Es kommt fast auf dasselbe heraus, ob man an der Stazione Centrale, Garibaldi oder Nord ankommt – die Bahnhöfe liegen alle zentrumsnah, und der öffentliche Nahverkehr in Mailand lässt kaum zu wünschen übrig. Das eigene Auto sollte man weit draußen vor der Stadt parken. Das Autofahren überlässt man besser den Milanesen.

Der Mailänder Dom

 

Von der Stazione Nord lohnt sich der Weg über das Castello Sforzesco, die alte Festungsanlage mit ihren Türmen, Springbrunnen und dem weitläufigen Park. In der Weihnachtszeit dreht sich hier im Parco Sempione seit Kurzem ein Riesenrad. Vis-à-vis der Festung heizt der Cappuccino im Café wieder ordentlich ein. Ein paar Schritte weiter, am Corso Garibaldi, verführt die Pizzeria Birreria „Grand Italia“ zu „Tortellini di Zucca con Verdure alla griglia“. Dann stürzen wir uns hinein ins Getümmel: ab in Richtung Zentrum.

Castello Sforzesco

 

Außen pfui, innen hui – doch, sie ist es: die legendäre Oper „La Scala“. Gleich dahinter die sich kreuzförmig nach allen Seiten öffnende Galeria Vittorio Emanuele II, die von den Einheimischen schlicht „Galeria“ genannt wird. Die Blicke wandern hin und her zwischen den prunkvollen Fassaden und den mit Luxusgütern und verführerischen Delikatessen gefüllten Schaufenstern. Dann wieder nach oben zu dem architektonisch brillanten Glaskuppeldach, das ein Bummeln bei jedem Wetter erlaubt. Und schließlich finden sich alle Blicke auf dem Boden ein, sobald man sich dem Zentrum der Galerie nähert. Was tun die Leute dort? Einer nach dem anderen dreht auf dem Bodenmosaik eine Runde oder mehr. Manche mit dem Kinderwagen, andere als Paar. Man sieht den Hoden des dort abgebildeten Stiers an, dass hier schon etliche Wünsche erfüllt wurden: je mehr Drehungen, desto reicher der Kindersegen.

Galeria Vittorio Emanuele II

 

Ausgang Galeria Sud: Der Blick öffnet sich in die Weite. Er wandert und wandert nach oben. Der Mund bleibt offen stehen bei so viel strahlender Pracht. Ja, das ist er, unverkennbar: der Mailänder Dom. Das Vorzeigebauwerk lombardischer Gotik, erbaut aus hellem, sandfarbenem Marmor. Bei der ansehnlichen Größe – es handelt sich um die drittgrößte Kirche nach dem Sankt Petersdom im Vatikan und dem Dom von Sevilla – erstrahlt der Platz in seinem Antlitz wie von der Sonne beschienen. Unzählige spitze Türmchen und Figuren recken sich dem Himmel entgegen. Auf der Piazza herrscht reges Treiben: Maroni-Verkäufer, Glühweinstände, Zuckerbäcker. Und eine weitere Attraktion erwartet uns: Mitten auf dem riesigen Platz vor dem Hauptportal des Doms steht eine mobile Eisbahn. Eis laufen inmitten der Altstadt, die äußerst selten auch nur einen Hauch von Schnee und Eis erlebt. Wir folgen gerne der Einladung und ziehen Mütze, Schal und Handschuhe an, schnallen uns die Schlittschuhe an die Füße und los geht’s.

Wenige Schritte weiter, an der Piazza Mercanti, befindet sich der Weihnachtsmarkt. Auch eine eher selten anzutreffende Besonderheit im ganzjährig schneefreien Mailand. Und am Piazzale Cimitero Maggiore, dem Hauptfriedhof, organisieren die Mönche des Kapuziner-Ordens traditionell zur Weihnachtszeit eine Krippenausstellung mit Kunst- und Geschenkemarkt.

Nostalgisch anmutenden Tram

 

Ein Abstecher in die Navigli, Mailands ältesten Stadtteil, krönt den Ausflug mit dem Blick auf windschiefe Häuser in schmalen Gassen. Hausboote schaukeln auf den Kanälen. Dazwischen eine schwimmende Plattform, auf der eine weitere Eisbahn eingerichtet wurde. Wem danach die Füße brennen, dem legen wir für den Rückweg die Fahrt in der nostalgisch anmutende Tram durch die Innenstadt wärmstens ans Herz.

Text: Reinhold Wagner / Fotos: Martin Fels /pixelio.de; Reinhold Wagner; Richard/pixelio.de

www.visitamilano.it