Geplante Obsoleszenz nennt man es, wenn Menschen dazu angehalten werden sollen, alte Produkte durch neue zu ersetzen. Der Freiburger Autor Jürgen Reuß erläutert in seinem Buch „Kaufen für die Müllhalde“ welche Strategien Unternehmen dazu entwickelt haben – von eingebauter Sabotage über Konsumanreize durch Marketing bis hin zum schrittweisen Einsetzen von Innovationen (s. chilli Februar 13).

Die Wegwerfmentalität ist ärgerlich für Käufer, die Produkte langfristig nutzen möchten, richtig schlimm ist sie allerdings für die Umwelt. Reuß hat bei seinen Recherchen Zahlen gefunden, laut denen jeder Europäer durchschnittlich 20 Kilo Elektroschrott im Jahr wegschmeißt. Dieser Elektroschrott ist meist nicht zu recyceln: Ein Fernseher besteht aus vier- bis fünftausend verschiedenen Stoffen, schon eine Milchtüte vereint mit der Alu-Innenbeschichtung und der Plastik-Außenbeschichtung zwei verschiedene Stoffe.


Cosima Dannoritzers Film, auf dem das Buch „Kaufen für die Müllhalde“ basiert, zeigt eindrucksvoll, was mit diesem Elektroschrott passiert: An einem ghanischen Küstenstreifen steht Umweltaktivist Mike Anane und fotografiert Containerschiffe, die Berge von kaputten Elektrogeräten in die Dritte Welt schiffen. Ein Schnitt, und die Kamera zeigt hustende Kinder auf einer Müllhalde, die sich dem Qualm schmorender Elektrogeräte aussetzen, um an die verbauten Edelmetalle zu kommen. Der Export von Elektroschrott in die Dritte Welt ist zwar nach internationalem Recht verboten, dennoch stapeln sich auf den illegalen Müllkippen nicht mehr zu reparierende Computer, die von den Händlern als Gebrauchtware deklariert wurden.

Alternativen zur geplanten Obsoleszenz zu finden, ist schwierig, denn – auf ihr beruht unser Wirtschaftssystem. „Wer unsere Wachstumsgesellschaft gutheißt, darf auch die geplante Obsoleszenz nicht verteufeln“, stellt Jürgen Reuß klar. Ständiges Wachstum ist nur durch ständigen Konsum möglich – ohne ihn gäbe es keine Produkte, keine Industrie und viel zu wenig Arbeitsplätze.

 

Gibt es also einen Weg, um immer mehr und immer weiter zu konsumieren, ohne dabei die Umwelt zu zerstören? Um es gleich vorweg zu nehmen: Einen Königsweg hat noch niemand gefunden, doch zumindest existieren Ansätze. Der „Cradle to Cradle“-Gedanke (von der Wiege zur Wiege) setzt etwa nicht auf den Verzicht von Konsum. Stattdessen sollen Produkte immer wieder verwendbar sein und somit nie zu Müll werden. Vorbild dieses Gedanken ist die Natur, deren Pflanzen, sobald sie absterben, kompostiert werden und die Grundlage für Neues bilden.

Dieses Konzept steckt jedoch noch in den Kinderschuhen: „In der Praxis gibt es erst wenige solcher Produkte. Es ist ja schön, wenn man die Sitzbezüge des Airbus komplett kompostieren kann, doch was ist mit den anderen 99 Prozent des Flugzeugs?“, kritisiert Reuß. „Außerdem löst das Konzept nicht das Energieproblem. Um etwas Neues zu erschaffen und um die Produkte zu transportieren, ist nun mal Energie nötig.“

Noch ist also die Energie jedes Einzelnen gefordert: Umzudenken, zu Hinterfragen und neue Wege zu finden. Doch zumindest die chilli-Wiederverwertung ist schon mal geklärt:

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Text: Tanja Bruckert / Foto: orange press