Er ist der kleine Bruder des Range Rover, aber mit 1595 Kilo und 33.400 Euro in der einfachsten Ausführung dennoch kein Leichtgewicht: chilli-Volontärin Tanja Bruckert testete ein Wochenende lang das Evoque Coupé.

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Wie kann man ein Frauen-Fitnessstudio nur mit so schmalen Parkplätzen ausstatten? Für meinen Kleinwagen mag das noch angehen, aber mit dem über zwei Meter breiten Evoque stehen die Chancen schlecht. Obwohl ich es – dank Rückfahr- und vier (!) weiteren Kameras – in die winzige Lücke schaffe, ist ans Türöffnen nicht zu denken.
Doch wer will schon im Fitnessstudio schwitzen, wenn die nächste Autobahnausfahrt so verführerisch nah ist? Sanft aufs Gas gedrückt und schon schieße ich – zumindest eine halbe Minute lang – mit 180 Sachen über die leider recht belebte Autobahn. Der Wechsel von meinen gewohnten 45 auf 190 PS macht sich bei dieser Geschwindigkeit besonders bemerkbar: Nichts dröhnt, nichts ruckelt – obwohl ich meine Wohlfühlgeschwindigkeit eben um 50 Stundenkilometer überschritten habe, fühle ich mich so sicher wie in einem Bobbycar. Überholmanöver sind trotz schmalem Heckfenster kein Problem: Die riesigen Seitenspiegel und das Warnsystem, das Fahrzeuge im toten Winkel anzeigt – Sonderausstattung sei Dank – sorgen für beste Sicht.

Am Abend ist die Kneipe um die Ecke gestrichen, ich freue mich über die kurvige Landstraße nach Merdingen und bin kein bisschen enttäuscht, als das Restaurant geschlossen hat. Dann eben über den Kaiserstuhl weiter nach Schelingen. Beim Essen entfällt die typische Diskussion zwischen mir und meinem Freund, wer fahren muss und wer ein Viertele trinken darf. „Du durftest schon hin fahren, jetzt bin ich dran“, moniert er, sein Wasserglas fest im Griff. Na gut.

Auch am nächsten Morgen steht die Welt schief. Um neun Uhr werde ich unsanft aus meinen Träumen gerissen. „Schaaaatz, aufstehen! Wir müssen loooos“, dröhnt es neben mir. Ist das tatsächlich derselbe Mann, der samstags am liebsten bis zwölf Uhr mittags schläft?

Die Fahrt auf den Schauinsland, auf die ich mich nach der anfänglichen Schlaftrunkenheit ebenfalls freue, beginnt enttäuschend. Nach den ersten schnellen Kurven, in denen der Evoque wie eine Eins liegt, hängen wir hinter einem Flachlandtiroler mit Hamburger Kennzeichen fest. Auch das Wetter zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Trotzdem stürzen wir uns in den Schnee – und ich kann mich auf der Rückfahrt nicht nur über eine Sitz-, sondern auch über eine Lenkradheizung freuen. Die Inneneinrichtung ist mit mehrfarbiger Ambiente-Beleuchtung, speicherbaren Sitzpositionen, Ledersitzen mit Lendenwirbelstützen und vielem weiteren Schnickschnack wunderbar dekadent.

Weniger schön ist der Blick nach außen, denn jetzt hat sich ein Wohnwagen vor uns geschoben. Doch dann, während die Beats von Pitbulls „Feel this moment“ das Auto pulsieren lassen (Subwoofer und zehn Lautsprecher machen es möglich), ist genau solch ein Moment da: Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Wolken, gleichzeitig leuchtet der Blinker des Schleichers vor uns auf und endlich liegt die Serpentinenstraße frei vor uns.

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Info:
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 140 kW (190 PS)
Antrieb: Allrad
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,5 sec
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
CO2-Emission: 169 g/km
Durchschnittlicher Verbrauch (kombiniert): 6,4 l
Basispreis: 38.100 €
Preis des getesteten Evoque mit Sonderausstattung: 58.540 €

Fotos: Tanja Bruckert