Nachgewürzt! Die Gastkolumne von Florian Schroeder

Wenigstens auf die Kirche ist noch Verlass: Eine besudelte Soutane auf dem Cover – und zack, gibt‘s ne Klage. Und zwar vom Chef persönlich. Man hätte erwartet, dass die Latte höher hängt – erst recht in der katholischen Kirche. Immerhin – es hat gedauert: Die Titanic konnte die gesamte Ausgabe am Kiosk noch verkaufen. Klar, der Papst ist ja auch nur Stellvertreter, der musste die Klage erst noch mit seinem Chef besprechen.


Wahrscheinlich hat er gedacht: In Deutschland haben sie jetzt ein Meldegesetz, da muss ich mich auch mal wieder melden, bevor ich vergessen bin. Gegen die Titanic klagen – das gehört bestraft. Mit mindestens 10 Gastauftritten bei Maischberger. Das ist die Urologin unter den Talk–Moderatorinnen. Da treffen sich jede Woche die alten Männer, die sonst nichts mehr zu verlieren haben. Alles an ihnen ist erschlafft, sie wollten ja nie so alt werden, wie sie jetzt aussehen. Aber sie wissen: Sie müssen es machen wie der Papst: Mit Weisheiten aus ihren Jugendtagen vor dem Dreißigjährigen Krieg so tun, als hätten sie das 21. Jahrhundert verstanden. Es ist doch der einzige Ort, wo sie noch reden dürfen. Die eigene Frau hat schon einen Hund angeschafft, damit sie wenigstens ab und zu mal raus müssen. Das wär‘s: Der Papst in einer Runde mit lauter anderen überalterten Tölen: Der alte Kläffer Reich-Ranicki, Heiner Geißler, der alte Bullterrier, die unerträgliche Promenadenmischung Arnulf Baring und der alte Boxer Günter Grass. Thema der Sendung: „Warum wir uns einfach nicht einschläfern lassen können.“

Neben dem Papst noch der Partei Ministrant Phillip Rösler, der das Plapperstündchen nutzt, um seiner Heiligkeit sein Leid zu klagen, dass der ihn noch nicht verklagt hat – die FDP braucht doch PR, woraufhin Geißler schlichten soll und sagt: Die FDP ist schon so tiefgelegt, da hilft auch keine Klage mehr.

Der Papst lehnt ab und will lieber Stefan Mross verklagen, weil der täglich bläst – und das ganz ohne Priester zu sein. Und Thomas Gottschalk, weil er seinen Namen von seinem Chef abgeschrieben hat.

Viele sagen jetzt: Das Bild mit der eingenässten Soutane, das ist unter der Gürtellinie. Ja, wo auch sonst? Der Papst musste klagen, das Bild verletzt seine Menschenwürde. Das ist falsch, da gibt es ja nicht mehr viel zu verletzen. Ein Papst, der immer noch gegen das Frauenordinariat ist, den Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung vorangetrieben hat und einen Holocaust-Leugner aus der Pius-Bruderschaft zurück in den Schoß der Kirche holt, muss geistig so inkontinent sein, dass man ihn wirklich nicht anpissen darf – man muss.

Florian Schroeder, Kabarettist, studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

Foto: privat