Der Pinguin meint es ernst, da kann er noch so süß gucken. „Einmalige Einreise, keine Arbeitserlaubnis“, sagt er mit spitzem Schnabel – zumindest sieht es so aus. Denn die vermeintliche Sprechblase ist in Wahrheit das offizielle Landes-Siegel, das Touristen am Flughafen in ihren Reisepass gestempelt bekommen. Neben dem Pinguin beinhaltet es ein Schaf und ein Schiff – Symbole, die untrennbar mit dem Wohlstand der Falklandinseln verbunden sind.

 

Flagge der Falklands

Die Flagge der Falklands ist überall präsent in der Hauptstadt Stanley.

 

Wer echte Pinguine sehen möchte, braucht vor allem Geduld. Fast zwei Tage dauert allein die Anreise auf das karge Eiland, das sich selbst gerne als „Tor zur Antarktis“ bezeichnet, in der allgemeinen Wahrnehmung aber hauptsächlich durch den ungelösten Konflikt mit Argentinien aufgefallen ist. Obwohl die Falklands nur 400 Kilometer von der argentinischen Küste entfernt liegen, gehören sie politisch zu Großbritannien. Der Ausdruck „Kolonie“ ist in Südamerika deshalb geläufig – und damit ist nicht nur die größte Königspinguin-Kolonie der Welt gemeint.

 

Bucht auf den Falklandinseln

Manchmal scheint auf den Falklandinseln sogar die Sonne.

 

All das gerät freilich schnell in Vergessenheit, wenn man erst einmal da ist. Eine Million Vögel, 486.000 Schafe und Tausende von Pinguinen tummeln sich an einsamen, weißen Stränden, zu denen allenfalls ein paar Schotterpisten führen. Zum Vergleich: Menschen gibt es hier nur rund 2700. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf soll der Fremdenverkehr nun zum Leben erwachen.

 

Magellan Pinguine

Magellan Pinguine auf den Falklands

 

Ganz so weit ist es aber noch nicht, was schon bei der Ankunft klar wird. Seit der kommerzielle Flughafen vor 31 Jahren bombardiert wurde, existiert nur noch die Landebahn der britischen Militärbasis. Einmal pro Woche verwandelt sie sich in einen „International Airport“: Dann landen nicht nur Truppentransporter, sondern auch Touristen-Jets im militärischen Sperrgebiet.

 

In die Hauptstadt Stanley (2100 Einwohner) führt nicht etwa eine Straße, sondern eine von Schlaglöchern durchsiebte Schotterpiste. Es holpert, rattert, schaukelt – dagegen wird selbst der turbulente Flug zum Spaziergang.  „No worries!“, ruft der Busfahrer, keine Sorge, denn manche Gesichter sind schon nach fünf Minuten so blass wie der aufgewirbelte Staub. Vorbei an Militär-Jeeps, Bunkern und Tarnnetzen geht es durch karges, subantarktisches Grasland. Überall Geröll und Gestrüpp, kein einziger Baum.

 

Die Hauptstadt Stanley

Die Hauptstadt Stanley

 

 

Ohne Vorwarnung taucht plötzlich der zweitwichtigste Wirtschaftszweig auf der Fahrbahn auf. Da Schafwolle nach Fisch zu den gefragtesten Exportgütern gehört, haben die Tiere überall Vorfahrt. Aber sie machen bereitwillig die Piste frei, noch bevor ihnen der Bus gefährlich werden kann.

 

„Als ich das erste Mal hier ankam, fühlte ich mich wie auf dem Mond“, sagt Tony Mason. Der US-Amerikaner lebt seit acht Monaten auf den Falklands, soll sie als erster Tourismusdirektor fit für den internationalen Markt machen. Kein Handyempfang, Internet nur zu horrenden Preisen, ein Fernsehkanal namens „Falkland Islands TV“: Daran musste sich Mason erst gewöhnen. Und gibt ganz unverblümt zu: „Die Anreise ist momentan noch das größte Abenteuer.“

 

Falklands-Tourismus-Chef Tony Mason

Tourismus-Chef Tony Mason: “Ich fühlte mich wie auf dem Mond.”

