Genau einen Tag, nachdem der weiße Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufgestiegen und der neue Papst Franziskus in seinen Job als Oberhirte der katholischen Kirche eingestiegen war, übten wir uns im Aussteigen aus dem Flugzeug am Airport Fiumicino. Rom, die Ewige Stadt, grüßte mit trübem Wetter und einem übervollen Tiber, der die Ausflüge auf dem Fluss ins Wasser fallen ließ.

Das Colosseum

 

Eine gute halbe Stunde später waren wir im jüdischen Viertel in einem alten Palazzo aus dem 17. Jahrhundert untergebracht, und noch eine halbe Stunde später aßen wir in der Taberna del Ghetto – draußen auf der kleinen Terrasse an der Via del Portico d‘Ottavia, dem Zentrum des jüdischen Lebens, dem heutigen Herz des einstigen Ghettos nahe der Tiberinsel, das der Carafa-Papst Paul IV. im Zuge der Gegenreformation in der Mitte des 16. Jahrhunderts einmauern ließ und mehr als 300 Jahre lang die Juden absonderte.
Der Blick über die Dächer Roms

 

Auf der anderen Seite unseres Palazzo liegt der Campo di Fiori, der nicht mit geschichtsträchtigen Bauwerken protzt – ganz anders als seine Nachbarin, die Piazza Farnese – und am Abend umso mehr zum gemütlichen Verweilen in den Weingärten der Restaurants oder der kultigen Vineria Reggio einlädt, in der der Barkeeper natürlich weiß, dass an diesen Abend das Geisterspiel Lazio gegen Stuttgart läuft, aber, ach, welchen echten Römer interessiere schon Lazio.

Das Pantheon

 

AS Rom ist der angesagte Club, und ganz gleich ob im Bus (der öffentliche Nahverkehr insgesamt spielt nicht in der Serie A) oder in der Bar, der große Held der Römer ist nicht Miro Klose, es ist Francesco Totti, der nie woanders gespielt hat. „Totti gehören in Rom viele Häuser, schau da drüben, das kleine Hotel, das ist seines, und da hinten hat er ein großes Wohnhaus“, erzählt unser Reiseleiter Alfredo Albano. Auch er ein Totti- und begeisterter Rom-Fan. Albano wohnt mit Familie in EUR (Esposizione Universale di Roma), das Mussolini nach faschistischer Manier Ende der 30er, Anfang der 40er bauen ließ, weil es die Weltausstellung 1942 beherbergen sollte. Heute ist es im Süden von Rom ein schicker Wohnort mit breiten Straßen, großen Grünflächen. An die Allmachtsfantasien erinnert vor allem der im Volksmund als „Colosseo quadrato“ verspöttelte Palazzo della Civiltà Italiana. Nun denn. Abgesehen von unserem deutlich größeren Interesse für den in diesen päpstlichen Tagen zuverlässig sehr dicht besiedelten Petersplatz, für die spanische Treppe, die offenbar nur so heißt, weil die spanische Botschaft nebenan ihren Sitz hat, für die herrlichen Fontana di Trevi, fürs Forum Romanum, dem staunenswerten Colosseum oder dem zum vormittäglichen Schlendern einladenden Arbeiterviertel Trastevere, steht das Muss für jeden Rom-Besucher auf der Piazza della Rotonda: das keineswegs unprätentiöse Pantheon. Ein Meisterwerk römischer Ingenieurskunst. 43,30 Meter hoch, 43,30 Meter im Durchmesser. Mit einem neun Meter großen Loch (und Lichtquelle) in der Kuppelspitze, das wohl der Hauptgrund dafür ist, dass dieses deliziöse Denkmal schon auf 2040 Jahre zurückblickt.

Piazza Venezia mit dem Viktor-Emanuel-Denkmal

 

Wer sich die Füße nicht wundlaufen möchte, dem sei durchaus eine Sightseeing-Tour in einem der Open-Air-Busse (etwa dem roten 110er) empfohlen – Vorsicht: Die halten längst nicht immer da, wo die Pläne es gern hätten. Am besten gleich zur Piazza Venezia schlendern, wo das ebenfalls staunenswerte Viktor-Emanuel-Denkmal die Blicke fesselt. Die Busse fahren zwei Stunden lang viele Sehenswürdigkeiten an – wenn sie hinkommen; man kann zwischendurch aussteigen, um etwa einen Abstecher ins Caffè Greco unweit der Spanischen Treppe zu machen. Das älteste Café Roms wurde 1760 von einem Menschen gegründet, dessen Nationalität sich am Namen ablesen lässt. Hier philosophierte Goethe (auch er hängt im verwinkelten Gebäude an einer Wand), hier trafen und treffen sich Künstler, natürlich auch Touristen, die dann von einem livrierten Ober an die kleinen Tische geleitet werden. Es gibt köstliche Kleinigkeiten und klasse Kaffee – eine äußerst gemütliche Oase nur ein paar Schritte entfernt vom Trubel auf der Via dei Condotti. Wer es noch ruhiger mag, der erklimmt die Spanische Treppe und schlendert in die grüne Lunge Roms, in den (80 Hektar großen) Kulturpark Villa Borghese, den im 17. Jahrhundert Kardinal Scipione Cafarelli-Borghese angelegt hatte. Wer sich die „Königin der Privatsammlungen“ in der Galleria Borghese, für manche das schönste Museum von Rom, anschauen möchte, der muss die Karten (www.ticketeria.it) vorher bestellen.

Circus Maximus

 

Der weiße Rauch ist mittlerweile verflogen, Franziskus klebt schon in großen Konterfeis auf den Bussen, das trübe Wetter ist einem frühlinglichen Abend gewichen und in der Vineria Reggio lächelt Barkeeper Marcello, als er die Gäste des Vorabends sieht. Rosso? Wir nicken.

Anreise:
Vom EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg (euroairport.com/de) fliegen Swiss und Easy Jet täglich in anderthalb Stunden nach Rom.
Für 30 Euro kann man den Wagen für bis zu vier Tage am EAP abstellen.

Mehr Infos:
www.roma-antiqua.de, www.info.roma.it, www.turismoroma.it
www.2night.it, www.atac.roma.it


Text: Lars Bargmann / Fotos: clipdealer.de/Lars Bargmann