Die mecklenburgische Seenplatte hat ja durchaus ihre Reize, aber die oberitalienische Seenplatte keinesfalls weniger: Lago Maggiore, Lago Lugano, Lago di Como und die vielen kleinen unbekannteren Seen lohnen zu fast jeder Jahreszeit eine Stippvisite. Am besten als Seenhopping.

 

Lago Maggiore

 

Nach dem Gotthard-Tunnel ist schon bald vor dem Lago. Denn ist gibt ja eigentlich nur einen Lago in Italien, der auch einfach nur Lago genannt wird, der Literaten anziehende Längensee, an dem Friedrich Nietzsche im April 1887 drei Wochen verbrachte oder an dem Schriftsteller Erich Maria Remarque lebte und auch beerdigt liegt. Vom schweizerischen Tenero im Norden mit seinen herrlich gelegenen Campingplätzen zieht er sich auf der mondäneren Westseite über Locarno, Ascona, Cannobio, Verbanio, Stresa, Arona bis nach Sesto Calende.

 

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Die ursprünglichere Ostseite lockt mit einem deutlichen Plus an Abendsonne und zieht sich durch Maccagno, Luino und Laveno bis nach Angera, wo das Rocca Borromeo absolut einen Besuch lohnt. Wer nur diesen „einen perfekten Tag“ erleben will: In Laveno mit dem Rad aufs Schiff steigen, rüber nach Intra schippern, von dort die Bucht von Baveno umradeln – wahlweise: über Wasser an der Isola Madre, der Isola dei Pescatori und der Isola Bella (wo im Palast der Herrscherfamilie einst Napoleon übernachtete) rüber nach Stresa – und dort mit der Seilbahn den 1491 Meter hohen Monte Mottarone hinauf.

 

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Auf 800 Metern gibt es einen Zwischenstopp mit leckerem Espresso an der Station Alpino, dann weiter mit dem Sessellift auf den Gipfel mit atemberaubenden Blicken über den Lago. Bei gutem Wetter sind von hier gleich sieben Seen zu sehen: Lago Maggiore, Lago d‘Orta, Lago di Mergozzo, Lago di Monate, Lago di Varese, Lago di Comabbio und der Lago di Biandronno.

 

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Zurück am Hafen geht es mit dem Schiff retour auf die Ostseite, zur kleinen Anlegestelle an der musealen Einsiedelei Santa Caterina del Sasso (wer charmant ist, den lässt der örtliche Oberhirte nach der Besichtigung auch mit dem Fahrrad im Lift nach oben fahren) und von dort wieder – zumeist leicht bergab – zurück nach Laveno. Zum Abendessen geht es hier dann mit der spektakulär offenen Funivia auf den gut 1000 Meter hohen Monte Sasso des Ferro ins wohl am ganzen Lago am herrlichsten gelegene Restaurant Plateau Poggio Sant‘Elsa. Von hier aus kann man längst nicht nur den am Vormittag erklommenen Monte Mottarone aus bester Perspektive sehen. Nach dem Mahle könnte man von hier oben auch auf Schusters Rappen wieder an den See kommen – das ist aber nur bei Tageslicht zu empfehlen und nicht gänzlich anspruchslos.

 

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Lago Lugano

 

Die Distanz zum Lago Lugano lässt sich nach einem Ruhetag lässig auch mit dem Rad überwinden: Einfach von Luino aus der Lombardei über Ponte Tresa ins Tessin rüberfahren. Wer am Lago Lugano und Literaturliebhaber ist, dem sei ein Besuch in Montagnola empfohlen. Denn hier steht im alten Torre Camuzzi eine Schreibmaschine, die die Weltliteratur beeinflusst hat: Es ist die von Hermann Hesse, der in Montagnola in der Casa Camuzzi etwa den Steppenwolf schrieb, Klingsors letzter Sommer, Siddharta und auch Narziss und Goldmund. Ein sehr kontemplativer Ort – bei dem übrigens zur musischen Stimmung auch die im Innenhof lebende Schildkröte Knulp beiträgt.

 

 

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Lago di Como

 

Der Lago di Como, das umgekehrte Y unter den oberitalienischen Seen, ist wieder nur einen Katzensprung weg und geizt auch nicht mit Reizen. Nach einer Schlenderei durch die namensgebende Stadt mit dem bildprägenden Dom Santa Maria Maggiore, der prachtvollen Villa dell‘Olmo und dem architektonisch auffälligen Tempio Voltiano am Hafen fahren wir auf der hoch über dem See mit herrlichen Ausblicken gesäumten Panoramastraße bis ins reizende Örtchen Bellagio im Scheitelpunkt der beiden Y-Arme. Hier atmet die Belle Époque noch Seeluft, hier gibt es die traditionsbewussten Hotels und eine kleine, feine Altstadt, von der viele steile Gässchen hinunter an die Promenade führen. Lassen Sie sich am Ufer einen Gang an die Punta Spartivento an der Landspitze nicht entgehen.

 

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Von Bellagio aus schippern wir mit der Fähre nach Varenna auf der Ostseite. Wer das nicht minder malerische Dörfchen, „La Perla del Lago di Como“, durchschlendert, der sollte auch hoch ins Castello di Vezio (zu Fuß vom Hotel Montecodeno aus in 40 Minuten), um eine wahrlich überwältigende Sicht auf die drei Arme des Sees zu genießen. Der Comer See hat übrigens mit 170 Kilometern die längste Küste aller italienischen Seen, und auch er war und ist ein Rückzugsort für Dichter mit Tiefgang: Schon Vergil arbeitet hier, später kamen Stendhal oder Gustave Flaubert an den mit 410 Metern tiefsten See Europas. Durchaus nachvollziehbar.

 

 

Text & Fotos: Lars Bargmann

 

Weitere Italien-Reisetipps:

 

Rom http://chilli-freiburg.de/start/reise-ein-wochenende-in-rom/

Padua http://chilli-freiburg.de/?p=32011