 

Genauso holprig wie der Weg in die Hauptstadt ist nämlich die Prozedur, mit der man den Flug bucht. Internetportale und deutsche Reisebüros bedienen die Falklands nicht. Stattdessen läuft die Buchung über International Tours & Travel, dem einzigen Reisebüro auf den Falklandinseln. Zahlung per Überweisung oder Kreditkarte? „Leider nicht möglich“, heißt es per E-Mail.  Man solle den Betrag im Voraus bezahlen und wegen etwaiger Bankgebühren lieber etwas mehr überweisen – den Überschuss gebe es vor Ort zurück.

 

Auf diese Methoden angesprochen, lacht Mason. „Die Bezahlung per Vorkasse ist echt zu viel verlangt“, räumt er ein. „Hier auf der Insel leben eben alle noch ein bisschen in ihrer kleinen Welt. Vielleicht hat einfach noch niemand daran gedacht, dass so etwas verdächtig wirken könnte.“ 20.000 Touristen kommen jährlich her – aus Deutschland waren es 2012 genau 46. Immerhin: Es gab auch Jahre, da kam nur einer.

 

Falklands: Mit dem Jeep an den Strand

Falklands: Mit dem Jeep an den Strand

 

Die Inseln sind ein raues, aber angenehm lässiges Reiseziel. An fast jedem Haus hängt eine Falklands-Flagge, die außer dem Schaf auch den britischen Union Jack beinhaltet. „British to the core“, britisch bis ins Mark, ist auf zahlreichen Aufklebern zu lesen. Und wahrhaftig: Im Pub zapft der Wirt „London Pride“, dazu gibt es Fish and Chips. Bezahlt wird in britischen Pfund oder Falkland-Pfund, dem gleichwertigen Insel-Äquivalent. Voller Stolz kultivieren die Insulaner den Linksverkehr des Mutterlandes, den ihnen nicht mal die argentinische Armee austreiben konnte.

 

Überhaupt ist die militärische Vergangenheit omnipräsent. Geschütze, Gedenktafeln und Soldatengräber lassen keinen Zweifel daran, dass die heile Touristenwelt noch jung ist. „Dieses Abenteuer-Feeling ist ein Männertraum“, sagt Mason und belegt es mit Zahlen: Nur 15 Prozent der ankommenden Fluggäste seien weiblich. „Wir arbeiten daran, dass sich das noch verschiebt.“ In fünf, vielleicht zehn Jahren stellt er sich die Falklands als „richtigen“ Urlaubsort vor: Fünf-Sterne-Luxushotels, ein größerer Hafen, regelmäßige Flüge nach Europa, vielleicht eine eigene Airline.

 

Warnung vor Minen auf den Falklands

Mit eindeutigen Schildern wird auf den Falklands vor Landminen gewarnt.

 

Doch die wahre Pracht der Inseln zeigt sich ohnehin in der (noch) unerschlossenen Natur. Mit dem Geländewagen geht es hinaus an den Strand, wo die Pinguine ihren Nachwuchs großziehen. Der Wind peitscht, aber das macht den Abenteurern nichts aus: ein Ort, an dem man die Zeit  vergessen und selbst so unbedarft wie ein Pinguin durch den Sand watscheln kann. Nun ja, nicht ganz: Sobald ein tellergroßes Plastikobjekt auftaucht, ist Vorsicht angesagt. Es könnte eine angespülte Landmine sein.

 

Text & Fotos: Steve Przybilla

 

Info

Anreise und Unterkunft:

Der einzige Direktflug zu den Falklandinseln startet zwei Mal pro Woche von der Militärbasis Brize Norton im englischen Oxfordshire. Hin- und Rückflug kosten zusammen £2200 (rund 2550 Euro). Ab Frankfurt geht es günstiger, allerdings mit Zwischenstopps in Madrid, Santiago de Chile (eine Übernachtung) und Punta Arenas (Chile). Buchung per Vorkasse über International Tours & Travel. Das Reisebüro vermittelt auch Unterkünfte (DZ ab 150 Euro): www.falklandislands.travel

 

 

 

Weitere Insel-Tipps:

 

Menorca http://chilli-freiburg.de/start/reise-kleine-stippvisite-auf-menorca/

 

Cabo Verde http://chilli-freiburg.de/start/die-inseln-der-gegensatze/