Privathochschulen setzen sich in der deutschen Bildungslandschaft immer mehr durch. Laut Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft wurden in den vergangenen 20 Jahren mehr als 70 Prozent der privaten Hochschulen gegründet. Während vor zehn Jahren lediglich 1,4 Prozent der Studenten an einer privaten Einrichtung eingeschrieben waren, sind es heute in Baden-Württemberg 4,7 Prozent. Mit 26 staatlich anerkannten Privathochschulen liegt das Land im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Doch welche Vorteile bieten die Privaten und sind sie ihr Geld auch wirklich wert?

Hochschule

 

Nichtstaatliche Hochschulen finanzieren sich auf privater Basis und erheben daher teilweise hohe Studiengebühren. Im Durchschnitt kostet ein Studium an einer Privathochschule 500 Euro pro Monat, weiß Pressesprecherin Piret Lees vom Verband der Privaten Hochschulen. Je nach Studiengang oder Angebot der Hochschule können diese Kosten jedoch auch deutlich höher ausfallen. Zu den reinen Studiengebühren kommen meist weitere Kosten wie Anmelde- und Prüfungsgebühren, Schulmaterialien oder Auslandsaufenthalte.

Studenten, die weder auf reiche Eltern noch eigene Rücklagen zurückgreifen können, tun sich daher meist schwer, ihr privates Studium zu finanzieren. So auch Jan Immel, der vor fünf Monaten sein Sportmanagement-Studium an der Freiburger ISW Business School abgeschlossen hat. Um die Studiengebühren, Miet- und weitere Lebenshaltungskosten zu finanzieren, hat er während des Studiums in einem Fitnessstudio gearbeitet. „Es waren harte drei Jahre“, beschreibt der 26-Jährige seine Studienzeit. „Ich war pro Woche rund 30 Stunden an der Uni und habe 30 bis 40 Stunden gearbeitet.“ Vor dem Studium hatte sich Immel bereits zum Sport- und Fitnesskaufmann ausbilden lassen und konnte während der Studienzeit bei seinem Arbeitgeber weiterarbeiten. Seine Entscheidung für eine Privathochschule hat er nicht bereut: Durch ein Praktikum in Spanien konnte er wichtige Kontakte knüpfen und arbeitet nun im Fußballmanagement in Marbella – zunächst vor Ort, anschließend freiberuflich von Freiburg aus.

Der hohe Praxisbezug mit Praktika oder einem dualen Studiensystem ist auch laut Verband der Privaten Hochschulen einer der Vorteile. So bieten in Freiburg etwa die FOM und die Internationale Berufsakademie (IBA) duale Studiengänge an, und auch an der Angell Business School oder der Edith Maryon Kunstschule kann man berufsbegleitend studieren. Für Stefan Küpper, Bildungsexperte bei den Arbeitgebern Baden-Württemberg, sind die Privaten „ein wichtiger Partner bei der Entwicklung des Führungs- und Fachkräftenachwuchses“, da die Studiengänge oftmals in enger Abstimmung mit der Wirtschaft entwickelt würden.

Ein Kriterium bei der Wahl einer Hochschule sollte auch die staatliche Akkreditierung sein, die angibt, ob die Leistung einer nichtstaatlichen Hochschule mit dem staatlichen Angebot vergleichbar ist. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst prüft hierfür, ob das Studium auf eine berufliche Tätigkeit hin ausbildet, ob das Studienangebot inhaltlich und zeitlich den Anforderungen entspricht und viele weitere Kriterien.

Auch die Prüfungen müssen für eine staatliche Anerkennung gewissen Anforderungen genügen, so dass sich an einer privaten Hochschule niemand seinen Abschluss erkaufen kann. „In meinem Studiengang haben einige ein Semester wiederholt oder drangehängt“, weiß Privatschul-Absolvent Immel, „am Vorurteil des Privatschülers, der sich auf dem Geld der Eltern ausruhen kann, ist also nichts dran.“

Text: Tanja Bruckert / Foto: clipdealer.de