Studenten und Wissenschaftler, legt die Stifte beiseite, schiebt die Mikroskope weg und chillt doch einfach mal! Ersetzt die Forschung durch Fernsehen! Bleibt im Bett, anstatt euch den Rücken am Schreibtisch krumm zu sitzen! Will uns das die jüngste Uni-Publikation sagen, indem sie das Thema „Muße“ aufgreift? Nicht ganz. Vielmehr geht es in der ersten Ausgabe des E-Journals des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Muße. Konzepte, Räume, Figuren“ um die Möglichkeit, sich ohne Zeit- und Ergebnisdruck wirklich auf etwas einlassen zu können.

Muße im Moskauer Zeitcafé: auch dann noch sitzen bleiben, wenn der Kaffee per ist.

 

Im Garten arbeiten, ohne vom Handy unterbrochen zu werden, etwas schreiben, das nie veröffentlicht wird, wandern ohne Ziel – wie oft gibt es in der Burn-out-Gesellschaft tatsächlich noch solche Mußestunden? „Ich habe den Eindruck, dass das Thema im Diskurs durchaus vorhanden ist, dass es aber im Praktischen zu kurz kommt“, so Pia Masurczak, die das E-Journal (www.mussemagazin.de) gemeinsam mit einigen Doktoranden und Post-Docs des SFB herausgibt.

 

Die erste Ausgabe zeigt beides: Wie präsent das Thema ist, etwa auf der Deichkind-CD „Arbeit nervt“ oder im Film „Work Hard Play Hard“, aber auch, dass man Räume für den Müßiggang oftmals suchen muss, wie den Schreibaschram – eine Art Klostersimulation für Schreibende – oder die Zeitcafés in Moskau, in denen man auch dann entspannt sitzen bleiben darf, wenn der Kaffee längst ausgetrunken ist.

 

Warum aber einem modernen E-Journal das altmodische Wort „Muße“ als Titel verpassen – spricht man heute nicht eher von chillen oder relaxen? Weil Muße etwas ganz anderes ist, erklärt Masurczak. Keine Freizeit, die nur auf Erholung und Zerstreuung abzielt, aber auch keine Arbeit, die zwingend ein Ergebnis hervorbringen muss. Muße lässt sich irgendwo dazwischen finden.

 

Und sie ist wichtig – etwa für die Kreativität. Dabei kann Muße natürlich auch schnell umkippen: in „Nichtstun, Faulheit, Müßiggang“ – das Thema der nächsten Ausgabe, die im Herbst erscheinen soll. Doch auch das wird keine Ausgabe mit erhobenem Zeigefinger. „Ist Nichtstun immer positiv oder negativ zu werten? Müssen wir mit solchen Wertungen nicht anders umgehen“, fragt Masurczak. Eine Idee, die viele Studierende sicher gerne aufgreifen werden: „Meine Hausarbeit ist noch nicht fertig, aber muss man das jetzt negativ werten …?“

 

Text: Tanja Bruckert / Foto: Press-sluzba Ciferblata