ICH UND MEIN F-Type-Coupé

Noch mehr aufzufallen ist schwer: Lackiert in spektakulärer Union-Jack-Optik fahren wir auf unserer Teststrecke vom Güterbahnhof aus mit dem neuen F-Type-Coupé am Hauptbahnhof vorbei durch die beschauliche Wiehre über Günterstal auf die Holzschlägermatte zu Wirt Mike Minuth. An jeder Ampel zücken Passanten ihre Smartphones und machen Bilder – und wenn man den Sound des Jaguars auch so einfach aufnehmen könnte, würden das sicher viele machen.

Jaguar F-Type-Coupé

 

Vor einem Jahr hatte Jaguar den schnittigen Nachfolger des legendären E-Types präsentiert – als Cabriolet. Nun ist das Coupé im Freiburger Jaguar House beim Geschäftsführer Ralph Kollinger angekommen. Zusammen mit dem Fotografen machen der Chef persönlich und der Tester eine erste kleine Ausfahrt ans Stadion nach Denzlingen. Auf einem Feld werden F-Type und der ebenso lackierte Range Rover Sport in Szene gesetzt. Ein Rollerfahrer kommt mit seiner Freundin vorbei, hupt, hält den Daumen hoch und ruft im Vorbeifahren: „Geile Autos.“

 

Das von einem Kompressor zwangsbeatmete 340 PS starke V6-Aggregat startet, die Maschine dreht einmal hoch, aus dem Armaturenbrett fährt eine voluminöse Lüftungseinheit hoch. Die Achtgang-Quick- shift-Automatik (das Getriebe wird von der Zahnradfabrik Friedrichshafen geliefert) bringt den Athleten in Bewegung, die alte Schauinsland-Rennstrecke ist wie gemacht für die Raubkatze, die sich auch schon im mittleren Drehzahlbereich kraftvoll und agil durch die Kurven schlängelt und zwischen den superkurzen Schaltvorgängen – durchaus zur Freude der Insassen – immer ein bisschen aus den doppelflutigen Auspuffrohren motzt.

Jaguar F-Type-Coupé

 

Mit einem Klick kann der Pilot die Auspuffklappen öffnen, mit einem zweiten den Dynamik-Modus einschalten – womit die Katze noch enger am Gaspedal hängt und die Beleuchtung des Tachofelds von blau auf rot wechselt: Formel-1-Feeling, das Grinsen der Crew wird breiter. Die Stereoanlage kann zwar was, auch im oberen Bereich, der Sound am Heck ist aber jedem Radio-Programm deutlich überlegen.

 

Ein paar Minuten nach dem ersten Anstieg gleitet der F-Type auf dem Parkplatz an der Holzschlägermatte. Ein kleiner Junge auf einem Fahrrad bleibt stehen und staunt. So einen Wagen hat er noch nicht gesehen. Wer die Kühlerhaube öffnet, hält übrigens das größte seriengefertigte Aluminium-Bauteil im Kraftfahrzeugbau in der Hand. Die ganze Karosserie ist in Vollaluminium-Bauweise gefertigt. Das Coupé ist mit 33.000 Newtonmetern pro Grad der torsionssteifste Jaguar, der je gebaut wurde. Das macht sich im äußerst präzisen Handling bemerkbar.

Jaguar F-Type-Coupé

 

Anders als das Cabrio wartet das Coupé dabei mit einem – seinen Namen verdienenden – Kofferraum (407 Liter) unter der lang gestreckten Heckklappe auf, in den auch mal zwei Kisten Bier und zwei Sporttaschen passen – und die Karl-Marx-Gesamtausgabe. Wer sich beim Fahren stark disziplinieren kann, der könnte den F-Type auch als „R“ mit 550 PS erwerben: Spitze 300, in 4,2 Sekunden auf 100. Ästhetische Leckerbissen sind die versenkbaren Türgriffe und die Kühleröffnungen à la Haiflosse. Und wenn sich der Heckspoiler bei 110 automatisch aufstellt, schaut der Pilot direkt ins dort trefflich platzierte Jaguarzeichen. Beifahrende können sich während rasanter Kurvenfahrten an einen Haltegriff an der Mittelkonsole klammern. Sie müssen aber nicht.

 

Zurück in Freiburg leuchtet durch die formschöne Heckscheibe plötzlich „Stop“ und „Polizei“ auf. Wir fahren rechts ran. „Führerschein und Fahrzeugschein bitte“, fordert der Mann vom Revier Süd. Beides nicht dabei. Es wird telefoniert, die Papiere werden vom Autohaus Kollinger ins Revier gefaxt, der Führerschein später vorbeigebracht. Als das Warten ein Ende hat, möchte der Fahrer noch wissen, warum er eigentlich angehalten wurde? Der Beamte sagt: „Der Wagen ist zu laut.“ Okay. Der Fahrer lässt ihn an. Die Maschine dreht automatisch einmal hoch, um sich einsatzbereit zu zeigen. Die Insassen müssen wieder grinsen.

 

Text: Lars Bargmann / Fotos: © Neithard Schleier

 

F-Type-Coupé
Info

> Motor: 3-Liter-V-6.
> PS: 340
> Max. Drehmoment: 450 Nm bei 3500-5000 U/m
> 0 auf 100: 5,3
> Höchstgeschwindigkeit: 260
> Sound: schwer verbesserbar
> Lang, breit, hoch: 4,47 / 1,92 / 1,30
> Preis: Ab 67.000 Euro
> Preis der getesteten Variante: 80.505 Euro
> Mehr Info: www.kollinger-gruppe.de

 

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