Gut 30.000 Seelen zählt die Große Kreisstadt Forchheim im Oberfränkischen. Und gut 30.000 Sitzplätze bietet der Kellerwald, in dem schon seit 1840 jedes Jahr aufs Neue das Annafest gefeiert wird. Pro Einwohner einen Platz am Biertisch – es wird nicht ganz leicht, irgendwo in Deutschland eine Stadt zu finden, die in dieser Disziplin mithalten kann. Das Annafest geht vom 25. Juli bis zum 4. August über die Bühnen, respektive über die Keller. Und wer schon mal da ist, der kann sich gleich auch ein sehenswertes Städtchen anschauen.

Forchheim am Main-Donau-Kanal

 

Denn die bereits im Jahre 805 erstmals urkundlich erwähnte Siedlung hat auch neben Bierkrug und Haxn einiges zu bieten, wie der Besucher bei einer Stadtführung erfahren kann. Das schmucke mittelalterliche Rathaus mit den gewitzten Schnitzereien von Hans Ruhalm (ja, dort oben ist ein entblößtes Hinterteil zu sehen), nebenan das Frechshaus, die geschichtsträchtige St.-Martin-Kirche, die Festungsmauer (Mitte 16. bis Mitte 18. Jahrhundert) mit dem Nürnberger Tor und dem Saltorturm oder auch die Burg Forchheim aus dem 14. Jahrhundert lohnen – eher vor als nach dem (Fass-)Anstich – einen Abstecher. Wer vom Kellerberg spätabends wieder runter in die Stadt schlendert, dem sei vorsichtshalber gesagt: Die Kammersmühle an der Wiesent ist wirklich schief.

Die Burg Forchheim aus dem 14. Jahrhundert

 

Einige Meter flussabwärts von der Hundsbrücke hängen im Fluss plötzlich Fischkästen, die hier schon Jahrhunderte hängen, und in denen die Fischer von alters her ihre Beute gesammelt hatten. Ein Besuch in der Zwingerbastion sei ebenso empfohlen, wer bei der Stadtführung mitgeht, kann hier auch den dunklen Eskarpengang erkunden.

Die geschichtsträchtige St.-Martin-Kirche

 

Bis zu einer halben Million Menschen machen sich Ende Juli auf den Weg in die Große Kreisstadt Forchheim, die mit Hebendanz, Neder, Greif und Eichhorn gleich vier eigenständige Brauereien hat, die im Kellerwald ihre weitverzweigten Gewölbe haben, in denen damals das Bier reifte, heute nur noch gelagert wird. Auswärtige müssen frühzeitig Unterkünfte buchen, wenn sie nicht unterm Biertisch nächtigen wollen. Es ist Volksfeststimmung, wenn der Heiligen Anna zu Ehren gefeiert wird, es herrscht Jubel (das Bier kommt), Trubel (angesichts der Verkehrslage wechsle ich jetzt sicher nicht den Keller), Heiterkeit (hast Du meine Frau gesehen?). Wer sich hier (wieder-)finden will, braucht deutlich mehr Glück als Verstand. Aber der spielt während des Annafests ohnehin nur eine Nebenrolle.

Text & Fotos: Lars Bargmann