Std., jede weitere 15 Minuten: sechs Euro (nach zwei Stunden vier Euro), Übernachtungspauschale: 90 Euro, Bezahlung per Kreditkarte oder in bar, www.minutesuites.com

Napcabs:
Flughafen München, Terminal 2 (Ebene 4, Gate 06) & Terminal 2 (Ebene 5, Gate H32). Preis: 15 Euro/Std. (6 bis 22 Uhr) bzw. 10 Euro/Std. (22 bis 6 Uhr); Mindestbetrag: 30 Euro; Bezahlung per Kreditkarte. www.napcabs.net

Yotel:
Flughäfen London-Gatwick (Süd-Terminal), London-Heathrow (Terminal 4) & Amsterdam-Schiphol (Haupt-Terminal). Preis:
11,50 Euro/Std., Mindestnutzdauer: vier Stunden. www.yotel.com