Supermärkte sind vorwiegend weibliches Terrain. Die Ausnahme bilden sonnige Spätnachmittage, an denen das Thermometer die 25-Grad-Marke geknackt hat. Dann bilden sich vor der Fleischtheke lange Warteschlangen, Männeranteil: 99 Prozent. Bauarbeiter und Manager diskutieren hier einträchtig über die beste Marinade, die perfekte Grilltemperatur und ob es für die ganz hohe Grillkunst einen selbst gebauten Schwenkgrill oder doch eher den neuen Weber Gasgrill Q 2000 Titan braucht.

 

Wer es bis zur Verkäuferin geschafft hat, kompensiert die Wartezeit mit einem umso üppigeren Einkauf – schließlich ist das Alphatier dasjenige Männchen mit der größten Beute. Wäre das Hogwarts, wäre der Grill ein Portschlüssel, der auf direktem Weg in die Steinzeit führt. Es ist ein rätselhaftes Phänomen, warum selbst der modernste Mann – der in der Kantine einen Veggieburger bestellt, zum Pilates geht und Elternzeit einreicht – sich standhaft weigert, ein Stück Tofu auch nur in die Nähe seines Grills kommen zu lassen.

 

Glimmende Kohlen scheinen das ulitmative Symbol für Männlichkeit zu sein. Doch nun die schlechte Nachricht: Laut einer aktuellen Umfrage finden gerade einmal 28 Prozent der Frauen einen Mann am Grill sexy. Eine weitere zeigt, dass deutlich mehr Frauen einen Mann am Herd attraktiv finden. Also, liebe Männer: Wir lassen uns weder von offenem Feuer noch von Fleischbergen beeindrucken, sondern lieben es einfach, wenn ihr uns kulinarisch verwöhnt. Und das gerne auch einmal mit einem Stück Tofu.

 

Text: Tanja Bruckert